Deutsche Eishockey-Liga

Sensationelle Schlussphase der Fischtown Pinguins

Es ist ein Sieg ihres unbändigen Willens: Die Bremerhavener machen zum Playoff-Auftakt gegen die Grizzlys Wolfsburg in den letzten vier Minuten aus dem 1:2 noch ein 4:2. Das Halbfinale ist zum Greifen nahe.
20.04.2021, 23:00
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Sensationelle Schlussphase der Fischtown Pinguins
Von Jörg Niemeyer
Sensationelle Schlussphase der Fischtown Pinguins

Mit vereinten Kräften verhindern Tye McGinn (vorne links), Torhüter Brandon Maxwell und Stanislav Dietz (rechts) einen weiteren Treffer der Grizzlys Wolfsburg.

Jasmin Wagner

Noch nie war die Playoff-Runde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) so kurz wie diesmal. Sechs Siege reichen, um nach Viertel- und Halbfinale den zum 100. Mal ausgespielten deutschen Meistertitel einzufahren. So kurz der Weg ist, so wenig verzeiht er einen Stolperer. Am Dienstag zum Auftakt des Viertelfinales patzten die Favoriten reihenweise: Titelverteidiger Adler Mannheim unterlag Straubing mit 2:3 nach Verlängerung, Nordstaffel-Sieger Eisbären Berlin verlor gegen Iserlohn mit 3:4 und der Südstaffel-Zweite EHC München mit 1:4 gegen Ingolstadt. Und die Fischtown Pinguins? Auch sie sahen in eigener Halle gegen die Grizzlys Wolfsburg bis zur 56. Minute wie der Verlierer aus, ehe Dominik Uher mit zwei Toren und der genesene Jan Urbas aus dem 1:2 noch ein 4:2 (0:1, 1:1, 3:0) machten.

In allen vier Duellen des Viertelfinales könnte am Donnerstag also die Entscheidung fallen. Eine zweite Niederlage für die Verlierer – und die Saison wäre für sie beendet. Es käme einer Sensation gleich, wenn gleich drei der vier Topplatzierten der Hauptrunde zum Auftakt scheitern würden. Auch die Fischtown Pinguins liebäugeln auf dem kurzen Weg der Best-of-3-Serie mit dem erstmaligen Erreichen des DM-Halbfinales. Die Grizzlys erwiesen sich allerdings als der von Teammanager Alfred Prey erwartet unbequeme Gegner, der sich von den drei Niederlagen in vier Partien der Hauptrunde gegen die Pinguins nicht beeindruckt zeigte.

Erstmals präsentierten sich die Bremerhavener in ihren Fischerhemden-Trikots, die sie eigentlich schon im Vorjahr hatten überstreifen wollen, bevor die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung machte. Doch nach dem erhofften „Fischzug“ zum Auftakt der Playoffs sah es lange Zeit nicht aus. Die Wolfsburger, die in der Hauptrunde als Dritter noch zehn Punkte weniger als die Pinguins eingefahren hatten, störten die Gastgeber früh. Und ihre anfänglichen Vorteile nutzten sie auch zur 1:0-Führung durch Spencer Machacek (7.), der gleich mehrere Gegner umspielte und dann traf. Erst allmählich fanden die Bremerhavener ins Spiel, doch spätestens beim starken Torwart Dustin Strahlmeier endeten ihre Angriffe.

„Wir müssen schneller laufen und härter arbeiten“, forderte Verteidiger Maxime Fortunus im Kurzinterview mit Magenta Sport während der ersten Drittelpause. Gesagt, getan. Wie verwandelt kamen die Gastgeber aufs Eis zurück, jetzt setzten sie die Grizzlys minutenlang unter Druck. Der verdiente Lohn: das 1:1 durch Tye McGinn (26.). Doch statt nachzulegen, gerieten die Pinguins erneut in Rückstand. Die Gäste nutzten ihre erste Überzahl durch Gerrit Fauser (36.) zur jetzt nicht mehr verdienten Führung.

Zweimal der Pfosten und immer wieder der überzeugende Goalie Strahlmeier verhinderten zunächst weitere Treffer der Bremerhavener. Aber die Gastgeber bewiesen eine tolle Moral. Sie warfen alles nach vorne und hatten dabei zweimal Riesenglück, dass die Grizzlys das 3:1 nicht machten. In der 55. Minute lief Garrett Festerling bei eigener Unterzahl aufs Tor von Brandon Maxwell zu, überwand den überragend parierenden Torwart der Pinguins jedoch nicht.

Stattdessen traf kurz darauf, immer noch in Überzahl, Dominik Uher zum 2:2 (56.). Und die Bremerhavener wollten mehr, waren jetzt entschlossener als der Gegner. 63 Sekunden vor Schluss fälschte Urbas einen Schuss zum 3:2 ab – die Vorentscheidung. Schon vor dem anschließenden Bully nahmen die Gäste Strahlmeier vom Eis – eine Maßnahme, die sich prompt rächen sollte. Nur sieben Sekunden nach dem 3:2 schob Dominik Uher den Puck zum 4:2 ins leere Gäste-Tor. Am Donnerstag ab 19.30 Uhr können die Pinguins nun den Sack zumachen. Sollte es ihnen nicht gelingen, böte sich am Sonnabend ab 17.30 Uhr im entscheidenden dritten Spiel in der Bremerhavener Eisarena noch eine weitere Chance.

Info

Zur Sache

Pinguins winkt Champions League

Phasenweise haben die Fischtown Pinguins in dieser Saison schon gespielt wie die Champions – tatsächlich stehen sie kurz davor, erstmals in die europäische Königsklasse im Eishockey einzuziehen. „Sporthistorisch wäre es ein Meilenstein für Bremerhaven“, sagt Teammanager Alfred Prey, „für uns als Klub wäre die Champions League aber mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden.“ Kein Wunder, denn die Pinguins würden ihre Heimatstadt an höchst prominenten Orten des europäischen Eishockeys repräsentieren. „Wir würden das gerne mitnehmen“, sagt Prey. Vier deutsche Klubs ziehen in die Champions-League-Saison 2021/22 ein: der deutsche Meister, die zwei Erstplatzierten der Hauptrundengruppen Nord und Süd, also Berlin und Mannheim, sowie der EHC München als besserer der beiden Staffel-Zweiten gegenüber den Pinguins. Die Bremerhavener müssen also darauf hoffen, dass Mannheim, Berlin, der EHC oder am besten sie selbst am Ende Meister werden.

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