Sorge um Saisonstart in der DEL

Dünnes Eis für die Fischtown Pinguins

Kardinalpunkt Zuschauer: Die Fischtown Pinguins hoffen, warten, bangen – und setzen auf ihr Hygienekonzept. Geisterspiele seien keine Option, sagt der Team-Manager.
10.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Dünnes Eis für die Fischtown Pinguins
Von Olaf Dorow
Dünnes Eis für die Fischtown Pinguins

Aus der guten alten Zeit: In der Bremerhavener Eisarena verfolgen im Januar tausende Zuschauer, wie es für Pinguins von Trainer Thomas Popiesch läuft.

Hartmut Adelmann

Kleiner Urlaub gefällig? Das braucht man Alfred Prey nicht wirklich zu fragen, da könnte man auch gleich fragen: Kleiner Scherz gefällig? Für die Fischtown Pinguins soll der mehrfach verschobene Trainingsstart zwar erst Anfang Oktober erfolgen, und der Liga-Start erst Mitte November. Dass Prey, Team-Manager der Pinguins, gemeinsam mit Geschäftsführer Hauke Hasselbring und anderen Mitstreitern rund um den Eishockey-Klub aus der höchsten deutschen Liga namens DEL eine Saison vor der Saison hat, darf man sehr stark annehmen. In Zeiten wie diesen, in denen ein Virus sich anschickt, die Weltherrschaft zu übernehmen, braucht man erst recht nichts anderes anzunehmen.

Seit Wochen arbeiten Prey und Mitstreiter an einem Hygienekonzept. Es steht, um es salopp zu sagen: Spitz auf Knopf. Ende August hatten die mit Kanzlerin Merkel zusammengeschalteten Ministerpräsidenten beschlossen, dass Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind, bis zum Jahresende verboten bleiben. Bis Ende Oktober solle eine Arbeitsgruppe Lösungen für die zuschauerrelevanten höheren Sport-Ligen finden. Keine Zuschauer? Lösung kurz vorm Liga-Start? „Wir werden und können nicht ohne Zuschauer oder ohne finanzielle Hilfen in den Spielbetrieb gehen, und hierfür brauchen wir sechs bis acht Wochen Vorlauf“, zitiert die deutsche Presse-Agentur DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Alfred Prey sagt: „Eishockey kann nur existieren, wenn vor Zuschauern gespielt wird. Geisterspiele sind keine Option.“ Ja, sechs Wochen Vorlauf bräuchte der Klub, mindestens.

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Das Hygienekonzept, sagt Prey, würde stehen. Es sei eng abgestimmt worden mit dem sehr kooperativen Bremerhavener Gesundheitsamt, es sei immer wieder nachgebessert worden. Es sei gemeinsam mit einer Fachfirma entwickelt worden. Mit den Experten von der Erich Nonne GmbH aus Loxstedt, einem Dienstleister, der kleine und große und auch systemische Lösungen im Bereich Hygiene anbiete. In dem Pinguins-Konzept steht jetzt unter anderem, dass professionelle Desinfektoren zu den Spielen eingesetzt werden, dass pro Stunde 15 300 Kubikmeter Luft aus der Arena abgesaugt werden können und quasi eine Luft wie unter freiem Himmel geschaffen werde. Oder dass ein Gerät den CO2-Ausstoß aus den Kabinen messen werde. „Wir glauben, alles gemacht zu haben“, sagt Prey, „was notwendig ist, um Spiele vor Zuschauern zu ermöglichen.“

Vor maximal wie vielen Zuschauern? Die Bremerhavener Eisarena am Wilhelm-Kaisen-Platz hat Platz für rund 4400 Gäste, oft genug war sie in den vergangenen Jahren ausverkauft. Nein, sagt Prey, konkrete Zahlen könne er beim besten Willen nicht nennen. Kein Druck auf die Behörden, höchstes Augenmerk auf den Gesundheitsschutz, das dürfte der Subtext der zurückhaltenden Äußerung in puncto corona-bereinigter Zuschauerkapazitäten sein. „Für uns wäre gut“, sagt Prey vorsichtig, „wenn die Politik sich zeitnah äußert.“ Wenn die Politik die Bedeutung des Profisports sehen würde und man grünes Licht bekäme. Etwas weniger defensiv sagt er: „Wir können nicht sagen: Jungs, nächste Woche fangen wir an.“

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Könnte aber sein, dass sie es so den Jungs sagen müssen. Die Chefs der Senats- beziehungsweise Staatskanzleien würden im Auftrag der Ministerpräsidentenkonferenz einen Vorschlag erarbeiten, wie mit bundesweiten Sportveranstaltungen umzugehen sei, heißt es aus dem Senat. Dabei gehe es nicht nur um Fußball, sondern auch um Eishockey, Basketball und Handball. „Eine Einigung steht allerdings noch aus“, sagt Senatssprecher Chistain Dohle und verweist darauf, dass die drei Sportarten in der Halle stattfinden. Dies sei eine besondere Herausforderung bei der Ausarbeitung der Hygienekonzepte.

Auf die Schnelle geht derzeit wenig. Schnell, schneller, am schnellsten – das konnte nur das Motto vor Corona sein. Früher als die zahlungskräftigere Konkurrenz hätte man in Bremerhaven die Transfers neuer Spieler eingefädelt, so wird es seit Jahren in Bremerhaven geschildert. Wenn erst die zahlungskräftige Konkurrenz auf dem Spielerbasar erscheine, habe man kaum Chancen. Für die Saison 2020/2021 sei der Kader längst komplett, abzüglich eines noch gesuchten Verteidigers. Aber das habe noch Zeit, sagt Prey.

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Was die neuen Spieler anbelangt, sei es derzeit so: Spieler, die aus Nordamerika zum Trainingsstart nach Bremerhaven anreisen, müssen zunächst mal in Amerika einen Covid-19-Test machen. Ist der negativ, dürfen sie fliegen. Angekommen an der Nordsee: ein Covid-19-Test. Anschließend: sechs Tage Quarantäne. Danach: ein Covid-19-Test. Und erst, wenn auch dieser ein negatives Ergebnis aufweise, könne es zum Training in die Eisarena gehen. Und wer zahlt die ganzen Tests? „Na ja“, sagt Alfred Prey, „wir.“

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Zur Sache

Wahrscheinlich ohne Absteiger

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) erwägt, die wieder eingeführte Abstiegsregelung in der kommenden Saison auszusetzen. Demnach könnte es in der Spielzeit 2020/21 sein, dass keine Mannschaft ab-, der Meister der zweiten Liga aber aufsteigt. Einen Beschluss dazu bestätigte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke allerdings noch nicht. „Wir haben Verträge. Wir werden sowohl intern als auch mit unseren Partnern diese Thematik im Rahmen der bestehenden Verträge beizeiten besprechen“, sagte Tripcke. Zuvor hatte die „Eishockey News“ über die Pläne berichtet. Aufgrund der corona-bedingten Unwägbarkeiten inklusive möglicher wettbewerbsverzerrender Quarantäne-Ausfälle oder verschiedner Behördenauflagen scheint ein Verzicht beziehungsweise eine Verschiebung der Abstiegsregelung wahrscheinlich

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