Floorball

Bremerinnen träumen von WM-Teilnahme

Zwei junge Spielerinnen des TV Eiche Horn hoffen auf einen Platz im neugebildeten deutschen Nationalteam. Julia Noel darf im September zum nächsten Lehrgang, Ann-Kathrin Eikhorst muss sich noch gedulden.
03.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Rainer Jüttner
Bremerinnen träumen von WM-Teilnahme

Die Floorball-Frauen des TV Eiche Horn mit Ann-Kathrin Eikhorst und Julia Noel wurden 2020 Meister auf dem Klein- und dem Großfeld.

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Julia Noel bleibt lieber auf dem Boden. Und das, obwohl sie bei ihrer dualen Ausbildung dem Himmel doch eigentlich so nahe ist. An der Hochschule Bremen studiert sie Maschinenbau und bei Airbus wird sie parallel zur Fluggerätemechanikerin ausgebildet. „Dabei ist Fliegen eigentlich nicht so mein Ding, mich interessieren vielmehr die Flugzeuge“, sagt die 21-Jährige. Hoch hinaus will sie dennoch – allerdings auf sportlicher Ebene. Gemeinsam mit ihrer Vereinskollegin Ann-Kathrin Eikhorst vom TV Eiche Horn war die Floorballerin kürzlich beim Trainingslager der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Das große Ziel der beiden ist die Weltmeisterschaft im September 2021 in Schweden. Die erste Etappe ist die WM-Qualifikation im Februar 2021.

Zumindest für Noel ist dieses Ziel in Reichweite geblieben. Sie wird auf jeden Fall auch zum nächsten Nationalmannschafts-Lehrgang im September eine Einladung erhalten. Ann-Kathrin Eikhorst muss sich dagegen noch gedulden. Der Sprung ins Team zur WM-Qualifikation ist nicht geglückt. Sie darf aber hoffen, nach der WM-Quali eventuell doch noch den Weg in die Nationalmannschaft zu finden.

Talentiert, ambitioniert und selbstkritisch: Ann-Kathrin Eikhorst (links) und Julia Noel vom TV Eiche Horn.

Talentiert, ambitioniert und selbstkritisch: Ann-Kathrin Eikhorst (links) und Julia Noel vom TV Eiche Horn.

Foto: Privat

Auf dem Weg dorthin hatte Floorball Deutschland, der nationale Dachverband, mit einer Kampagne Anwärterinnen für die neu zu formierende Frauen-Nationalmannschaft geworben. Julia Noel war diesem Aufruf gefolgt und stellte sich in Berlin den etwa 60 weiteren Teilnehmerinnen, von denen am Ende 20 in die Mannschaft kommen werden. Für die Hornerin war dies nicht der erste Kontakt mit den deutschen Auswahlteams. „Vor Jahren hatte ich schon mal an einem Trainingslager der U 19 teilgenommen, schaffte damals aber nicht den Sprung“, sagt Noel. Diesmal stehen die Chancen für sie deutlich besser, doch der Reihe nach.

Über eine Schul-AG an der Grundschule Borgfelder Saatland kam sie vor rund 14 Jahren zum Floorball, der damals noch Unihockey hieß. Über den TSV Borgfeld folgte der nächste Schritt zum TV Eiche Horn, bei dem sie in der Saison 2013/14 erstmals auflief. Damals übrigens noch als Verteidigerin. Mittlerweile zieht sie als Centerin die Fäden im Spiel und wird diese Position auch in der Nationalmannschaft besetzen.

Diese Hoffnung wurde durch die gute Vorstellung beim jüngsten Trainingslager der Nationalmannschaft kräftig genährt. „Das erste Feedback der Trainer war sehr positiv. In Sachen Spielverständnis und Übersicht habe ich meine Stärken“, sagt sie. Arbeiten muss die Bremerin aber noch daran, in Drucksituationen schnelle individuelle Entscheidungen zu treffen. Chefcoach Simon Brechbühler und sein Co-Trainer Andreas Kappler gaben der Spielerin entsprechende Tipps: „Ich muss technisch flexibler werden, daran soll ich verstärkt arbeiten“, sagt Julia Noel. Möglichkeiten dazu hat sie eigentlich genug, denn die 21-Jährige verbringt normalerweise reichlich Zeit beim Training.

Aktuell spielt Julie Noel nicht nur im Damenteam, sondern auch und vor allem in der Horner U 21, einer gemischten Mannschaft, die in einer Herrenliga startet. Einen entscheidenden Entwicklungsschritt verspricht sich Noel dadurch, dass sie gemeinsam mit Ann-Kathrin Eikhorst auch bei den Zweitliga-Männern von Eiche mittrainieren darf. Julia Noel freut sich schon auf das nächste Trainingslager der Nationalmannschaft am ersten September-Wochenende. „Bis dahin werde ich an meinen Defiziten arbeiten und hoffe, dass ich weiter dabei bleiben kann. Einschätzen kann ich bis jetzt noch nicht, ob ich es auch ins WM-Quali-Team schaffen kann. Ich gebe alles, aber noch sind wir insgesamt 47 Spielerinnen. Mal schauen, wie es weiter geht.“

Weiter geht es natürlich auch für Ann-Kathrin Eikhorst, auch wenn die 20-Jährige vorerst keine weitere Einladung erhält. „Es wäre natürlich schön gewesen, aber ich bin ja noch jung. Von allen Teilnehmerinnen war ich die mit der wenigsten Erfahrung. Alle anderen sind bereits wesentlich länger dabei“, sagt die Jura-Studentin, die erst seit etwa viereinhalb Jahren Floorball spielt. Ihre sportlichen Wurzeln hat sie beim Bremer Hockey-Club. Nach sieben Jahren Hockey wollte Ann-Kathrin Eikhorst mal etwas anderes ausprobieren. „Meine zwei Jahre jüngere Schwester Patricia hat mich einfach mal mitgeschleppt, und ich bin dabei geblieben“, sagt die Hornerin.

Ann-Kathrin Eikhorst setzt auf die Zeit und darauf, dass sie sich ständig weiter verbessern wird. Bereits im Trainingslager hat sie von den Tipps der Trainer und den Erfahrungen ihrer Mitspielerinnen profitiert. „Im Nachbarzimmer waren zum Beispiel Kolleginnen, die bereits in der Schweiz, einer der Top-Nationen im Floorball, spielen. Da guckt man sich schon was ab“, sagt die Studentin. Trainiert wurde während der drei Tage in Berlin in den drei Bereichen Fitness, Technik und Taktik. Zweikämpfe gab es coronabedingt selbstverständlich nicht. „Alles lief ohne Körpereinsatz, was aber auf jeden Fall deutlich besser war als die rein visuellen Lehrgänge“, sagt Eikhorst.

Am Ende stand für sie ein Feedbackgespräch mit Assistenztrainerin Fabienne Riner an. „Meine Defizite liegen in der Beweglichkeit und im Tempo. Ja, ich bin nicht die Schnellste“, räumt sie freimütig ein. Auf der anderen Seite steht ihre ganz besondere Stärke – die Schüsse. Nicht umsonst wurde die 20-Jährige im Großfeld-Team des TV Eiche Horn auf dem Weg zur Meisterschaft zur Topscorerin. „Ich habe insgesamt 17 Punkte erzielt, davon elf durch Tore und sechs durch Vorlagen“, sagt sie. Julia Noel liegt mit 14 Punkten übrigens auf dem zweiten Platz. Sie hat drei Tore geschossen und elf Vorlagen gegeben.

Chefcoach Simon Brechbühler lobte bei Ann-Kathrin Eikhorst vor allem „die Ruhe, die sie ausstrahlt“. Für die Bremerin auf jeden Fall Grund genug, weiter an ihre Chance zu glauben. Sie bleibt erst einmal auf der erweiterten Liste. Damit besteht weiter die Hoffnung, dass sie nach der WM-Qualifikation doch noch zum Team stoßen könnte. „Ich soll aber auf jeden Fall weiter auf mich aufmerksam machen, frech sein und mich aufdrängen, zum Beispiel, indem ich dem Trainerteam kleine Filmchen von meinen Fortschritten zukommen lasse“, sagt Eikhorst. Und mit ein bisschen Glück klappt es vielleicht doch noch mit dem großen Traum vom WM-Turnier.

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