Werder wollte eine Kaufoption für Nils Petersen – aber das wollte Bayern nicht Einmal Bremen und zurück?

Bei den meisten Neuzugängen stellt sich zunächst die Frage, ob sie sich durchsetzen werden. Bei Werders neuem Stürmer Nils Petersen kommt die Frage hinzu, was in einem Jahr passiert. Er wurde ohne Kaufoption lediglich ausgeliehen. Sein Vertrag in München läuft bis 2015.
03.07.2012, 05:00
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Einmal Bremen und zurück?
Von Olaf Dorow

Bei den meisten Neuzugängen stellt sich zunächst die Frage, ob sie sich durchsetzen werden. Bei Werders neuem Stürmer Nils Petersen kommt die Frage hinzu, was in einem Jahr passiert. Er wurde ohne Kaufoption lediglich ausgeliehen. Sein Vertrag in München läuft bis 2015.

Bremen. Einmal hat Thomas Schaaf zufrieden gelächelt. Da hatte Nils Petersen einen Satz gesagt, der auch von ihm, dem Werder-Trainer, stammen könnte. Petersen, Werders neuer Stürmer, wurde gestern im Weserstadion vorgestellt. Man fragte ihn vieles, unter anderem auch, wie er die EM fand. Er sagte über das Halbfinale, das Deutschland verlor: "13:0 Ecken gegen Italien haben gezeigt, dass man auf Statistiken auch nicht mehr so viel geben kann."

Ja, so sieht’s doch aus. Der Werder-Trainer lächelte still in sich hinein. Der Junge weiß Bescheid, das konnte man sich ohne Weiteres hineindenken in dieses Lächeln. Zuvor hatte Schaaf über seinen neuen Angreifer gesagt: "Dass er Torschützenkönig war, ist schon mal ein entscheidendes Merkmal. Er ist im Sechzehner richtig gefährlich, so etwas kann man immer gut gebrauchen." Petersen hatte in der vorletzten Saison 25 Tore für Energie Cottbus geschossen. Niemand traf häufiger in der zweiten Liga in dem Jahr.

Ob Schaaf lange etwas hat von seinem Neuen, weiß man nicht. Nils Petersen, 23 Jahre alt, war im letzten Sommer von keinem geringeren Klub als Bayern München aus Cottbus weggeholt worden. Bayern hatte zugeschlagen, bevor ein anderer Bundesligist auf die Idee kam, das zu tun. Auch Werder hatte Kontakt aufgenommen zu dem jungen Mann, aber da hatte er Bayern bereits zugesagt. Nun bekommt ihn Werder nur auf Leihbasis und zunächst auch nur für ein Jahr. Bei solchen Geschäften würde man sich häufig eine Kaufoption wünschen, sagte gestern Werder-Chef Klaus Allofs. "Ein Kaufoption wurde aber ganz klar nicht gewünscht", berichtete er. Der FC Bayern hatte, bevor er Petersen endlich freigab für das Bremen-Jahr, erst noch dessen Vertrag bis 2015 verlängert.

Er sei jetzt aber, wenigstens für dieses eine Jahr, ein Werderaner und kein Münchner, stellte Petersen artig fest. Er wolle so viele Spiele wie möglich absolvieren und so viele Tore wie möglich beisteuern. Er werde auch nicht wie ein Dienstreisender im Hotel wohnen, sondern sich ein Häuschen mit Garten suchen für seine kleine Familie. Die besteht derzeit aus ihm, seiner Freundin Annemarie und einem Hund namens Akimo.

Er spuckt keine großen Töne, macht sich aber auch nicht kleiner als er ist. Noch kenne er die Mannschaft zu wenig, um klare Saisonziele zu formulieren. "Aber ich bin sicher nicht hergekommen, um um Platz zehn bis zwölf zu spielen", sagt er. Was irgendwie dann ja doch ein relativ großer Ton ist. Werder war in den letzten beiden Jahren erst 13. und dann Neunter.

Nils Petersen will nun mithelfen, dass sich da was tut. Werder gehört in andere Regionen der Bundesliga, das empfand er schon als Kind. Er wurde in Wernigerode geboren. Wer im Harz aufwächst, wendet oft den Fußball-Blick nach Bremen, auch bei Nils Petersen war das so. Seine Karriere führte ihn zunächst nach Süden. Als A-Jugendlicher ging er nach Jena. Als er 20 war, verpflichtete ihn der damalige Erstligist Energie Cottbus. 300000 Euro habe Cottbus damals für ihn bezahlt, das sei für Cottbus eine Menge Geld gewesen.

Er erzählt das nicht ohne Stolz. Er ist jetzt ein Stürmer, der beim angesehensten deutschen Klub unter Vertrag steht. Das Jahr in München, in dem er kaum spielte, sei mitnichten ein verschenktes Jahr gewesen. Nicht eine einzige Trainingseinheit habe er an der Säbener Straße versäumt, allein das schon habe ihn weitergebracht. "Ich schaue mit einem Lächeln zurück. Es war die absolut richtige Entscheidung", sagt er.

In Bremen bekommt er nun die Rückennummer 24. Die wurde frei, weil Tim Borowski sie jetzt nicht mehr trägt. Konkurrenz wird Nils Petersen in Bremen auch bekommen. Derzeit besteht die Abteilung Angriff noch aus Marko Arnautovic, Niclas Füllkrug, Denni Avdic und Sandro Wagner. Die beiden letztgenannten werden Bremen womöglich noch in diesem Sommer verlassen.

Es soll aber noch ein weiterer Stürmer hinzukommen. Das zumindest bestätigte Allofs gestern. Dass Werder sich auch um den offensiven Mittelfeldspieler Eljero Elia, heute Juve, früher HSV, bemüht, mochte Allofs nicht bestätigen. "Bitte haben Sie dafür Verständnis", sagte er. Es sollte gestern ja auch um Nils Petersen gehen.

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