Bremer SV

Einfach zu kompliziert

Unerfahrene Spieler, umständliche Spielweise: Der Bremer SV füllt derzeit seine Favoritenrolle nicht aus. Nach dem 0:1 in der Bremen-Liga hat er auch im Lotto-Pokal gegen Blumenthal verloren.
21.08.2019, 13:14
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Von Stefan Freye
Einfach zu kompliziert

Einmal tief durchatmen: BSV-Torwart Jasin Jashari nach dem verlorenen Elfmeterschießen im Lotto-Pokal gegen Blumenthal.

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Bremen. Man könnte meinen, Ralf Voigt erlebt derzeit eine schwierige Zeit. Sein Bremer SV, als Mitfavorit in die Bremen-Liga gestartet, hat nach drei Spielen gerade mal vier Punkte auf dem Konto. Zum Auftakt gelang zwar noch ein 3:1-Erfolg in Brinkum – der auch trotz eines Brinkumer Protestes nicht umgewertet wird. Aber dann kam der BSV nicht über ein 1:1 gegen den SC Borgfeld hinaus, und zuletzt verlor das Team gar zweimal in Blumenthal – 0:1 in der Liga und 2:4 nach Elfmeterschießen im Pokal.

Das kann einem Trainer, der klare Ambitionen in Richtung Regionalliga hat, nicht gefallen. Und es gefällt Ralf Voigt natürlich nicht. Doch der BSV-Coach sagt auch: „Selbst diese Situation macht Spaß.“ Tatsächlich wirkt der 54-Jährige nicht gerade geknickt. Er ist zwar viel zu erfahren, um den durchwachsenen Saisonstart noch durch eine allzu pessimistische Haltung zu beschweren. Aber Voigt geht auch deshalb relativ locker mit der aktuellen Situation um, weil einfach nur eingetreten ist, was er erwartet hatte.

„Die Mannschaft ist sehr jung und braucht noch Zeit, aber mir war auch immer klar, dass es länger dauert.“ Der Trainer räumt ein, dass ihm das Kunststück aus der vergangenen Saison nicht noch einmal gelungen ist. Auch vor der letzten Spielzeit hatte man dem Bremer SV eigentlich keine Spitzenposition zugetraut, war doch nahezu das gesamte Personal ausgetauscht worden. Im Mai feierte die Mannschaft dann den Meistertitel, nahezu ungeschlagen. Es folgte ein erneuter Umbruch – doch diesmal scheint es schwieriger. Gibt es denn einen wesentlichen Unterschied?

„Vor einem Jahr hatten wir vorn schon mehr Qualität“, sagt Ralf Voigt. Er will das gar nicht auf das spielerische Potenzial seiner Angreifer beziehen, sondern auf deren Routine. Im Moment könnte man über den BSV-Sturm nämlich sagen: Jugend forscht. Für Ralf Voigt gab die 0:1-Niederlage in Blumenthal am Wochenende ein gutes Beispiel: „Da hat der Gegner 19 Freistöße rund um den Strafraum bekommen.“ Der Trainer zählt die Standards einer Partie. In einem engen Spiel kommt es ja erst recht darauf an, durch ruhende Bälle für Torgefahr zu sorgen.

Und diese 19 Freistöße, sie bekam der Blumenthaler SV nach Ansicht von Ralf Voigt eben auch, weil dessen Offensivspieler die „Chance“ auf einen Pfiff des Unparteiischen besser genutzt hätten. „Da war Blumenthal einfach cleverer“, so Voigt. Noch ein bisschen mehr ärgerte ihn das Verhalten seiner Kicker im gegnerischen Strafraum. Dort gestaltete der BSV das Geschehen nämlich sehr umständlich, wählte nur selten den direkten Weg. „Wir müssen aber keine zehn Ballkontakte mehr vor dem Tor haben“, betont der BSV-Coach.

Sein Kapitän sieht es ganz ähnlich. „Bis zum Tor haben wir ein gutes Kombinationsspiel, aber dann stellen wir uns zu kompliziert an“, sagt Alexander Arnhold. Es geht am Ende um das eigentliche Ziel des Fußballspiels: die Tore. Wenn sich eine realistische Möglichkeit zum erfolgreichen Abschluss bietet, dann sollte sie auch ergriffen werden. Also sagt Ralf Voigt, was Trainer immer sagen, wenn sie einfach mehr Effektivität im Angriff erwarten: „Wir müssen uns für unseren hohen Aufwand belohnen.“

So lässt sich der Vergleich mit dem BSV-Team des Vorjahres dann auch auf elegante Weise beschreiben. „Dieser Kader kann genauso stark werden“, so Voigt. Um das zu erreichen, ist es mit Gelassenheit allein allerdings nicht getan. „Üben, üben, üben“, ist die eine Aufgabe. Daneben führt Voigt seinen Kickern die entsprechenden Szenen auf Video vor und setzt auf persönliche Gespräche. Er weiß allerdings auch, dass die so begehrte Effektivität nicht auf Knopfdruck erscheinen wird: „Ich muss die Mannschaft entwickeln.“

Für Alexander Arnhold ist es nun ebenfalls „wichtig, nicht aufzugeben und die Fehler zu minimieren“. Noch ist das eigentliche Saisonziel, die Teilnahme am Spitzenkampf, auch noch nicht aus den Augen geraten – trotz des siebten Tabellenplatzes. „Der Zug ist nicht abgefahren“, so Voigt. Dabei hilft dem Bremer SV natürlich, dass der Topfavorit auch gerade erst strauchelte.

Die 2:3-Niederlage des FC Oberneuland beim SC Borgfeld kam überraschend, und sie unterstrich, dass offenbar auch eine eingespielte Mannschaft unter gewissen Anlaufschwierigkeiten leiden kann. So gesehen, geht es derzeit noch recht normal zu beim BSV. Nur allzu viel Zeit bleiben Ralf Voigt und seinem Team wohl nicht mehr.

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