Eishockey

Andrew McPherson wird ein Weserstar

Diese Verpflichtung ist ein echter Knaller: Der Bremer Regionalligist sichert sich den ehemaligen Publikumsliebling der Fischtown Pinguins als Spielertrainer. Eine Personalie, die Hoffnungen weckt.
01.10.2020, 19:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Andrew McPherson wird ein Weserstar

Inzwischen ist die Tinte unter dem Vertrag trocken: Andrew McPherson (links) wird Spielertrainer des Eishockey-Regionalligisten Weserstars Bremen. Der Sportliche Leiter Andreas Niewiera hat damit einen dicken Fisch an Land gezogen.

Niewiera

Es gäbe eine Menge zu sagen über den neuen Spielertrainer der Weserstars. Man kann die Verpflichtung von Andrew McPherson aber auch kurz zusammenfassen. „Er ist ein absoluter Glücksgriff“, sagt Andreas Niewiera, Sportlicher Leiter des Eishockey-Regionalligisten. Man glaubt sofort, dass der 41-Jährige dem Team gut tun wird. In McPherson sichern sich die Bremer schließlich die Dienste eines sehr erfahrenen Mannes.

Als junger Spieler hatte er einst kurz vor der US-amerikanischen NHL gestanden, in Deutschland absolvierte er zahllose Partien in der 2. Bundesliga, und diverse Spiele in der DEL stehen ebenfalls in der sportlichen Vita des Deutsch-Kanadiers. Erstklassig trat er auch für die Fischtown Pinguins an, nämlich in der Saison 2016/2017. Insgesamt verbrachte Andrew McPherson fünf Jahre in Bremerhaven. Dort avancierte er zum Publikumsliebling und sammelte vor rund zwei Jahren auch erste Erfahrungen an der Bande, als Assistent von Trainer Thomas Popiesch. „Uns war gleich nach dem ersten Kontakt klar: Das ist er“, sagt Andreas Niewiera. Er hatte den Routinier im Juli gemeinsam mit Weserstars-Präsident Alan Cemore erstmals getroffen. Ein paar Dinge gab es damals noch zu klären, ein weiteres Gespräch folgte einige Wochen später, und vor wenigen Tagen wurde die Zusammenarbeit besiegelt. „Aus den ersten Reaktionen weiß ich, dass er bekannt ist wie ein bunter Hund“, berichtet der Sportliche Leiter.

Dabei ist Niewiera klar: „Es ist eigentlich das erste Mal, dass wir jemanden von außen holen.“ Das sind sie nicht gewohnt bei den Weserstars. Bislang waren entscheidende Positionen immer intern besetzt worden. Das beste Beispiel dafür bot Stürmer Igor Schön. Er hatte das Traineramt vor einigen Jahren übernommen, weil ein Bedarf bestand. Nun wird sich Schön als Spielertrainer zurückziehen und den Fokus auf seine Aufgabe im Angriff der Weserstars richten. „Daneben möchte sich Igor auch auf die Familie konzentrieren“, so Niewiera. Zudem steht derzeit noch eine Reha in der Agenda des Stürmers: Nach einer Schulter-Operation im August wird er mindestens bis 2021 ausfallen. Ein herber Verlust. Schließlich hatte Igor Schön nicht nur als Trainer überzeugt, er zählte in den vergangenen Jahren immer zu den erfolgreichsten Angreifern.

Aber nun gibt es ja noch Andrew McPherson. „Er wird uns auch sportlich mit seiner Torgefahr weiterbringen“, sagt Andreas Niewiera. Noch ist diese Aussage allerdings rein theoretischer Natur. Denn auf dem Eis sind die Weserstars in diesem Jahr bislang nicht gewesen. Erst an diesem Sonnabend soll die Saison im Paradice offiziell eröffnet werden; in der kommenden Woche stehen dann die ersten Trainingseinheiten auf dem Programm. Begleitet von „einschneidenden Maßnahmen“, wie Niewiera betont. Denn natürlich machen die Corona bedingten Vorschriften auch vor dem Eishockey nicht halt. Gemeinsam mit Vertretern der Bremer Bäder und dem Betreiber des Paradice, haben sich die Verantwortlichen der Weserstars ausführlich Gedanken gemacht. Heraus kam ein Hygiene-Konzept, das nun vom Gesundheitsamt genehmigt wurde.

Es sieht unter anderen vor, dass maximal 50 Sportler in der Halle versammelt werden und ein Team jeweils auf zwei Kabinen verteilt wird. Der aktuelle Plan bezieht sich allerdings erst einmal auf den Trainingsbetrieb. „Das Konzept für die Spiele befindet sich in der Bearbeitung und wird bald eingereicht“, sagt Andreas Niewiera. Die interessanteste Frage dabei betrifft die Zuschauer: Im gesamten Komplex dürfen sich nach den derzeit geltenden Regeln 250 Personen aufhalten. Der Sportliche Leiter geht davon aus, dass deshalb rund 200 Besucher zu den Spielen der Weserstars zugelassen wären. Er rechnet auch angesichts der aktuellen Entwicklung allerdings nicht mit diesem Aufkommen. „Ich weiß ja nicht, wie das angenommen wird“, so Niewiera. Schließlich sei es in diesen Tagen ein Unterschied, ob man sich ein Fußballspiel im Freien anschaut oder Eishockey in der Halle erlebt. Zudem steht bereits fest, dass es keine Speisen und Getränke geben wird während der Heimspiele. „Aber wir waren immer mehr als nur Eishockey“, so Niewiera.

Er kalkuliert deshalb mit nur 50 Zuschauern. Es ist das Minimum, das die Austragung überhaupt sinnvoll macht – denn damit lassen sich Hallenmiete, Sicherheitskräfte und Schiedsrichterkosten einigermaßen decken. Es gibt aber noch ein paar andere Posten im Saisonetat. Insofern sind die Weserstars froh, dass die meisten Sponsoren trotz schwieriger Zeiten dabei bleiben. Schließlich müssen einige Busreisen bezahlt werden in den kommenden Monaten, und eine Menge Material verbraucht ein Eishockeyteam ja auch. Rund 20 000 Euro werden deshalb von den Gönnern aufgebracht. „Ohne sie müssten wir den Spielbetrieb infrage stellen“, sagt Andreas Niewiera. Nicht mehr infrage kam dagegen das Mitwirken von ausländischen Spielern, das in finanzieller Hinsicht ebenfalls ein großes Engagement erfordert hatte. Auf Chase Hatcher, Silvestrs Selickis und Konstantin Ljubobratets müssen die Weserstars zukünftig also verzichten. Dafür kamen in Niklas Monien und Niklas Schmidt zwei junge Spieler vom REV Bremerhaven – und in Andrew McPherson eben noch ein sehr bekannter Mann.

Info

Zur Sache

Saisonstart für 6. November geplant

Die Eishockey-Regionalliga soll am 6. November starten. Allerdings ist völlig unklar, ob dieses Datum gehalten werden kann. „Es wird sich zeigen“, sagt Andreas Niewiera, Sportlicher Leiter der Weserstars. An diesem Wochenende werden sich die Verantwortlichen der acht teilnehmenden Mannschaften in einer Video-Konferenz versammeln und erste Details besprechen. Fest steht, dass gerade einige Regionalligisten unter behördlichen Auflagen leiden. Niewiera: „In Sande wurde gerade der Sportbetrieb im gesamten Landkreis eingestellt, in Hamburg gibt es keine Kabinennutzung, und in Timmendorf sind keine Zuschauer zugelassen.“

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