Leichtathletik

Fabian Linne: Viel drin in Leipzig

Eine Medaille bei Deutschen Hallenmeisterschaften? Hat Seltenheitswert in der Bremer Leichtathletik. Werder-Sprinter Fabian Linne könnte jetzt in Leiptig eine holen.
21.02.2020, 14:52
Lesedauer: 3 Min
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Fabian Linne: Viel drin in Leipzig
Von Olaf Dorow
Fabian Linne: Viel drin in Leipzig

Letzte Trainingsschritte vor den Meisterschaften: Fabian Linne.

Frank T. Koch

Bremen. Lokalpatriotismus wäre gar nicht unbedingt nötig, man könnte dem Werder-Sprinter Fabian Linne ruhig auch ohne Bremer oder grün-weiße Brille einen guten Start in Leipzig wünschen. In Leipzig werden an diesem Wochenende die deutschen Hallenmeister in der Leichtathletik ermittelt, am Sonntag diejenigen über 200 Meter. Und der Start, sagt Fabian Linnes Trainer Andriy Wornat, der sei halt immer noch eine Baustelle bei seinem Sprinter. Sein Sprinter ist aktuell Bremens mit Abstand leistungsstärkster und verheißungsvollster Leichtathlet. Man darf sich das durchaus so vorstellen: Klappen in Sachsen am Sonntag der Start und die ersten Meter nach dem Startblock mehr recht als schlecht, dann wäre unter Umständen etwas drin, was auf Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften Seltenheitswert besitzt: eine Medaille für Bremen. „In Leipzig“, sagt Fabian Linne, „ist, glaube ich, viel drin.“

Am vergangenen Wochenende sei Linne in Dortmund als Sieger eines kleinen Meetings zu einer neuen Hallen-Bestzeit gesaust. 21,37 Sekunden, erzählt Wornat. Damit würde er sich in der aktuellen deutschen Bestenliste auf Rang vier einordnen. Die Ränge zwei und drei: nicht weit weg. Zudem gelte die Bahn in Dortmund nicht als die schnellste deutsche Hallenbahn, sagen Trainer wie Athlet. Die Schleife in der Leipziger Halle, die für die deutschen Leichtathleten längst zu einer Art Winter-Mekka geworden ist, sei etwas schneller. In Dortmund habe man zwar die Kurve erneuert, aber die sei nun, womöglich kontstruktionsbedingt, ein wenig wellig. Bedingt rekord-geeignet.

Nun ja, und dann halt der Start in Dortmund. Andriy Wornat steht beim Montagstraining in der Leichtathletikhalle des Weserstadions und imitiert einen Sprintstart. Fabian Linnes Sprintstart in Dortmund. Zzong, erster Schritt. „Gut“, sagt Wornat. Zweiter Schritt: gut. Dritter? Hmm. War zu sehr zur Seite. Fabian Linne steht daneben und grinst. Ja, der Start. Die Baustelle. Er weiß das. Er ist erst 19, er ist aber längst ein gewissenhafter Sportler. Er schafft es zur Zeit gut, dabei nicht zu verbissen vorzugehen. Der Kampf um jede Hundertstelsekunde Verbesserung, um die es ab einem bestimmten Niveau geht, ist eine komplizierte wie komplexe Angelegenheit. „Das ist viel Tüftelei“, sagt Wornat. Locker zu bleiben gilt es trotzdem. Dass der 19 Jahre junge Mann eben gegrinst hat, ist weit weg davon, ein falsches Signal zu sein.

Wer nach dem Wie von Trainingsmethoden für eine Disziplin fragt, in denen in wenigen Sekunden alles schon wieder vorbei ist, der kann sich auch in wenigen Sekunden in einem kleinen Fachvortrag wiederfinden. Dann geht es um Begriffe wie Rhythmisierung, Frequenz, Bodenkontakt. Und laienhaft gesagt: um kluges Training. Wornat erzählt von früher, als er Hürdensprinter in der Ukraine war. Ein Sport-Professor habe ihm gesagt: „Willst du schnell laufen? Dann geh' in den Kraftraum!“ Wornat geht mit seinen Athleten 20 Jahre später tatsächlich immer noch in den Kraftraum. Mit der professoralen Empfehlung von einst hat das aber nur noch wenig zu tun, was er dort macht. Die moderne Sprint-Philosophie geht vielerorts eher in eine Richtung, die sich vielleicht so beschreiben lässt: Mit der Kraft eines Leoparden lässt sich mehr erreichen als mit der (größeren) Kraft eines Bären.

Fabian Linne ist in seiner Disziplin inzwischen auf einem Leistungsniveau angekommen, auf dem die Leistungssprünge kleiner werden. Das Tüfteln, die Beschäftigung mit den Baustellen – es nimmt automatisch mehr Raum ein. An einem Punkt, an dem der Athlet zwar noch zwei Jahre lang für die U 23-Wettkämpfe startberechtigt ist, sich aber schon deutlich mehr der Erwachsenen- denn der Jugend-Kategorie zugehörig fühlt. Was eher das Selbstverständnis betrifft und nichts mit der weiterhin großen Unterstützung durchs Elternhaus zu tun hat. Fabian Linne, der im vergangenen Jahr eine Ausbildung bei Lürssen begonnen hat, wohnt noch bei seinen Eltern. Zweimal pro Woche fährt er nach Oldenburg, dreimal in der Firma, dazu Trainingsprogramm, Ernährung, medizinische und physiotherapeutische Betreuung eines Leistungssportlers. Die Eltern würden helfen, wo sie können, sagt Wornat. "Sie fragen ständig: "Was können wir noch machen?", sagt er. Er findet das sehr bemerkenswert und wichtig, es zu erwähnen.

Heraus könnte nun also Fabian Linnes erste nationale Meisterschaftsmedaille bei den Großen kommen, wie man so schön sagt. Im vergangenen Jahr war er, Bestzeit im Freien: 21,07 Sekunden, der Pechvogel des Sommers. Nominiert für die U 20-Europameisterschaften in Schweden, zog er sich wenige Tage vor der Abreise eine Zerrung zu. Für die U 20 ist er nicht mehr startberechtigt, in der U 23 gibt es erst im kommenden Jahr wieder eine EM. In diesem Sommer gibt es aber auch eine EM. Die bei den Großen, Ende August in Paris. 20,65 Sekunden wäre die Norm des Deutschen Leichtathletik Verband dafür, sagt er. Dann grinst er wieder.

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Werder-Sprinter Fabian Linne ist an diesem Wochenende nicht der einzige Bremer Starter bei den deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathletin in Leipzig. Aus der Trainingsgruppe des Werder-Sportwarts Andrei Fabrizius werden Sandra Dinkeldein sowie Rene Rumpf an den Start gehen. Während Rene Rumpf wie Fabian Linne über 200 Meter antritt, ist Sandra Dinkeldein sowohl für 60 als auch 200 Meter gemeldet.

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