Interview

"Es wird sehr schwer für den Bremer SV"

Die Bremen-Liga erlebt eine turbulente Saison. So turbulent, dass der starke Aufsteiger BSC Hastedt davon träumen darf, Meister oder Pokalsieger zu werden. Oder beides. Coach Gökhan Deli im Interview.
27.01.2018, 20:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
"Es wird sehr schwer für den Bremer SV"

Mit dem BSC Hastedt in dieser so turbulenten Bremen-Liga-Saison richtig gut im Geschäft: Trainer Gökhan Deli.

Hagen Kelber

Herr Deli, der Spitzenreiter Bremer SV musste sich in der Winterpause mit zahlreichen Spielern neu aufstellen und will deshalb erst einmal abwarten, ob er zu alter Stärke findet. Der Tabellenzweite FC Oberneuland gibt sich zurückhaltend, wenn es um die Favoritenrolle in der Meisterschaft geht. Welche Chancen räumen Sie denn Ihrer Mannschaft ein?

Gökhan Deli: Ich gebe die Favoritenrolle an den FC Oberneuland. Sie sind der Jäger Nummer eins und haben ja auch ein Spiel weniger absolviert als wir. Nach den Nachholspielen können wir sogar auf den fünften Platz abrutschen. Es kommt darauf an, wie die junge Mannschaft des FCO nun spielt und mit dem Druck umgeht. Insgesamt wird es aber eine so enge Kiste wie seit langem nicht mehr.

Was erwarten Sie denn vom Bremer SV?

Er wird die Überraschungsmannschaft sein. Es wird darauf ankommen, wie schnell sie dort ein Team werden. Leicht ist das nicht mit einem neuen Trainer und so vielen neuen Spielern. Ich bin gespannt.

Halten Sie den neuen Kader denn nominell für stark genug, den Titel zu verteidigen?

Nein, das glaube ich nicht. Die anderen Teams an der Spitze spielen seit dem Sommer zusammen, und der BSV hat seine Mannschaft zusammengetrommelt. Das ist jetzt eine Frage der Zeit und wie die Spieler mit dem Druck umgehen. Doch es wird sehr schwer für den BSV.

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Ist der BSV theoretisch nun stark genug?

Wenn man den neuen Kader mit den Abgängen vergleicht, definitiv nicht. Aber die meisten neuen Namen sind mir auch unbekannt. Wie gesagt: Der BSV wird die Überraschungsmannschaft.

Ihre Mannschaft wurde durch acht neue Spieler verstärkt, unter anderen kamen vier Spieler vom BSV. Den Zugängen stehen acht Abgänge gegenüber. Ist der BSC Hastedt nicht auch mit einigen Fragezeichen versehen?

Wir haben eine gestandene Truppe zusammengehalten und nun noch mehr Qualität bekommen. Wir haben allerdings noch Probleme mit der Freigabe der BSV-Spieler. Ich denke aber schon, dass wir uns noch einigen werden.

Bereits im März kommt es im Viertelfinale des Pokals zum Duell mit dem BSV. Tritt der BSC als Favorit an?

Wir nehmen diese Rolle gern an, müsse diese Hürde aber erst mal beseitigen. Wer Pokalsieger werden will, muss eben jede Mannschaft schlagen.

Was ist denn wahrscheinlicher: Dass der BSC Hastedt Pokalsieger wird oder dass er die Meisterschaft gewinnt?

Beides (lacht).

Und wie wahrscheinlich sind Pokalsieg und Meisterschaft?

Der Pokal hat ja tatsächlich seine eigenen Gesetze. Wenn wir aber hundertprozentig bei der Sache sind, überstehen wir die Spiele auch. In der Liga sind noch elf Spiele zu absolvieren. Wir werden aber nicht mehr die Fehler aus der Hinrunde machen, sondern treten qualitativ verstärkt an. Deshalb kann eigentlich nicht viel schief laufen. Ich bin sehr positiv, auch wenn wir erst seit einer Woche im Training sind.

Auch der BSC Hastedt hat im Dezember unter großer Unruhe gelitten: Sie erhoben Rassismus-Vorwürfe und waren mit Ihrem Bruder Samet zurückgetreten. Nachdem Abteilungsleiter und Sponsor Hagen Kelber seinen Hut nahm, kehrten Sie eine Woche später zurück. Ist nun Ruhe eingekehrt?

Ja, klar. Wir hatten Vorstandwahlen im Januar. Dort wurde Iman Bi-Ria (33-jähriger Stürmer des BSC; Anm. der Red.) als Sportlicher Leiter ab dem Sommer gewählt. Er wird sich aber auch jetzt schon kümmern, war auch mit den Neuzugängen beschäftigt. Zunächst will sich Iman aber noch auf das Fußballerische konzentrieren. Im Sommer wird man dann sehen, wie es weitergeht – und ob er auch als Spieler weitermacht.

In den kommenden Wochen wird auch die Meldung zur Regionalliga ein Thema. Wollen Sie sich auch bewerben?

Das haben wir eigentlich vor. Wir haben aber die Rahmenbedingungen nicht und kümmern uns gerade darum, eine Spielstätte zu finden. Die Frage ist: Wo können wir spielen und was würde das kosten? Es geht also auch darum, die nötigen Erfahrungen zu sammeln. Aber bei uns ist es wie in anderen Vereinen auch: Wir sind von Sponsoren abhängig. Die Unterstützung ist da, aber sie ist nicht grenzenlos. Deshalb wird es das Wichtigste sein, den finanziellen Rahmen zu ermitteln.

Da käme ein Pokalsieg, der das Fernsehgeld der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal sichert, ja gerade recht.

Klar, er wäre gut für das Budget. Aber da muss man auch immer erst mal abwarten, was übrig bleibt vom Fernsehgeld als Gastgeber eines DFB-Pokalspiels. Und wer hat sich in den vergangenen Jahren schon gehalten in der Regionalliga? Da musst du schon gestandene Spieler holen – und die kosten Geld.

Geld, das der BSC nicht hat?

Der Verein hat es nicht. Wie gesagt: Wir sind da von Sponsoren abhängig.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

Zur Person:

Gökhan Deli ist Trainer des Hastedter BSC, dem Dritten der Bremen-Liga. Der 33-Jährige betreut die Fußballer vom Jacobsberg nun seit zweieinhalb Jahren, assistiert von seinem Bruder Samet.

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