Urgestein beim SWB-Marathon

Er läuft und läuft und läuft

Gerhard Harder (69) war einer von denen, die den SWB-Marathon wiederbelebten. Er ist Marathons auf der ganzen Welt gelaufen. Aber der Lauf in Bremen ist für ihn Ehrensache.
22.09.2017, 15:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Lenssen

Wenn Gerhard Harder Mitte Okober seinen 70. Geburtstag feiert, dann wird er sich zusammen mit seiner Familie vielleicht ein Gläschen Rotwein einschenken. Natürlich nicht den Werder-Bremen-Wein, Jahrgang 1992, dem Jahr des Europapokaltriumphs. Diese Flasche in seinem Keller, das musste er seinem Sohn versprechen, darf er erst öffnen, wenn die Grün-Weißen den nächsten internationalen Titel holen. Das könnte also noch ein bisschen dauern. Glücklicherweise hat Harder aber noch ein paar andere gute Tropfen im Keller lagern. So unklar die Getränkeauswahl noch ist, eines dürfte hingegen feststehen: Harder wird auch an seinem Geburtstag wohl morgens seine Laufschuhe anziehen und erst mal eine Runde drehen. Denn er ist ein Läufer aus Leidenschaft.

„Ich liebe es. Es gibt mir so ein gutes Gefühl und ist außerdem noch gesund. So etwas wie Kopfschmerzen kenne ich zum Beispiel gar nicht“, schwärmt der 69-Jährige, dem man sein Alter wahrlich nicht ansieht. Natürlich wird er auch am Bremer Marathon-Wochenende am 1. Oktober wieder an den Start gehen, dieses Mal über die Distanz des Halbmarathons. Ehrensache. Nicht nur weil er Bremer ist, sondern auch einer der Protagonisten war, die den Marathon einst wiederbelebten.

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Utz Bertschy (der Bremen-Marathon-Organisator, d. Red.) im Jahr 2004 bei uns nachfragte, ob wir die Veranstaltung als Sponsor unterstützen wollen“, erzählt Harder, der damals Vorstandsvorsitzender der SWB war. Für ihn war es damals keine lange Überlegung: Er sagte zu und findet nach wie vor, dass es eine hervorragende Entscheidung war. Und die Entwicklung des Bremen-Marathons gibt Harder absolut recht: Bereits der 13. SWB-Marathon wird am Sonntag in einer Woche angeschossen.

2009 lief er seinen ersten Marathon

Und: Das Laufereignis hat auch Harders eigene Sportlerkarriere ziemlich beeinflusst. Sportlich sei er ja immer schon gewesen, berichtet er. Fußball, Badminton, Tennis und Golf hat er früher gespielt. Angefangen mit dem Laufen hat er allerdings erst relativ spät. Und das eigentlich auch nur, weil seine Frau ihn Ende der 1990er-Jahre mal mit zum Walking nahm. Als 2005 der SWB-Marathon seine Premiere feierte, ging Harder über die zehn Kilometer an den Start, die drei folgenden Jahre lief er jeweils den Halbmarathon. Aber wenn man die ganze Sache schon eingestielt hat, dann will man natürlich auch mal die große Runde drehen. 2009 ging Harder erstmals die 42,195 Kilometer-Distanz an. 14 Tage vor seinem 62. Geburtstag. Zweifel daran, es zu schaffen? Die hatte er nie.

„Wenn man zehn Kilometer in einer Stunde laufen kann und das Ganze auch regelmäßig und ohne Probleme, dann schafft man auch einen Marathon“, ist Harder überzeugt. Was allerdings nicht heißt, dass ein Marathon ein Selbstläufer ist, das hat er selbst oft genug erfahren. Zwischen 30 und 40 Kilometern komme der große Hammer, das weiß er. „Das ist eben so“, sagt er. „Aber wenn man das weiß, dann kann man sich ja darauf einstellen und dann ist es halb so schlimm“, sagt Harder mit einem Augenzwinkern.

Von Bremen in die Welt

Nach erfolgreichem Debüt in Bremen hatte der Mann aus Schwachhausen endgültig Feuer für die 42-Kilometer-Strecke gefangen. Es folgten Marathons in Hamburg und Berlin. Nun ist der Berlin-Marathon ja nicht nur der mit Abstand größte in Deutschland, sondern einer der wichtigsten der Welt – gemeinsam mit Boston, New York, Chicago, London und Tokio spricht man von den Six Stars.

Und Harder hat sie inzwischen alle sechs gelaufen. 2013 New York, das sei ein unglaubliches Erlebnis gewesen, erzählt er: drei Millionen Zuschauer und 130 Musikbands an der Strecke. 2015 im Februar dann Tokio, im Oktober folgte Chicago. 2016 London und 2017 der Boston-Marathon, der älteste und legendärste der Welt. Zwischen 4:20 und 4:50 Stunden läuft Harder normalerweise. Die Medaillen hat er im Keller hängen. Darunter auch ein ganz besonderes Exemplar: den Six Star Finisher. Eine Medaille wie ein Siegerkranz, die nur diejenigen erhalten, die die „Großen Sechs“ erfolgreich bestritten haben. Und das ist ein ziemlich elitärer Kreis. Es gibt nämlich weltweit nur 2300 Läufer, die dazugehören.

Die Stimmung und die ganze Atmosphäre seien schon etwas ganz Besonderes gewesen, erinnert sich Harder und fügt mit einem Grinsen an: „Gewinnen kann ich als alter Mann zwar nicht. Aber für mich selbst bin ich aber trotzdem immer ein Gewinner gewesen.“

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