Die deutschen Hockeyspielerinnen bereiten sich mit einem Turnier beim Club zur Vahr auf London vor Feinschliff für Olympia

Es gibt in diesem Jahr nicht viele Hoffnungen auf eine deutsche Olympia-Medaille in einer Mannschaftssportart. Nur drei Teams haben sich überhaupt qualifiziert. Schaffen es die deutschen Hockeyspielerinnen bis ins Halbfinale und dann aufs Podest? Mit einem Viernationenturnier bereiten sie sich in Bremen vor – und eine Bremerin spielt auch mit.
10.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Feinschliff für Olympia
Von Olaf Dorow

Es gibt in diesem Jahr nicht viele Hoffnungen auf eine deutsche Olympia-Medaille in einer Mannschaftssportart. Nur drei Teams haben sich überhaupt qualifiziert. Schaffen es die deutschen Hockeyspielerinnen bis ins Halbfinale und dann aufs Podest? Mit einem Viernationenturnier bereiten sie sich in Bremen vor – und eine Bremerin spielt auch mit.

Bremen. Zeit zum Luftholen? Bleibt nicht viel. Die deutschen Hockey-Nationalspielerinnen müssen in London innerhalb von neun Tagen fünf Vorrunden-Spiele bestreiten. Am 4. August müssen sie abends um 21.15 Uhr gegen den Weltranglistenzweiten Argentinien antreten, und am 6. August geht es um 8.30 Uhr am Morgen gegen den Weltranglistensechsten Neuseeland. Michael Behrmann, der Bundestrainer, hat gestern in Bremen trotzdem folgenden Satz gesagt: "Der Spielplan bei Olympia ist Luxus."

In Bremen hat er ihn gesagt, weil in dieser Woche auf der Anlage des Clubs zur Vahr ein internationales Turnier gespielt wird. Es geht um den Feinschliff für London, nach Bremen wird es für Behrmanns Team keine Turniere mehr geben in der Olympia-Vorbereitung. Am 22. Juli fliegt die Mannschaft nach London. Sie ist die einzige deutsche Frauenmannschaft, die sich für die Spiele qualifiziert hat. In Bremen wird es am Donnerstag und am Wochenende gegen hochkarätige Gegner gehen, gegen Belgien, Südafrika und Neuseeland. Gegen Südafrika und Neuseeland müssen die Deutschen auch in London antreten, wo im Herzen der Spiele Hockey läuft, im Olympic Parc.

Den Satz über den Zeitplan hat Behrmann gesagt, weil seine Spielerinnen bei den meisten Turnieren täglich gefordert sind und nicht nur alle zwei Tage. Hockey-Spielerinnen müssen einiges aushalten, sie müssen oft das anstrengende Training in einen Studienplan hineinpressen, nicht jeder Uni-Professor hat dafür Verständnis. Kristina Hillmann zum Beispiel wird demnächst Medizin studieren.

Das Bremer Küken

Nach dem Abitur 2011 hatte sie in den letzten Monaten in einer Kinderklinik in Hamburg-Altona als Praktikantin gearbeitet. Sie will das so, wie die meisten Hockey-Spielerinnen: Sie lebt zwei Leben auf einmal. Hier der Olympiatraum, dort der Beruf. Als sie ihr Abitur machte, pendelte sie permanent zwischen Bremen und Hamburg, ihr Pensum reichte oft von frühmorgens bis nach Mitternacht.

Hillmann hat sozusagen Heimspiele bei dem Bremer Turnier ab übermorgen. Sie wurde im Club zur Vahr groß, ehe sie vor vier Jahren, wegen des Olympiatraums, zum Uhlenhorster HC nach Hamburg wechselte. Jetzt wird ihr Olympiatraum wahr. Sie ist erst 21 und damit das Küken in Behrmanns Team. Behrmann sagt, sie habe "mit die besten Ausdauerwerte". Sie spielt im zentralen Mittelfeld und wird ihre Einsätze in London bekommen. Anders als im Fußball darf im Hockey munter durchgewechselt werden. Es gibt, auch anders als im Fußball, kein Abseits. Weswegen eine Hockeypartie eine äußerst rasante Angelegenheit ist. Kristina Hillmann werde zwar nicht in der Startformation stehen, aber so nach sieben, acht Minuten würde er sie das erste Mal bringen, sagt Behrmann.

Seine London-Mannschaft sei eine gute Mischung aus jüngeren Spielerinnen wie Hillmann und Routiniers wie Natascha Keller. "Taschi" wird sie in der Hockeyszene genannt, und die Szene kennt sie bestens. Keller (35) hat mehr als 400 Länderspiele. London sind schon ihre fünften Spiele. Früher hat sich Kristina Hillmann Autogramme von ihr geholt, heute schwärmt sie davon, wie uneitel und hilfsbereit die große Dame des Hockeysports sei. "Es ist eine Ehre, mit ihr zu spielen", sagt Kristina Hillmann, die man im Team "Krissi" nennt. In London müssen die deutschen Damen, neben den Hockey-Herren und den Volleyballern einzige deutsche Mannschaft, eine schwere Vorrunde überstehen: USA, Australien, Südafrika, Argentinien, Neuseeland sind die Kontrahenten. Nur die beiden Gruppenersten schaffen es ins Halbfinale.

Erst mal ins Halbfinale

Das ist das Ziel. Deutschland, derzeit Dritter in der Weltrangliste hinter den Niederlanden und Argentinien, hatte auch bei den letzten beiden Spielen den Sprung unter die besten Vier geschafft. 2004 kam am Ende der Triumph heraus, 2008 in Peking flossen am Ende Tränen. Deutschland landete auf Rang vier. Sich 2012 durchzusetzen, ist nicht leichter geworden. Deutsche Amateure müssen Profis aus Argentinien, Holland oder Großbritannien standhalten. Behrmann berichtet von den großen Anstrengungen, die die Gastgeber unternehmen, um den Traum vom Gold zu verwirklichen. Jeweils von Montag bis Mittwoch würden seit Monaten die Nationalspielerinnen zum gemeinsamen Üben nach London eingezogen. "Ich habe mal ausgerechnet, dass uns nur ein Drittel der englischen Trainingszeit zur Verfügung steht", sagt Behrmann.

Aber es soll trotzdem zum dritten Mal in Folge klappen mit dem Halbfinale. Zumindest ein gutes Omen gibt es dafür: Zum dritten Mal in Folge bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft der Damen in Bremen auf ein olympisches Turnier vor.

Feinschliff für Olympia

Die deutschen Hockeyspielerinnen bereiten sich mit einem Turnier beim Club zur Vahr auf London vor

Spielplan Hockey-Turnier

Donnerstag, 12. Juli

Belgien - Neuseeland 16.30

Deutschland - Südafrika18.45

Sonnabend, 14. Juli

Deutschland - Belgien14.00

Südafrika - Neuseeland16.30

Sonntag, 15. Juli

Belgien - Südafrika11.30

Deutschland - Neuseeland14.00

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