Wie die Bremer Hockey-Spielerin Kristina Hillmann den Auftaktsieg gegen die USA erlebt hat / Heute gegen Australien Erst mal einen Kaffee

London. Es war kalt. Zu kalt für einen Abend im Hochsommer. Kristina Hillmann spürte die Kälte und den unangenehmen Wind kaum. Auf der Liste von Eindrücken, die es zu verarbeiten galt, stand die Kälte weit hinten. Die Gänsehaut der Bremer Hockeyspielerin kam nicht durch die Temperaturen, sie kam von anderen Reizen: von der Flutlichtatmospähre, der untergehenden Abendsonne, der Nationalhymne, der brodelnden Stimmung. 8000 Zuschauer saßen in der Riverbank Arena des Olympiaparks.
31.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Erst mal einen Kaffee
Von Olaf Dorow

London. Es war kalt. Zu kalt für einen Abend im Hochsommer. Kristina Hillmann spürte die Kälte und den unangenehmen Wind kaum. Auf der Liste von Eindrücken, die es zu verarbeiten galt, stand die Kälte weit hinten. Die Gänsehaut der Bremer Hockeyspielerin kam nicht durch die Temperaturen, sie kam von anderen Reizen: von der Flutlichtatmospähre, der untergehenden Abendsonne, der Nationalhymne, der brodelnden Stimmung. 8000 Zuschauer saßen in der Riverbank Arena des Olympiaparks.

Als das Auftaktspiel der deutschen Hockey-Damen, welches sie am späten Sonntagabend schließlich mit 2:1 gegen die USA gewannen, rund sieben Minuten alt war, machte Hillmann ihre ersten olympischen Schritte. Bundestrainer Michael Behrmann wechselte sie ein und ließ sie danach immer wieder und relativ lange spielen. Hillmann freute sich, dass Behrmann ihr vertraut hatte. Sie ist erst 20 und die jüngste im Team.

Auftaktspiele sind selten spielerische Glanzstücke. Die Ausgangslage vor dem Spiel hatte eine scheinbare und eine tatsächliche Seite zu bieten. Natascha Keller beschreibt beide. "Wenn man so hört: Feldhockey? In Amerika? Gibt’s das überhaupt, fragt man sich." Die deutschen Frauen, ein Spitzenteam, werden die Amerikanerinnen doch locker weghauen, denkt die Öffentlichkeit. Nix mit locker, hält Keller, die Rekordinternationale und deutsche Fahnenträgerin, dagegen. An den Colleges würde Hockey auf hohem Niveau gespielt. Eine nationale Struktur sei quasi nicht vorhanden, aber das Potenzial riesig.

Montagnacht in der Riverbank war es zu sehen. Eine Viertelstunde vor Schluss schaffte Lauren Crandall das 1:2 aus US-Sicht. "Da haben die Blut geleckt und da hat es noch ganz schön gebrannt bei uns", sagte Hillmann. Ein deutsches Tor hätte die Lage beruhigen können. Aber es fiel nicht. Bis zum Anschlusstreffer hatte wenig darauf hingedeutet, dass der Erfolg in Gefahr geraten können. Durch eine verwandelte Strafecke von Fanny Rinne und einen weiteren Treffer von Lisa Hahn waren die Deutschen bereits in der ersten Halbzeit in Führung gegangen. "Das waren auch zwei richtig schöne Tore", sagte Kristina Hillmann.

Nach Crandells Anschlusstreffer häuften sich jedoch die deutschen Ballverluste. Torfrau Yvonne Frank bekam Arbeit. Bärenstark wäre sie gewesen, sagte Behrmann. "Das war ein typisches Auftaktspiel mit viel Nervosität. Es ist einfach nur wichtig, dass wir die drei Punkte eingefahren haben, nicht so sehr, wie", kommentierte der Nationaltrainer das Spiel. In der zweiten Hälfte sei zu viel Unruhe aufgekommen. Bereits heute, wieder am späten Abend, geht es weiter für sein Team. Im zweiten Spiel der Gruppe B wartet Australien. Nur die zwei Besten der Sechsergruppe bleiben im Rennen. Sie hätten sich dann fürs Halbfinale qualifiziert.

Den Tag nach beziehungsweise vor dem Spiel hat Kristina Hillmann versucht, "ruhig und entspannt" anzugehen. Sie schlief am Morgen richtig aus und ging am Nachmittag einen Kaffee trinken. In der "Mall" genannten Zone am Rande des olympischen Dorfes traf sie Menschen, die sie nicht mit hineinnehmen darf ins Dorf, mit denen sie aber sehr gern einen Kaffee trinken wollte: ihre Eltern aus Bremen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+