Reitturnier des RC Rosenbusch

Ein Glückstag in Bremen

Vier Springreiter hatten es im Großen Preis von Oberneuland ins Stechen geschafft. Am Ende reichte es nicht ganz für einen Bremer Triumph. Harm Wiebusch aus Wedel blieb als einziger fehlerfrei.
27.05.2018, 20:53
Lesedauer: 4 Min
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Ein Glückstag in Bremen
Von Ruth Gerbracht
Ein Glückstag in Bremen

Auf dem Sprung zu Rang drei: Tobias Bremermann vom Reitclub Bremen-Hanse schafft es beim Rosenbusch-Turnier im Großen Preis bis ins Stechen.

Frank Thomas Koch

Es hätte fast einen Bremer Sieg gegeben beim Großen Preis von Oberneuland, dem Ulrike-Bergmann-Preis. Tobias Bremermann, der für den Reitclub Bremen-Hanse startet, gelang mit seiner Erfolgsstute Vicky der Sprung ins Stechen. Vier Reiter hatten sich dafür qualifiziert, Bremermann musste als erster in den Parcours und patzte leider. Ein Abwurf bescherte ihm am Ende einen immerhin guten dritten Platz. Den Sieg aber holte sich der 32-jährige Harm Wiebusch aus Wedel mit seinem neunjährigen Wallach Clouseau. Die beiden hatten als letztes Paar alles in der Hand. Alle drei vor ihnen hatten sich einen Abwurf erlaubt, sodass Wiebusch auf Sicherheit reiten konnte. Am Ende waren die beiden zwar die langsamsten, blieben aber als einzige fehlerfrei.

Wiebusch konnte seinen Erfolg kaum fassen. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Der Druck war so groß, als Letzter zu reiten. Es war ein Glückstag heute, denn der Parcours war ziemlich schwer“, erklärte ein strahlender Sieger. Seit eineinhalb Jahren ist Harm Wiebusch, der zusammen mit seinem Vater seinen Verkaufs- und Ausbildungsstall unterhält, im Besitz von Clouseau. „Bis vor Kurzem ist er nur M-Springen gegangen, aber er hat einen großen Sprung nach vorne gemacht“, freute sich der Reiter. Seit mehreren Jahren fährt er zum Turnier in Bremen, doch noch nie hat er ähnlichen Erfolg gefeiert. „Das ist überhaupt mein erster Sieg bei einem Drei-Sterne-Springen.“

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Das spannende Stechen beim Großen Preis war ein runder und gelungener Abschluss des viertägigen Turniers des RC Rosenbusch. Genauso hatte es sich Jörn Forkert gewünscht. Dementsprechend zufrieden zeigte sich der Turnierleiter und 1. Vorsitzender des Vereins. Selbst das zeitgleich stattfindende Turnier in Nörten-Hardenberg hat den Bremer Veranstaltern keine Kopfschmerzen bereitet. „Das hat uns nicht geschadet“, erklärt Jörn Forkert, der als einziger der drei Forkert-Brüder kein Turnierreiter ist. „Wir haben ein attraktives Teilnehmerfeld und möchten ja auch den regionalen Reitern eine Chance geben, sich und ihre Pferde zu präsentieren.“

Das hat auch in diesem Jahr geklappt. Vier Tage lang gab es attraktiven Sport mit spannenden Wettkämpfen. Auch die Besucherzahl stimmte. Lediglich am Sonnabend hätten es ein paar Gäste mehr sein können. „Aber womöglich war es dem ein oder anderen dann doch zu heiß“, meinte Jörn Forkert. Am Sonntag zum Großen Preis von Oberneuland, dem Turnierhöhepunkt, war die Hütte dann auch wieder voll, trotz 28 Grad im Schatten.

Über einen neuen Programmpunkt freuten sich die Forkerts besonders. Erstmals hat es beim Reitturnier in Oberneuland eine Fohlenauktion gegeben. Die Preise waren ambitioniert, für 6000 bis 15.000 Euro gingen die gerade geborenen Fohlen an ihre neuen Besitzer. „Das ist ein erster Versuch“, sagt Turnierleiter Forkert, „aber ich denke, das kommt gut an bei den Zuschauern, weil es auch spannend ist.“ In der Tat war es mucksmäuschenstill, als sich die Bieter vor Ort, aber auch am Telefon, gegenseitig übertrumpften. Dabei hatten sich die Züchter und potenziellen Käufer den Abend vorher noch sehr zurückgehalten. „Da wollte sich wohl noch keiner in die Karten gucken lassen“, spekulierte Forkert.

Während die Gastgeber sich bei den Wettbewerben zurückhielten und den Gästen beim Siegen den Vortritt ließen, zeigten sie sich auch über die Leistungen von Hendrik Sosath begeistert, dem Mann, der am Sonnabend fast in jedem Wettbewerb vorne lag. ,,Hendrik hat echt einen Lauf“, kommentierte Jörn Forkert die Platzierungen des Reiters aus Lemwerder.

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In der Tat. Hendrik Sosath begann dann am Sonntag, wo er am Sonnabend aufgehört hatte. Bei der Zwei-Phasen-S-Springprüfung um 8.30 Uhr war der Frühaufsteher wieder in Top-Form. Der 31-Jährige siegte mit seiner Stute Lady Cordane und sicherte sich mit seinem zweiten Pferd Cadora zudem Rang drei. Sosath hatte am Sonnabend bereits die Hauptprüfung, das Mercedes-Benz-Championat, sowie das Frühaufsteher-Turnier gewonnen. „Meine Pferde sind alle gut in Schuss zur Zeit“, erklärte Sosath, der Stammgast in Oberneuland ist. „Ich hätte auch in Nörten-Hardenberg reiten können, aber das stand für mich gar nicht zur Diskussion. Man fühlt sich hier einfach toll aufgenommen.“ Am Nachmittag allerdings riss seine Erfolgsserie. Beim Großen Preis konnte er sich nicht mehr vorne platzieren, dürfte aber mit seinen Auftritt insgesamt zufrieden sein.

Zufrieden war auch Sandra Auffahrt, die ihre Teilnahme beim Reitturnier auf der Forkert-Anlage genossen hat. Erstmals war die Olympiasiegerin in Bremen am Start: „Ich wollte immer gern hierher kommen, jetzt hat es endlich mal in meinen Turnierkalender gepasst. Es sind einfach tolle Bedingungen hier und ein tolles Flair.“ Es bleib allerdings bei einem Start am Sonnabend, wo sie beim Championat Siebte wurde. Am Sonntag war wieder die Vielseitigkeit gefragt.

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Ob sie im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sein wird, ist offen. Die Planungen der Forkert-Brüder für 2019 dagegen sind im vollen Gang. Um ein solches Turnier auf die Beine zu stellen, ist allein schon ein logistischer Kraftakt nötig, der zusammen mit der Platzpflege und Gesprächen mit Sponsoren viele Monate dauert. „Doch wie heißt es so schön: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier“, sagte Jörn Forkert.

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