Basketball-Bundesliga in der ÖVB-Arena Eisbären-Trainer will seinen Ex-Klub Alba Berlin ärgern

Eisbären-Trainer Sebastian Machowski ist Berliner, hat für Alba gespielt - und will an diesem Sonnabend in der Bremer ÖVB-Arena gegen die Berliner gewinnen.
22.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jonas Mielke

Eisbären-Trainer Sebastian Machowski ist Berliner, hat für Alba gespielt - und will an diesem Sonnabend in der Bremer ÖVB-Arena gegen die Berliner gewinnen.

Sebastian Machowski sitzt im Trainingszentrum der Bremerhavener Basketballer. Er lehnt sich zurück, denkt nach und wählt seine Worte mit Bedacht. „Berlin ist meine Heimatstadt“, sagt Machowski. „Und Alba Berlin ist mein Heimatverein. Aber die Frage, ob ich irgendwann als Trainer nach Berlin zurückkehren werde, hält mich nachts nicht wach. Es ist auch kein Ziel, das mich in meiner Arbeit antreibt. Aber falls es sich mal ergeben sollte, würde ich es sehr gerne machen.“

An diesem Sonnabend (18 Uhr) empfangen die Eisbären unter der Regie des gebürtigen Berliners Machowski in der Bremer ÖVB-Arena Alba Berlin. Den Verein, bei dem Machowskis Laufbahn als Profibasketballer begann und mit dem er den größten Erfolg seiner Spielerkarriere feierte. „Es ist ein besonderes Spiel, aber wir haben nichts zu verschenken. Im Gegenteil, ich möchte das Spiel umso mehr gewinnen“, sagt er.

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Machowski kommt 1972 in Berlin auf die Welt. Er wächst in Steglitz auf, im Westen der damals noch geteilten Stadt. Basketball entdeckt er in der Schule für sich, zunächst spielt er noch Fußball. „Da stand ich dann aber irgendwann nur noch im Tor, das wurde mir zu langweilig“, erinnert sich Machowski. Mit zwölf fängt er beim Steglitzer Sport-Club Südwest mit Basketball an, schnell gehört er zu den besten Spielern im Verein.

Machowski wechselt bald darauf zum TuS Lichterfelde, damals ein ausgezeichneter Verein im Jugendbasketball. „Heute ist Lichterfelde ein Verein unter vielen, aber damals war der Verein etwas Besonderes. Fast jedes Jahr hat ein Jahrgang des Klubs eine deutsche Meisterschaft im Jugendbereich geholt“, sagt Machowski. Mit 18 bekommt er bereits das Angebot, zu Alba Berlin zu wechseln. Aber er entscheidet sich, erst sein Abitur zu beenden. Mit der A-Jugend des TuS Lichterfelde gewinnt er die deutsche Meisterschaft, dann geht er schließlich zu Alba Berlin – und wird Profi.

Das große Ziel, auf das er jahrelang hingearbeitet hat? „Nein, das hat sich eher so ergeben, ich hatte nicht das bewusste Ziel Profi zu werden“, sagt Machowski. „Es gab damals das Berufsbild Basketballprofi auch gar nicht. Natürlich habe ich viel trainiert und viel Arbeit und Zeit investiert, aber ich wäre auch glücklich geworden als Student, der nebenbei ein bisschen Basketball spielt.“

Alba wird Spitzenteam

Zu Alba Berlin kommt Sebastian Machowski zur richtigen Zeit: Der Verein geht 1991 aus der BG Charlottenburg hervor und ist seither ein Top-Team der Basketball-Bundesliga. Mario Baldi, bis heute Geschäftsführer der Berliner, und die europäische Trainer-Legende Svetislav Pešić formen Alba schnell zu einem Spitzenteam. „So wie die Stadt mit dem Mauerfall zusammengewachsen und danach gewachsen ist, ist auch der Verein gewachsen. Der Zuschauerzuspruch ist groß, das findet auch europaweit Anerkennung“, sagt Machowski, der als Spieler den ersten großen Erfolg der Berliner Vereinsgeschichte erlebt: Als erste deutsche Mannschaft gewinnt Alba Berlin 1995 den Europapokal, den sogenannten Korać-Cup. Im Finale gegen Mailand kommt es im Hinspiel zu einem 87:87-Unentschieden, im Rückspiel setzen sich die Berliner dann vor 10 000 Zuschauern in der Deutschlandhalle beinahe sensationell mit 85:79 durch. „Es war ein wahnsinnig schönes Erlebnis, etwas zu erreichen, was vorher eigentlich undenkbar war“, sagt Machowski.

Nach fünf Jahren in Berlin wechselt Machowski 1996 zunächst nach Bonn, bevor es ihn ins Ausland zieht. Der 32-fache deutsche Nationalspieler spielt während seiner Karriere bei insgesamt 14 Vereinen, darunter Stationen in Italien, Griechenland, Spanien und Polen. „Meine Spiele mit Berlin im Europapokal haben Lust gemacht, ins Ausland zu wechseln. Die Atmosphäre dort war immer fantastisch, ganz anders als in Deutschland“, sagt Machowski.

Trainer wider Erwarten

Bei seiner letzten Station bei Kotwica Kołobrzeg in Polen wird Machowski dann 2008 vom Spieler zum Trainer. „Ich habe meiner ersten Frau immer gesagt, dass ich auf keinen Fall Trainer werden will. Aber als ich dann älter wurde, habe ich als Spieler häufig gedacht: Das kann ich auch – und das kann ich besser. Dann hat es sich so ergeben und die Ergebnisse haben sofort gestimmt“, sagt er.

Das Besondere: Aus dem Team, das 1995 mit Alba Berlin den Europapokal gewann, sind sechs erfolgreiche Trainer hervorgegangen. Teoman Alibegović, Saša Obradović sowie Ingo Freyer, Stephan Baeck, Henrik Rödel und Machowski haben nach ihren Spielerkarrieren als Trainer gearbeitet. „Das ist schon eine Auszeichnung für unseren damaligen Trainer Svetislav Pešić. Er hat uns sehr geprägt“, sagt der Eisbären-Trainer. Mit Rödel und Obradović haben zwei der einstigen Europapokalhelden auch schon Alba Berlin trainiert. Ob sich für Sebastian Machowski auch die Möglichkeit bietet, als dritter Spieler der damaligen Mannschaft den Trainerposten bei Alba zu übernehmen, bleibt abzuwarten. Jetzt geht es für Sebastian Machowski erstmal darum, mit den Eisbären seinen Heimatverein zu schlagen.

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