Bremen Open im Judo Ein Mann der Tat: Oleg Gusev

Mehr als 800 Judoka aus fünf Nationen nahmen in der Unihalle an den Bremen Open teil. Darunter einige Aktive aus Bremer Klubs, fünf davon setzten sich sogar in ihren Gewichts- und Altersklasse durch.
12.12.2017, 20:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Patrick Reichelt

Bremen. Die Unihalle ist gut gefüllt an diesem Sonnabend. Es werden Kommandos gebrüllt, auf Deutsch, auf Schwedisch und auch auf Englisch. Auf den Rängen liegen überall Sporttaschen verstreut. Weiter unten stehen sich zahlreiche Athleten auf roten Matten gegenüber, kritisch beäugt von jeweils drei Schiedsrichtern. Ein kleines Mädchen rennt vorbei. Stolz reckt sie einen Pokal in die Luft, der halb so groß ist wie sie selbst. Sie trägt ein kleines, weißes Gewand, umschlungen von einem gelben Gürtel. Das Mädchen ist eine von über 800 Judoka aus fünf Nationen, die sich in der Unihalle für das große Turnier Bremen Open versammelt haben. Seit 2002 wird die Veranstaltung vom TV Eiche Horn ausgerichtet.

Oleg Gusev war bereits als Kind das erste Mal bei dem Turnier dabei. Der Bremer hat eine aufrechte Statur, sein Händedruck ist kräftig. „Vor einem Wettkampf bin ich nie aufgeregt“, sagt er. Er verliert nicht viele Worte. Er lässt lieber Taten auf der Matte sprechen. Im Finale in der Klasse U18 bis 81 Kilogramm gewinnt der Sportler vom SC Panthera Bremen souverän gegen seinen Kontrahenten aus Halle.

Sven Antonik kämpft selber nicht mehr. „Die Jungs würden mich auseinandernehmen“, sagt er und lacht. Dabei ist er Träger des sechsten Dans. In Deutschland wird maximal der fünfte Dan vergeben. Höhere Grade sind selten, da sie nicht durch eine meisterhafte Technikbeherrschung zu erreichen sind, sondern ausschließlich verliehen werden. Sie spiegeln sozusagen das Lebenswerk des Judoka wider. Und Antonik hat sich diese Auszeichnung redlich verdient: Vor 15 Jahren gründete er mit den Bremen Open eines der größten Judoturniere in Deutschland. Seitdem begleitet er es als Organisator.

Mittlerweile kommen Judo-Teams aus Schweden, den Niederlanden, Finnland, Dänemark und natürlich auch Deutschland nach Bremen. Joyce Ott-Jansen betreut eines der niederländischen Teams und war schon beim ersten Turnier 2002 dabei. Trotz ihrer zierlichen Statur versprüht sie eine immense Energie. „In Bremen gefällt mir vor allem der freundschaftliche Umgang miteinander, man hilft sich gegenseitig, und jede Frage wird beantwortet.“ Besonders für die jungen Kämpfer seien solche Turniere eine gute Möglichkeit, sich in Teamwork zu üben. Auch Alexander Dahlin aus Schweden kommt gerne nach Bremen. „Das Turnier ist gut organisiert“, sagt er. Zur Belohnung für seinen Titel in der Klasse U18 bis 60 Kilogramm zieht er mit seinen Teamkameraden auf den Bremer Weihnachtsmarkt.

Zimperlich geht es auf den Matten nicht zu: Eine junge Frau von dem niederländischen Team GSBV de Mattekloppers muss ihren Kampf unterbrechen. Blut strömt ihr aus der Nase. Auszumachen scheint es ihr jedoch nichts. Nach einer kurzen Behandlungspause steigt sie wieder auf die rote Kampffläche. „Nasenbluten zählen wir schon fast nicht mehr zu den Verletzungen“, sagt Organisator Sven Antonik scherzhaft. Die wirklich schlimmen Sachen, wie etwa Knochenbrüche oder Verletzungen am Genick, seien aber zum Glück bislang ausgeblieben.

Höflichkeit, Disziplin und Respekt stehen bei der Kampfsportart aus Japan ohnehin an oberster Stelle. Der Besuch einer japanischen Delegation im vergangenen Jahr war für Antonik das bisherige Highlight. „Vom Aufwärmen über die Disziplin bis hin zu den Kämpfen – die Japaner haben schon eine ganz besondere Aura“, sagt Antonik. Nach dem Wettkampf hätte das komplette Team aus Fernost sogar noch beim Aufräumen geholfen. „Sie sind gute Vorbilder“, sagt Antonik. Umso mehr hat es ihn gefreut, dass die Japaner auch dieses Jahr vorbeischauten, wenn auch nur, um ein paar Präsente zu überbringen. „Sie haben aber bereits für das kommende Jahr zugesagt“, freut sich Antonik. „Das ist noch mal eine besondere Motivation für uns.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+