Discgolf

Das Runde muss ins Kettige

Discgolf ist ist eine beliebte Alternative in Corona-Zeiten – der Bremer Profi Jan Bäss hat etliche Merksätze über seinen Sport auf Lager, bei dem die Bahnen bis zu 200 Meter lang sein können.
09.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Das Runde muss ins Kettige
Von Patricia Friedek
Das Runde muss ins Kettige

Guter Wurf: Jan Bäss ist mehrfacher deutscher Meister im Discgolf.

Frank Thomas Koch

Jan Bäss öffnet seinen Rucksack. Darin hat er verstaut, was er zum Discgolf braucht. Kugelschreiber, Wertungskarten, ein Handtuch zum Säubern – und das Wichtigste, die Frisbees natürlich. Die Scheiben sehen auf den ersten Blick gleich aus. Sie alle sind rund, nur die verschiedenen Farben fallen auf. Lila, Orange, Gelb, Blau. Aber der Eindruck täuscht: Die Frisbees sind vor allem an der Unterseite ganz unterschiedlich geformt. Das Offensichtliche, also die Farbe, spielt dabei keine Rolle. Frisbee darf man eigentlich gar nicht sagen, weil der Begriff als Markenname geschützt ist.

„Aber wenn man Frisbee sagt, kann sich jeder etwas darunter vorstellen“, sagt Bäss. Die Kanten sind schärfer oder weicher, die Scheiben leichter oder schwerer, größer oder kleiner. Oft sind die Unterschiede nur minimal. Aber darauf kommt es im Discgolf an. Auf die Feinarbeit, die Präzision beim Wurf. Und eben auch auf die richtige Scheibe. Bäss sagt, es gehe viel Zeit drauf, die richtige Frisbee auszusuchen. Und das, obwohl man nur 30 Sekunden hat, den Wurf auszuführen. Welche Disc der 47-Jährige auswählt, macht er vor allem von der Wetterlage abhängig.

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Bäss schaut zu den Blättern an den Bäumen im Weseruferpark. „Das ist ein guter Orientierungspunkt“, sagt er. Daran könne man gut erkennen, wie der Wind steht. Aber auch in welchem Winkel der Spieler vor dem Korb steht, ist für die Wahl der Scheibe wichtig. Denn darum geht es am Ende schließlich, die Frisbee in den Korb mit den Ketten zu werfen.

Das Runde muss ins Kettige, sagt man beim Discgolf laut Bäss gerne. Dafür hat man pro Bahn eine Vorgabe für die ideale Anzahl an Würfen. Ziel ist es, den Korb mit möglichst wenigen Würfen zu treffen. Im Gegensatz zum Ultimate-Frisbee, wo die Spieler hin und her laufen müssen um die Scheibe zu fangen, kann man beim Discgolf gemütlich von einem Punkt zum nächsten gehen.

18 Bahnen gibt es in der Anlage in Rablinghausen, sie erstreckt sich fast komplett über den Weseruferpark. Bäss hat die Körbe vor ein paar Jahren selbst mit ein paar Kollegen vom Discgolf-Verein Drehmoment aus Bremen aufgebaut. Es ist seine Leidenschaft, das merkt man, wenn er erst einmal anfängt von seinem Sport zu erzählen. Dass man mit seiner Hand direkt Einfluss auf den Wurf und die Rotation der Scheibe hat, das begeistere ihn. Aber auch, dass eigentlich jeder Discgolf spielen kann, ganz egal wie alt oder wie fit er ist.

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Und auch das Wetter spielt eigentlich keine große Rolle. Wenn es regnet und im Idealfall die Sonne zusätzlich scheint, dann könne man sehen, wie die Scheibe sich durch die Regentropfen ihren Weg bahnt und sie „wegroutiert“, sagt Bäss und strahltm während er davon spricht. Auch an diesem Vormittag regnet es, aber das macht dem Profi-Discgolf-Spieler nichts aus. Dann wischt er eben einmal mehr mit dem Handtuch über die Scheibe.

Anfänger sollten mit den sogenannten Puttern spielen – das sind Scheiben, die sich besonders gut dafür eignen, sie aus einer kürzeren Entfernung in den Korb zu werfen, erklärt Bäss. Dabei führt man sie „von der Körpermitte in die Korbmitte“, wie Bäss sagt, ohne sie wirklich zu drehen. Sowieso scheint Discgolf ein Sport der Merksätze zu sein. „Öffne dein Herz“, sagt Bäss zum Beispiel, wenn er jemandem erklärt, wie er seinen Wurf abschließen soll. Denn dabei sei es wichtig, gerade zu bleiben und die Arme zu öffnen. Oder: „Rotation ist das A und O“, denn die bestimme ja, wie nah man mit der Frisbee an den Korb kommt.

Auf manchen Bahnen im Weseruferpark sieht man den Korb vom Startpunkt aus gar nicht mehr. Das wirke auf viele abschreckend, sagt Bäss. Daraus hat der 47-Jährige ein Geschäftsmodell gemacht. Mit seiner sogenannten „Trickshot“-Bahn besucht er verschiedene Veranstaltungen, auch auf der Breminale hat Bäss sie schon aufgebaut. Es ist ein mobiler Parcours, der ein wenig vergleichbar ist mit Minigolf. Denn die Entfernungen beim Trickshot sind mit sechs bis zehn Metern deutlich geringer als beim normalen Discgolf, bei dem die Bahnen schon mal bis zu 200 Metern lang sein können.

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Das Discgolfen populärer machen, das hat sich Jan Bäss nun auch in der Corona-Zeit zum Ziel gesetzt. „Als kontaktloser Sport eignet sich Discgolf perfekt, um unter den Corona-Schutzmaßnahmen zu spielen“, sagt er. Er habe beobachtet, dass in den vergangenen Wochen zunehmend Menschen Discgolf als Sportart im Freien für sich entdeckt hätten. Deshalb bietet der Verein Drehmoment nun ab sofort jeden zweiten Dienstag im Monat einen Discgolf-Doppel-Termin an. „Wir haben uns für das Doppel entschieden, damit niemand alleine spielen muss und die Hemmschwelle kleiner ist“, sagt Bäss.

Dann spielen die Spieler in Zweierteams gegen jeweils ein anderes Zweierteam. Von der besser gelegenen Scheibe aus führen sie dann den nächsten Wurf durch, das sei besonders anfängerfreundlich, sagt Bäss. Der Treffpunkt ist immer um 17 Uhr, zum Anfang gibt Bäss eine kleine Einführung in Sportart und Wurftechniken. Angesetzt sind die Treffen bis etwa 20.15 Uhr. Allerdings sei niemand verpflichtet, bis zum Ende zu bleiben. Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse jan.baess@nordisc.de bei ihm melden.

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Zur Sache

Ursprungsland USA, Hochburgen Finnland und Estland

Discgolf ist eine recht junge Sportart, die in den 70er-Jahren in den USA entwickelt wurde. Bereits um 1980 herum bildeten sich in Deutschland erste Discgolf-Gruppen. Aktuell gibt es in Deutschland etwa 3000 regelmäßige Discgolfer. Der Weltverband, die Professional Disc Golf Association (PDGA), schätzt die Zahl der aktiven Disc-Golfer weltweit auf eine halbe Million. Zu den Discgolf-Hochburgen zählen Finnland und Estland. In Bremen gibt es neben dem Weseruferpark in Rablinghausen noch zwei weitere Discgolf-Anlagen: Den Areal56 Discgolf-Park an der Borgwardstraße und einen Discgolf-Park am Fallturm, der zum Bremer Hochschulsport gehört. Der derzeit erfolgreichste deutsche Spieler ist der aus Bremen stammende Simon Lizotte, der die „GermanTour“ bereits mehrfach gewinnen konnte und schon sechsmal deutscher Discgolf-Meister geworden ist. Simon Lizotte ist zudem zweifacher Europameister und wird zu den zehn besten Spielern der Welt gezählt.

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