Leichtathletik

Von ganz hinten nach ganz vorn

Trotz missglückten Starts stürmt Werder-Sprinter Noah Olabisi an die Spitze der europäischen Jugend-Rangliste. Und glänzt in Zeven nicht nur über 100 Meter.
27.07.2020, 17:34
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Von ganz hinten nach ganz vorn
Von Olaf Dorow
Von ganz hinten nach ganz vorn

Schnell wie Olabisi: Der Werder-Sprinter schaffte in Zeven famose Zeiten.

privat

Beinahe wäre er gestolpert. Sein Trainer, Andrei Fabrizius, schildert es so: Werder-Sprinter Noah Olabisi ist beim Sprintertag in Zeven aus dem Startblock geschnellt, was ihm normalerweise recht gut gelingt, und ist dann beim sechsten oder siebten Schritt fast hingeflogen. Er lag durch den Strauchler erst mal hinter der Konkurrenz statt vor ihr. Und dann ist Noah Olabisi, so wie das Usain Bolt immer gemacht hat, von ganz hinten nach ganz vorn geeilt. Die Zeitmessung ergab: 10,62 Sekunden für 100 Meter.

Das war in der Altersklasse U 18 nicht nur Platz eins in seinem Vorlauf. Nicht nur eine kolossale Steigerung der eigenen erst kürzlich aufgestellten Bestzeit um gleich drei Zehntelsekunden. Er verbesserte damit den Bremer U 18-Rekord, aufgestellt von Fabian Netzlaff vor sieben jahren, um sechs Hundertstel. Mit dieser Zeit setzte sich der junge Mann auch nicht nur an die Spitze der nationalen Bestenliste der U 18. Sondern sogar an die europäische, wie der SV Werder stolz mitteilt. „Ein Riesenerfolg“, sagt Fabrizius. Er hat seinem Athleten erst mal ein paar Tage frei gegeben. Der soll das jetzt erst mal verarbeiten, dass er so schnell wie kein Gleichaltriger in Europa unterwegs war, der muss jetzt erst mal erkennen, dass von jetzt an nicht plötzlich alles von alleine geht, dass er weiter bei sich selbst bleiben muss. So musste, nach allem, was man weiß, einst sogar der Super-Bolt vorgehen, sonst wäre es, der Veranlagung zum Verdruss, nicht super geworden.

Die freien Tage sind für Noah Olabisi quasi auch der Anfang eines Neuaufbaus. Er kann jetzt nicht einfach versuchen, die Form zu konservieren. Dafür gibt es in diesem Corona-Sommer zu wenige Wettkampf-Optionen, und vor allem ist es noch eine ganz schöne Strecke bis zum Jahreshöhepunkt. Die deutschen Jugendmeisterschaften in Heilbronn folgen erst Anfang September.

Noah Olabisi zählt nun endgültig zum Favoritenkreis. Sowohl über 100 als auch über 200 Meter. Für die trainiert er laut Fabrizius derzeit noch gar nicht spezifisch, da müsse er noch zusehen, dass er das Höchsttempo irgendwie und so lange wie möglich gehalten bekommt, wenn er auf die Zielgerade einbiegt. Auch das hat Noah Olabisi, Oberschüler an der Freien Evangelischen Bekenntnisschule, in Zeven famos hinbekommen. Er steigerte sich im Vergleich zum letzten Mal gleich um eine halbe Sekunde. Ein Quantensprung im Sprint. Mit 21,95 Sekunden verfehlte er den von Fabian Linne gehaltenen U 18-Landesrekord nur um drei Hundertstel und katapultierte sich auch auf dieser Distanz an die Spitze der deutschen Bestenliste.

Auf exakt jene 21,92 Sekunden, die den Jugend-Landesrekord eingestellt hätten, kam in Zeven Fabian Linne, der der Jugendklasse inzwischen entwachsen ist und eigentlich einen anderen Anspruch hat. Werders Topsprinter, der vor gut einem Jahr in Zeven schon nach 21,04 Sekunden wieder fertig war mit den 200 Metern, muss sich in diesem Sommer mit den Folgen einer Zerrung herumschlagen. Er kann augenscheinlich nicht so sehr aufs gefühlte Gaspedal drücken, wie er gern würde. Er muss hoffen, dass es bis zur deutschen Meisterschaft (8./9. August) besser wird.

Das hofft auch Bremens schnellste Frau. Für Sandra Dinkeldein läuft es laut Trainer Fabrizius im Training besser als im Wettkampf. In Zeven schaffte sie immerhin über 100 Meter (11,78 Sekunden) und 200 Meter (24,16 Sekunden) neue Saison-Bestleistungen.

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