Oberschule nimmt nächste Hürde

Der nächste Schritt zur Eliteschule des Sports

Die Oberschule Ronzelenstraße hat gute Chancen, dass ihr ab Sommer eine Internatslösung für auswärtige Schüler zur Verfügung steht. Dann könnte bald der Antrag auf Anerkennung als Eliteschule des Sports folgen.
13.04.2021, 05:00
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Der nächste Schritt zur Eliteschule des Sports
Von Jörg Niemeyer
Der nächste Schritt zur Eliteschule des Sports

Noch wird die alte Sporthalle an der Ronzelenstraße gebraucht. In einigen Jahren soll, so die Planungen, an ihrer Stelle ein Multifunktionsgebäude entstehen.

PETRA STUBBE

Harald Wolf drückt auf das Gaspedal – wieder einmal. Er ist an der Oberschule Ronzelenstraße in Horn, die seit vielen Jahren den Untertitel „Die Sportbetonte Schule“ trägt, Lehrer und zugleich der Koordinator für den Leistungssport. Die Sportbetonte Schule möchte, so ihr eigener Wunsch und der von Sportfachverbänden und der Bremer Bildungsbehörde, möglichst schnell im Ranking aufsteigen. Sie hofft, vielleicht noch in diesem Jahr eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannte Eliteschule des Sports zu werden. Geht es nach Harald Wolf und nach Bildungssenatorin Claudia Bogedan, könnte im Sommer der Antrag gestellt werden.

„Eine Zwischenlösung, die bereits mit Beginn des Schuljahres 2021/2022 greifen könnte, wird derzeit geprüft“, sagte die SPD-Politikerin Bogedan im März in der Bremischen Bürgerschaft auf eine Anfrage der Grünen. Diese Zwischenlösung muss erst einmal her, um auswärtigen Schülern eine betreute Wohnmöglichkeit in Bremen zu bieten. Denn klar ist: Ohne Internat gibt es keine Eliteschule des Sports. Derzeit sprechen Wolf und Bogedan fürs kommende Schuljahr von einem Bedarf von acht Wohnplätzen für junge Sportler, die älter sind als 16 Jahre. Aus dieser angedachten Zwischenlösung muss aber eine Dauerlösung werden.

Das Projekt „Eliteschule des Sports“ in Bremen erfährt eine breite Unterstützung aus Politik und Sport. Es wurde lange in Verbindung gebracht mit dem Projekt „Haus der Athleten“, für das sich insbesondere die Sportstiftung Bremen sehr engagiert. Im Dezember 2020 kam für das geplante Haus der Athleten in der Bremer Bürgermeister-Smidt-Straße allerdings das Aus, derzeit bemühen sich die Verantwortlichen um eine Alternative. Es war zwar keinesfalls beschlossene Sache, aber das Haus der Athleten hätte der Oberschule Ronzelenstraße mit einigen Internatsplätzen den Weg zur Eliteschule des Sports ebnen können.

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Schon vor dem Aus für die Immobilie in der Innenstadt hatten die Schule Ronzelenstraße und die Bildungsbehörde stets eigene Planungen im Blick gehabt. „Seit Dezember haben wir mehr an unserem Projekt gerödelt als je zuvor“, sagt Harald Wolf. Er hat sich in den vergangenen Monaten mit seinen Kollegen schlaugemacht, wie hoch die Kosten für eine Internatslösung sein könnten. Die Erkenntnisse sind in einen Businessplan eingeflossen, den die Schule der Bildungsbehörde eingereicht hat und der im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Weil die Schule nicht als Träger eines Internats mit 24-Stunden-Betreuung an sieben Tagen in der Woche auftreten kann, muss dafür eine externe Lösung gefunden werden.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Sportbetonte Schule ihren Weg ziemlich sicher ohne ein Haus der Athleten gehen wird. Die Bildungsbehörde strebt eine Campuslösung auf dem Schulgelände an. Das bedeutet: Sämtliche Einrichtungen, die für eine Eliteschule des Sports nötig sind, sollen an der Ronzelenstraße angesiedelt sein. Vielleicht schon Ende 2023, so laut Harald Wolf der Stand der aktuellen Planungen, soll eine Doppelspielfeldhalle – bestehend aus zwei übereinander liegenden Dreifeld-Turnhallen – fertiggestellt sein. An der Stelle der jetzigen Sporthalle, die dann abgerissen wird, soll anschließend ein Multifunktionsgebäude mit Mensa und möglicherweise Internat entstehen. „Die finanziellen Mittel werden dann zur Verfügung gestellt, wenn die Planungen finalisiert wurden“, sagt die persönliche Referentin der Bildungssenatorin, Stephanie Dehne.

An der Schule ist in den vergangenen Jahren viel passiert, um dem großen Ziel näher zu kommen. Bis auf die Internatsplätze sei alles fertig erarbeitet, hieß es schon im Dezember aus der Bildungsbehörde. Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Sven Baumgarten, beim DOSB in Frankfurt Projektleiter Duale Karriere, verfolgt die Bremer Bemühungen schon seit Jahren und deutet an, dass es auf dem Weg zur Eliteschule für die Oberschule Ronzelenstraße noch eine Zwischenetappe geben könnte: den Status einer sogenannten Partnerschule des Leistungssports.

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Auf jeden Fall sind die Kriterien, die DOSB, Sportministerkonferenz und Kultusministerkonferenz der Länder für Eliteschulen des Sports in den drei relevanten Handlungsfeldern Schule, Sport und Internat vorsehen, sehr umfangreich. Die räumliche Nähe zu Olympiastützpunkten (OSP) ist auf jeden Fall förderlich für die Bewerbung einer Schule, weil, so Sven Baumgarten, es zwischen diesen Einrichtungen und Eliteschule Kooperationen geben müsse. Die nächstgelegenen OSP aus Bremer Sicht befinden sich in Hannover und Hamburg. Immerhin hat Bremen den Bundesstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik – mit der Einschränkung jedoch, dass der sich auf sehr junge Athletinnen und nicht auf Gruppen konzentriert.

Am Ende des Prozesses wird ein Steuerungskreis des DOSB darüber entscheiden, ob die Sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße den erlauchten Kreis der Eliteschulen auf 44 erweitert. Derzeit gibt es Eliteschulen des Sports in 14 Bundesländern, nur Schleswig-Holstein und Bremen haben noch keine. Alle vier Jahre werden die Eliteschulen überprüft, danach erfolgt Wiederernennung oder Aberkennung des Status.

Info

Zur Sache

Suche nach dem Haus der Athleten geht weiter

Die Sportstiftung Bremen begrüßt das Bestreben des Senats, die Sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße zu einer Eliteschule des Sports weiterzuentwickeln. Das erklärt der Stiftungsvorstand mit dem Vorsitzenden Peter Gagelmann, Anke Precht und Lars Figura in einer Pressemitteilung. Zugleich hält die Stiftung aber an ihrem Projekt des Hauses der Athleten fest, das im Dezember mit dem Aus für die Immobilie an der Bürgermeister-Smidt-Straße ins Stocken geraten ist. „Wir haben derzeit keine Alternativimmobilie, aber wir halten die Augen offen“, sagt Peter Gagelmann. Derzeit sei die Lage auch wegen Corona nicht einfach. Gagelmann sieht in der Eliteschule des Sports keine Konkurrenz für das Vorhaben der Sportstiftung. „Wir wollen allen Sporttreibenden die Möglichkeit zum Wohnen geben und nicht nur denen, die an der Ronzelenstraße zur Schule gehen“, sagt er. Die Sportstiftung Bremen sehe angesichts der Campuslösung an der Oberschule Ronzelenstraße umso mehr die Notwendigkeit, ein Haus der Athleten zu verwirklichen, das gerade nicht nach Herkunft, Bildungsweg und Bildungschancen sowie weiteren sportfremden Kriterien unterscheide, heißt es in der Mitteilung.

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