Neustart im Oktober

Das Paradice muss für diesen Winter schließen

Das Eis wird abgetaut, die Saison endet vorzeitig - das Paradice in Walle wird am Sonntag geschlossen. Nicht nur der Betriebsleiter hofft auf eine stimmungsvolle Wiedereröffnung im Oktober.
09.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye

Das Datum steht. „Am 2. Oktober geht’s los“, sagt Uwe Kirsch. Er ist Betriebsleiter des Paradice, der großen Eishalle in Walle, und blickt schon ganz gespannt auf die Wiedereröffnung im kommenden Herbst. Eine große Eis-Disko soll es dann geben, mit knapp 1000 Besuchern, buntem Licht und guter Stimmung. Das wird bestimmt eine tolle Veranstaltung, und so lässt sich die Vorfreude von Uwe Kirsch auch gut nachvollziehen. Das Problem liegt auf einer ganz anderen Ebene: Derzeit befindet sich das Paradice eigentlich noch mitten in der Saison. Es müsste in diesen Tagen regelmäßig voll sein mit Menschen, die aus purer Lust auf dem Eis laufen oder ihrem Sport nachgehen. Doch angesichts des aktuellen Lockdowns läuft nicht mehr viel. Die große Halle an der Waller Heerstraße wird am Sonntag geschlossen. „Ab Montag befinden wir uns im Sommer-Modus“, sagt Uwe Kirsch.

Die vorzeitige Schließung ist für ihn die einzig richtige Maßnahme: „Realistisch können wir nicht mehr von einer Öffnung für die Öffentlichkeit ausgehen.“ Aber diese vorzeitige Schließung markiert eben auch das Ende einer Saison, die Kirsch und seine Mitstreiter im Paradice auf besondere Weise forderte. Und die sich nur mit einer bescheidenen Sichtweise einigermaßen versöhnlich bilanzieren lässt. „Es lohnt sich jeder Tag, wenn man sieht, dass die Kinder aufs Eis gehen können“, sagt Uwe Kirsch. Später als sonst, nämlich erst Ende September, hatte er diesmal das „Eis gemacht“, wie es unter Fachleuten heißt. Dabei werden die Kühlrohre unter der 1800 Quadratmeter großen Betonfläche auf minus sechs Grad abgesenkt und rund 50.000 Liter Wasser aufgebracht. Daraus wurde nach einigen Tagen eine drei Zentimeter dicke Eisschicht – das Paradice war einsatzbereit.

Teilöffnung als Zuschussgeschäft

Am 3. Oktober startete das öffentliche Eislaufen, unter Einhaltung der umfangreichen Hygiene-Regeln. „Und das war eigentlich auch ganz gut besucht“, erinnert sich Uwe Kirsch. Er begrüßte auch die Eishockeyteams der Weserstars und die Eiskunstläufer auf der Fläche. Bereits am 1. November musste der Betrieb allerdings wieder eingestellt werden, pünktlich zum zweiten Lockdown, den die Corona-Pandemie dem Land abverlangte. „Wir hatten dann zehn Tage zu, um ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagt Kirsch. Die Öffentlichkeit war fortan zwar ausgeschlossen, aber gemeinsam mit den aktiven Sportlern wurde nach neuen Lösungen gesucht – und es wurden welche gefunden. Ab dem November trainierten sowohl die gesamten Mannschaften der Weserstars (darunter fünf Nachwuchsteams mit rund 100 Kindern und Jugendlichen) als auch die Kaderathleten von 1860 (Eiskunstlauf) auf einer in drei Abschnitte aufgeteilten Eisfläche. Ein Drittel wurde jeweils von zwei Athleten genutzt, und weil man sich ansonsten auch an die umfassenden Hygieneregeln hielt, entsprach das Konzept den behördlichen Anforderungen. Das Paradice zählte zu den ganz wenigen Eishallen in Deutschland, die überhaupt noch genutzt wurden. „Und wir sind froh, dass es so lange geklappt hat“, sagt Uwe Kirsch.

Wirklich gerechnet hat sich der Betrieb in den vergangenen Wochen allerdings nicht. Selbst wenn zuletzt die Temperatur auf minus drei Grad erhöht und damit für dünneres Eis gesorgt wurde. „Damit haben wir viel gespart“, so Kirsch. Angesichts der Ausfälle beim öffentlichen Laufen nahm das Paradice gleichwohl nur die Mieten der Sportvereine ein. Sie reichten kaum zur Deckung der Kosten. Das war neben der schlechten Perspektive ein weiterer Grund für das vorzeitige Ende der Eis-Saison. Auch Uwe Kirsch selbst hatte die ein oder andere finanzielle Lücke zu beklagen in letzter Zeit.

Wartezeit bis Anfang Oktober

Er finanziert sich nämlich als Pächter der Gastronomie und des Eissportshops inklusive eines Schlittschuh-Verleihs – auf Einnahmen musste er in den vergangenen Wochen also komplett verzichten. „Wir hatten einige Reserven, aber die Kosten laufen ja weiter“, sagt Kirsch. Er hat mittlerweile die Corona-Hilfe beantragt und wartet auf positive Nachrichten.

Zudem ist der Betriebsleiter nun damit beschäftigt, das mühsam aufgebrachte Eis wieder verschwinden zu lassen. Dazu wird die Kühlung abgestellt, das Eis mit der Eismaschine weg gehobelt und schließlich in der sogenannten Schneegrube entsorgt. In etwa drei Wochen ist die Betonfläche dann trocken und steht dem Rollkunstläufern zur Verfügung. Sie beginnen eigentlich erst im Mai, nach dem Ende der regulären Eissaison, könnten nun aber früher starten. Uwe Kirsch kann sich vorstellen, dass auf Rollen „das gleiche Hygiene-Konzept wie auf dem Eis“ zum Einsatz kommt. Das gilt es bald zu besprechen. Der Rest ist warten – auf den 2. Oktober 2021.

Info

Zur Sache

Saison-Aus für die Weserstars

Das Saison-Aus des Paradice ist mit einem Saison-Aus der Weserstars verbunden. „Das ist leider so“, sagt Andreas Niewiera, Sportlicher Leiter des Eishockey-Regionalligisten. Allerdings fällt ihm die Erkenntnis angesichts der aktuellen Lage auch nicht gerade schwer: Derzeit ist ein Start der Regionalliga nicht absehbar, er ist nicht einmal wahrscheinlich. Schließlich geht es vielen anderen Vereinen ganz ähnlich wie den Bremern. „In Salzgitter, Timmendorf, Harsefeld und Adendorf wurde auch bereits abgetaut“, so Niewiera. Wo kein Eis ist, ist auch keine Regionalliga, und zudem herrscht aktuell ja auch ein Lockdown, der jeden Spielbetrieb auf diesem Niveau verbietet. „Im Januar wäre ein Start vielleicht noch möglich gewesen, jetzt ist er Utopie“, meint der Sportliche Leiter. Es sei deshalb auch keine Option gewesen, sich nach einer Ausweichspielstätte umzusehen. Nach der letzten Trainingseinheit an diesem Sonnabend soll erst einmal eine Pause folgen. Aber im März, spätestens im April wollen die Weserstars dann mit dem sogenannten Sommertraining beginnen. Es sieht eine Menge körperlicher Aktivitäten vor. Das Eis werden die Spieler dagegen nicht vor dem kommenden Herbst wiedersehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+