Bremen-Liga „Es wird so spannend wie nie zuvor“

Nach der turbulenten ersten Saisonhälfte mit den Querelen beim Bremer SV sind die Karten an der Spitze der Bremen-Liga neu gemischt worden. FCO-Trainer Kristian Arambasic spricht darüber im Interview.
19.01.2018, 18:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Herr Arambasic, gerade hat sich Ihr Team mit einer 4:7-Testspielniederlage vom VfB Oldenburg getrennt. Ein ungewöhnliches Resultat.

Kristian Arambasic: Ja, ein hervorragendes Eishockey-Ergebnis – und ein Spiel mit vielen Fehlern in den Abwehrreihen. Bei uns hat mich das aber nicht überrascht, da wir erst seit diesem Montag wieder im Training sind. Ich wusste auch, dass wir körperlich nicht mithalten können in dieser Phase. Es ging darum, sich intensiv zu bewegen.

Intensiv dürfte die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte in der Bremen-Liga sowieso werden. Schließlich geht man allgemein davon aus, dass der Spitzenreiter Bremer SV nach Trainerentlassung, Spielerstreik und Aderlass nicht mehr so dominant auftreten wird. Da werden die Karten an der Spitze also neu gemischt, oder?

Definitiv. Es wird so spannend wie nie zuvor. Durch die ganzen Aktionen der letzten Wochen spielen nun fünf Mannschaften um den Titel.

Vor Sasa Pinter beim BSV war Walter Brinkmann in Brinkum entlassen worden. Zuletzt folgte die Trennung des VfL 07 von Jürgen Damsch. Wie haben Sie die Trainerrauswürfe erlebt?

Als Außenstehender konnte ich die Trennung von Sasa Pinter – wie wohl alle anderen auch – nicht nachvollziehen. Er hat mit seinem Team ja die Bremen-Liga angeführt. Aber der BSV wird seine Gründe haben, genauso wie der VfL 07 mit Jürgen Damsch, dem man von den Punkten her auch keinen Vorwurf machen konnte. Oder der Brinkumer SV, der Walter Brinkmann auch in einer Spitzenposition entlassen hat.

Neben den unerwarteten Trennungen gab es noch den ersten Spielabbruch in der Bremen-Liga, eine körperliche Auseinandersetzung zweier Vatan-Spieler und Rassismus-Vorwürfe in Hastedt. Haben Sie eine Erklärung, warum ausgerechnet diese Spielzeit so turbulent verläuft?

Ich glaube, dass die Dinge aus dem Bundesligageschäft irgendwann rüberschwappen. Es geht nicht mehr um den Menschen, der Trainer ist auch im Amateurfußball austauschbar, und er ist häufig das schwächste Glied. Dabei müsste er das stärkste Glied sein – so wie es in der Bremen-Liga auch lange Zeit der Fall war. Wenn aber jetzt ein paar Spieler rumjammern oder es anderen im Verein nicht passt, dann wird der Trainer auch bei uns im Amateurbereich immer häufiger gewechselt. Das macht die Aufgabe extrem schwer, denn der Trainer muss ja alle im Verein mitnehmen. Ich finde es schade, dass die Verantwortlichen oft nicht mehr das nötige Rückgrat haben und schnell nervös werden. In Meppen zum Beispiel hat man mit Christian Neidhardt auf einen langfristigen Trainer gesetzt, der drei Jahre lang keinen Erfolg hatte und nun in die 3. Liga aufgestiegen ist. Der VfB Oldenburg hat die gleichen Voraussetzungen, wechselt aber jedes Jahr den Trainer – und tritt auf der Stelle.

Über den Bremer SV und seine Zukunft in der Bremen-Liga wird derzeit spekuliert. Glauben Sie, dass der Spitzenreiter das Niveau trotz der vielen Spielerwechsel halten kann?

Ich weiß, was beim BSV passiert und kann sagen, dass sie definitiv eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielt. Sie werden stark sein. Spannend ist, wie es Cengiz Cakir (der neue Trainer des BSV, Anm. der Red.) gelingt, aus den starken Spielern auch eine starke Mannschaft zu formen. Aber gewinnen sie die ersten drei Spiele, dann kommen sie in einen Rausch und werden dort oben nicht mehr zu verdrängen sein.

Und der BSC Hastedt, Ihr Tabellennachbar von Rang drei?

Sie haben richtig aufgerüstet in der Winterpause und allein vom BSV vier, fünf Spieler geholt. Vom Potenzial her sind sie der absolute Topverfolger des BSV. Ich sehe uns genauso wie Blumenthal und Brinkum noch dahinter.

Ihr FCO hat aber auch etwas getan. So wurde Denis Nukic vom BSV verpflichtet, Raoni Caniero Alves aus Uphusen und der Südkoreaner Kang Gwan-Woo, zudem kehrte Niklas Ordenewitz aus Neuseeland zurück. Da sollten sich der Abgang von Michael Thöne sowie der zweimonatige Auslandsaufenthalt von Tim Kreutzträger doch kompensieren lassen?

Aber außer dem 30-jährigen Denis Nukic haben wir nur junge Zugänge. Wir treten also weiterhin mit der jüngsten Mannschaft an, die der FCO jemals hatte. Ich weiß aber, wie wichtig Erfahrung im Titelkampf ist. Für mich wäre es eine Sensation, wenn wir Meister würden.

Da werden Ihnen jetzt aber einige Leute pure Tiefstapelei vorwerfen.

Ja. Aber wir hatten drei Spieler aus dem letzten Jahr und 21 Neue. Es ist uns schon gut gelungen, aus diesem Kader eine Mannschaft zu formen. Doch man merkt ihr einfach auch an, dass sie noch sehr jung ist. Deshalb werden wir uns mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Ausrutscher erlauben als die anderen Teams in der Spitzengruppe. Und das entscheidet am Ende über den Titel.

Trotzdem hat Günter Hermann, der Sportliche Leiter des FCO, angekündigt, für die Regionalliga melden zu wollen. Was ist, wenn der Titel nun doch an Ihre Mannschaft geht?

Dann werden wir es versuchen und die Relegation spielen. Es geht dabei aber mehr um Erfahrungswerte. Steigen wir am Ende auf, würde uns das mit dieser jungen Mannschaft schon eher erschrecken (lacht). Wir haben einfach den Vorteil, dass wir für die Meldung lediglich eine Gebühr entrichten müssen. Die weiteren Voraussetzungen für die Regionalliga, wie etwa das Stadion, sind ja bereits vorhanden.

Aber als reif genug für die Regionalliga würden Sie Ihre Mannschaft offenbar noch nicht bezeichnen?

Ich bin überzeugt von ihr. Wir würden auch niemals mit Risiken in die Regionalliga gehen, etwa durch die Verpflichtung gestandener Spieler. Unser Vorbild ist die BTS Neustadt, die vor rund 20 Jahren in die damalige Oberliga gegangen ist und diese Erfahrung einfach mitgenommen hat. Wir sind da insgesamt aber sehr entspannt, da wir bereits mit vielen Leistungsträgern verlängert haben und allenfalls mit drei, vier neuen Spielern planen. Egal, in welcher Liga.

Die vielen Tests gegen überregionale Mannschaften, etwa bei Victoria Köln an diesem Sonnabend, gegen den Heeslinger SC am 24. Januar, Uphusen am 27. Januar oder Hannover 96 II am 31. Januar dienen also vor allem der Erfahrung ihres jungen Teams?

Definitiv. Und dann geht es auch immer darum, den Spielern die Möglichkeit zu geben, sich auf diesem Niveau zu präsentieren. Sollte sich einer auf höherer Ebene anbieten, freut mich das doch. Für die Jungs sind solche Spiele jedenfalls immer ein Highlight.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

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