Play-off-Viertelfinale Fischtown Pinguins treffen auf den Topfavoriten

Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven bekommen es im Play-off-Viertelfinale der DEL nicht nur mit dem amtierenden Meister, sondern auch mit dem großen Favoriten der aktuellen Saison zu tun: dem EHC Red Bull München.
06.03.2017, 20:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Bernhard

Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven bekommen es im Play-off-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht nur mit dem amtierenden Meister, sondern auch mit dem großen Favoriten der aktuellen Saison zu tun: dem EHC Red Bull München.

Schon zu Beginn der Hauptrunde im September hatten sieben der 13 gegnerischen DEL-Trainer bei der Meister-Frage auf die Münchner getippt, der zweite Hauptrunden-Sieg in Serie bestätigte die Ambitionen des EHC. „Ihr Kader spricht für sich“, sagt Straubings Coach Larry Mitchell, Bremerhavens Manager Alfred Prey findet, München sei „zur Macht gereift“.

Noch vor wenigen Jahren wäre solch eine Aussage undenkbar gewesen. Im Frühling 2012 stand der EHC München vor dem Aus, Manager Christian Winkler, der diesen Posten auch heute noch innehat, betonte damals: „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern zehn nach.“ Nur der Last-Minute-Einstieg des österreichischen Getränkeriesen Red Bull bewahrte ihn vor der Insolvenz.

Ein Jahr später übernahm Red Bull den Verein komplett – seitdem geht es bergauf. Mit einem geschätzten Etat von 12,5 Millionen Euro ist der EHC auch in dieser Saison der Etat-Krösus der Liga. Zum Vergleich: Jener von Bremerhaven ist mit 3,5 Millionen Euro der kleinste der DEL. Der Anspruch der Münchner ist dementsprechend hoch. „Wir spielen das Spiel, um Meistertitel zu gewinnen. Das ist unser Ziel“, sagt Verteidiger Deron Quint.

Die Stärke der Münchener

Münchens große Stärke ist die Tiefe und Ausgeglichenheit im Kader. Spieler wie Keith Aucoin, der die Hauptrunde mit 49 Scorerpunkten (15 Tore, 34 Vorlagen) auf Platz drei der Scorerliste beendete, der ehemalige deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf, Konrad Abeltshauser, der zum besten Verteidiger des Jahres gewählt wurde, oder Nationalspieler Dominik Kahun zählen zu den besten Akteuren der Liga.

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Mit Steve Pinizzotto, der derzeit verletzt ist, haben die Bayern zudem einen der schillerndsten und härtesten DEL-Akteure im Kader. Viele der EHC-Spieler verfügen über große Erfahrung, einige haben die 30-Jahre-Grenze deutlich überschritten und wissen, wie man Meisterschaften gewinnt.

Die meiste Erfahrung weist allerdings ohne Zweifel der Mann hinter der Bande vor: Trainer Don Jackson. Der 60-jährige US-Amerikaner hat mit den Eisbären Berlin fünf DEL-Meistertitel als Cheftrainer gewonnen, im vergangenen Jahr fügte er seiner beeindruckenden Trophäensammlung in München Titel Nummer sechs hinzu. Damit ist er der erfolgreichste Trainer der DEL-Geschichte. Jackson, der in den 80er-Jahren an der Seite von Wayne Gretzky, der als bester Eishockeyspieler aller Zeiten gilt, zweimal den Stanley-Cup in der nordamerikanischen Eliteliga NHL gewonnen hat, kennt den Sport wie kaum ein anderer in Deutschland.

Trainer verliert "selten die Fassung"

Jackson wisse „genau, was er zu tun hat“, sagt Kapitän Michael Wolf. Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes erklärt, Jackson habe „ein Händchen für die Spieler“. Mit seiner ruhigen Art genießt der US-Amerikaner großen Respekt bei seinen Spielern. „Du merkst: Wenn du das machst, was er von dir verlangt, wirst du Erfolg haben“, sagt Stürmer Frank Mauer, dem imponiert, dass der Trainer „selten die Fassung“ verliere.

Deron Quint, der schon in Berlin mehrere Jahre unter Jackson gespielt hat, sagt, ihm gefalle, was in München aufgebaut werde. Es erinnere ihn daran, „wie es damals in Berlin war, als wir die vielen Titel geholt haben. Ich denke, das Gleiche kann in München passieren.“ Die finanziellen Möglichkeiten sind top – und Red Bull hat noch lange nicht genug. Seit Monaten laufen Verhandlungen mit der Stadt und dem FC Bayern München, eine neue Sport-Halle soll im Olympiapark errichtet werden. Bauherr wäre Red Bull, die Basketball-Abteilung des FCB ist als Untermieter im Gespräch.

Die Hallenbau-Verhandlungen finden auf höchster Ebene zwischen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz statt. Sein Münchner Eishockey-Personal arbeitet derweil an den nächsten Erfolgen. Die dritte Qualifikation in Serie für die Champions Hockey League ist durch den Hauptrunden-Sieg bereits in trockenen Tüchern, jetzt soll Meister-Titel Nummer zwei folgen.

Prey und Popiesch optimistisch

Die Fischtown Pinguins gehen zwar als großer Außenseiter in die an diesem Dienstag (19.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel beginnende Best-of-seven-Serie gegen den Hauptrundensieger EHC Red Bull München. Dennoch sagt Bremerhavens Manager Alfred Prey vor dem Duell: „Zu null werden wir die Serie jedenfalls nicht verlieren.“

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Sein Team nutzte schon in den Pre-Play-offs gegen Ex-Meister ERC Ingolstadt überraschend die Außenseiterrolle und zog als erster Aufsteiger überhaupt in der DEL-Historie in ein Play-off-Viertelfinale ein. „Wir haben gesehen, dass wir mithalten können“, sagt Pinguins-Coach Thomas Popiesch.

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