Basketball-Bundesliga Eisbären überraschen die Bayern

Bremen. Der FC Bayern München hat am Sonnabend in der Basketball-Bundesliga verloren: Die Eisbären Bremerhaven setzten sich vor 9520 begeisterten Zuschauern in der Bremer ÖVB-Arena mit 74:72 (42:50) durch und beendeten damit ihre Talfahrt.
24.02.2013, 05:00
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Eisbären überraschen die Bayern
Von Jörg Niemeyer

Bremen. Fünf Stunden nach dem Erfolg in der Fußball-Bundesliga über Werder Bremen verlor der FC Bayern München in der Basketball-Bundesliga den zweiten Nord-Süd-Gipfel des Tages: Die Eisbären Bremerhaven setzten sich vor 9520 begeisterten Zuschauern in der Bremer ÖVB-Arena mit 74:72 (42:50) durch und beendeten damit ihre Talfahrt.

Schon eine knappe Spielminute vor Schluss fasste sich Wolfgang "Wolle" Loock an die Oberschenkel: Der Hallensprecher der Eisbären Bremerhaven spürte, dass die Lederhose, in der er sich präsentierte, noch fallen würden: Der Basketball-Bundesligist aus Bremerhaven führte zu diesem Zeitpunkt mit 73:72, traf noch mit einem Freiwurf und überstand auch die letzten 20 Sekunden schadlos. Nachdem der letzte Schuss des besten Bayern-Schützen Chevon Troutman vom Ring ins Feld zurückprallte, ertönte die Schlusssirene – der Rest war nur noch ohrenbetörender Jubel der Zuschauer, dem traditionelles Liedgut folgen sollte. "So ein Tag, so wunderschön wie heute", dröhnte aus den Lautsprechern und von den Tribünen, bevor der Höhepunkt der Spontanfeier folgte: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus..." Und "Wolles" Hose fiel.

Unglaubliche Szenen nach einem sagenhaften Spiel: Da reist der FC Bayern München nach elf Siegen aus zuletzt zwölf Spielen als Tabellenzweiter in den Norden, trifft hier auf die Eisbären, die nach vier Niederlagen in Folge mit dem Rücken zur Wand stehen – und zur Freude der 9520 Zuschauer in der ÖVB-Arena ihre Wiederauferstehung feiern. "Wir sind heute auf einen sehr guten Gegner gestoßen", lobte Gäste-Coach Svetislav Pesic die Leistung der Gastgeber. Gleichzeitig kritisierte er sein eigenes Team für eine äußerst schwache Angriffsleistung in der zweiten Halbzeit. Nur 22 Punkte im zweiten Abschnitt: "Das müssen wir noch genau analysieren", sagte Pesic, zumal seine Schützlinge zur Pause mit 50:42 geführt hatten.

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"Ich bin heute ein sehr stolzer Trainer", sagte Pesics Bremerhavener Kollege Doug Spradley. Waren seine Spieler in der ersten Halbzeit in der Abwehr noch zu passiv gewesen, sollte sich das noch ändern. "Wir wollten nur noch 35 Punkte zulassen", lautete Spradleys Vorgabe – dass es dann sogar nur 22 Punkte der Bayern werden sollten, erfüllte ihn mit sichtbarer Zufriedenheit. "Es gab heute keine Phase im Spiel, in der wir nicht an unsere Chance geglaubt haben", attestierte er seinen Schützlingen endlich auch wieder eine tolle Einstellung bis buchstäblich zur letzten Sekunde.

Der Wille der Eisbären war von der ersten Aktion an zu erkennen. Ein zweites Mal wollten die Eisbären das Bremer Publikum nicht enttäuschen. Nach der katastrophalen Vorstellung Ende Dezember gegen die Artland Dragons präsentierte sich der Bundesligist von Beginn an hellwach. Der prächtigen Kulisse heizten die Bremerhavener mit einem Blitzstart zusätzlich ein. Gleich der erste Dreierversuch von Jacob Burtschi fand den Weg in den Korb – nach 100 Sekunden führten die Gastgeber mit 10:2. Doch die Bayern brauchten nicht lange, um ins Spiel zu finden. Mit ihrem Pressing setzten sie die Eisbären mächtig unter Druck und hatten bald schon nicht nur ausgeglichen, sondern selbst die Führung übernommen.

Aber die Bremerhavener, bei denen Terrell Everett sein Saisondebüt gab, steckten trotz offenkundiger Abwehrprobleme nie auf. Und obwohl im Angriff viele freie Schüsse und etliche Freiwürfe das Ziel verfehlten, blieben die Eisbären dran. Das 42:50 zur Pause hatten sie bis zur 25. Minute fast wieder wettgemacht (55:56), auch der erneute Rückschlag zum 58:65 (28.) blieb folgenlos.

Im Gegenteil: Im letzten Viertel wuchsen die Bremerhavener in der Abwehr förmlich über sich hinaus. Erst in der 35. Minute kassierten sie den ersten Treffer der Bayern zum 67:68. Nach dem 67:71 brachte Stefan Jackson die Gastgeber mit seinem Dreier zum 70:71 ins Spiel zurück – es folgte eine dramatische Schlussphase, in der Spielmacher Stanley Burrell erst zum 73:71 traf und beim 73:72 sieben Sekunden vor Schluss einen von zwei Freiwürfen zum 74:72-Endstand verwandelte.

Bremerhaven: Burrell (20), Waleszkowski (10), Zwiener (6), Everett, Morrison (6), Jackson (11), Harris (6), Burtschi (15)

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