Vereinswechsel der Torfrau Chantal Bausch

„Früher war der BHC ein richtiger Dorf-Verein“

Torfrau Chantal Bausch über den Wechsel vom Club zur Vahr zum Bremer HC, eine mögliche Fusion zwischen beiden Klubs und Gin Tonic nach dem Spiel.
05.12.2019, 06:04
Lesedauer: 4 Min
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„Früher war der BHC ein richtiger Dorf-Verein“
Von Mathias Sonnenberg
„Früher war der BHC ein richtiger Dorf-Verein“

Chantal Bausch steht seit Sommer 2018 beim Bremer HC im Tor der ersten Hockey-Mannschaft.

Christina Kuhaupt

Frau Bausch, am Freitag geht es gegen Ihren alten Verein. Wie viele SMS haben Sie in den vergangenen Tagen von Ihren ehemaligen Mitspielerinnen beim Club zur Vahr bekommen?

Chantal Bausch: Ach, das war harmlos. Ich habe vor zwei Wochen dort vorbeigeschaut bei einem Spiel und mich verabschiedet mit den Worten, dass wir uns beim Derby sehen. Seitdem habe ich nichts mehr gehört.

Sie sind im Sommer 2018 als Torfrau vom Club zur Vahr zum Bremer HC gewechselt. Ihr damaliger Trainer Nico Stankewitz hat Ihnen nicht gerade Blumen mit auf den Weg gegeben.

Und auch keine Pralinen. Ich möchte das jetzt nicht so hoch hängen. Aber ich war 20 Jahre in dem Verein, sehr involviert in strukturelle Vorgänge, war sogar im Vorstand. Da war ich schon etwas traurig über die Aussage. Aber wir haben darüber gesprochen, er meinte, das wäre nicht provokant oder persönlich gemeint gewesen.

Er sagte, dass er es traurig finde, dass Sie lieber in Bundesliga auf der Bank sitzen wollen, statt in der zweiten Liga zu spielen, und Ihr Wechsel kein sportlicher Verlust sei.

Ja, aber wir haben uns ausgesprochen. Ich bin kein nachtragender Mensch. Wir haben uns seitdem ja etliche Male gesehen, unser Umgang miteinander ist völlig normal.

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Hat sich Ihr Wechsel vom Club zur Vahr zum Rivalen Bremer HC denn sportlich ausgezahlt?

Ja, absolut. Für meine persönliche Entwicklung war das total gut. Ich bin ja mit 26 fast schon eine Hockey-Oma und wollte einfach noch mal was Neues erleben. Den Drang hatte ich immer schon, neue Strukturen und Menschen kennenzulernen. Ich musste beim Club zur Vahr mal raus, ohne dass dort was passiert war. Ich habe mich dort immer sehr wohlgefühlt, das ist heute auch noch so.

Und sportlich?

War das auch die richtige Entscheidung. Unter Martin Schultze ist es ein professionelleres Training, das Niveau ist höher, das macht richtig Spaß. Ich kam auch in der ersten Liga zum Einsatz, da bin ich dankbar, dass Martin sein Versprechen gehalten hat. So hatte er mich ja auch zum Wechsel überredet. Das ist sehr vertrauensvoll. Ich wurde so herzlich begrüßt, ich habe mich von Anfang an sehr willkommen gefühlt. Da war ich mir nicht so sicher.

Warum nicht?

Es war ja schon ein brisanter Wechsel, ich habe lange, lange überlegt, ob ich das machen soll. Da musste meine Familie schon drunter leiden.

Wie viele Spielerinnen aus Ihrer alten Mannschaft treffen Sie am Freitag wieder?

Etliche, ich glaube, es sind nur drei Spielerinnen, mit denen ich nicht in einer Mannschaft war. Ich bin dort ja auch noch oft. Neulich habe ich auf der Tribüne gesessen und gedacht, dass ich nur nicht mitspiele, weil ich verletzt bin. Da habe ich gemerkt, dass ich noch immer sehr mit dem Verein verbunden bin.

Jetzt ist es das erste Spiel gegen Ihren Ex-Klub.

Ja, das wird emotional, ich bin gespannt. Derbys sind ja sowieso immer das Größte. Normalerweise spielen wir immer vor 20 Zuschauern, das wird am Freitag ja bestimmt anders sein. Das ist cool für uns, mal in so einer Atmosphäre zu spielen.

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Was denkt man denn beim Club zur Vahr eigentlich über den Bremer HC?

Die roten Teufel! Also, als ich mit Hockey angefangen habe beim Club zur Vahr, da war der Bremer HC ein richtiger Dorf-Verein. Ich habe unfassbaren Respekt davor, was dort auf die Beine gestellt wurde. Früher haben wir meist zweistellig gewonnen, dann wurde es langsam ein ernst zu nehmender Konkurrent – und plötzlich hatte der BHC die Oberhand. Aber da war nie Hass oder so was im Spiel, das ist nicht mein Naturell.

Bremen ist ja nicht unbedingt eine echte Sport-Stadt. Nur beim Hockey läuft es seit Jahren gut. Woran liegt das?

Gute Frage, ich bin in meiner Familie die Einzige, die Hockey spielt. Aber wir sind damals in die Nähe vom Club zur Vahr gezogen, deshalb bin ich dort in den Verein gegangen. Und meine Eltern waren froh, dass ich sportlich ausgelastet war. Wir haben jetzt mit dem Bremer HC und Club zur Vahr zwei gute Hockey-Teams, aber im Vergleich zu Hamburg etwa ist das ja nichts. Dort gibt es vier, fünf richtig gute Vereine.

Warum bilden der Bremer HC und der Club zur Vahr nicht ein gemeinsames Team, das dann in der Bundesliga eventuell sogar mal in den oberen Tabellenregionen mitspielen könnte?

Da habe ich auch schon drüber nachgedacht, vielleicht ist die Konkurrenz der Vereine aber doch zu groß, die Strukturen zu unterschiedlich. Und grüner Rock, rotes Trikot, hmmm, farblich würde das nicht so passen. Aber sportlich wäre das interessant. Und menschlich auch, wir hätten eine lustige Truppe, die wäre auch am Tresen ausdauernd.

Wie wichtig wäre Ihnen ein Sieg über Ihren alten Verein?

Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber der wäre schon wichtig. Wir haben uns fest vorgenommen, oben an der Spitze zu bleiben. Wir sind der Favorit und ich hoffe, dass wir das zeigen können.

Und was machen Sie nach dem Spiel? Setzen Sie sich mit einer Flasche Bier in die Kabine vom Club zur Vahr?

Oft duschen beide Mannschaften sogar in der gleichen Kabine, da müsste ich nicht mal groß wechseln. Aber ich weiß, dass eine Spielerin vom Club zur Vahr am Freitag Geburtstag hat, da wird sich schon was ergeben.

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Und was trinken Hockeyspielerinnen nach einem Match? Sekt oder Champagner?

Nee, so etepetete sind wir wirklich nicht. Da gibt es Bier oder Gin Tonic und auch mal Rotwein mit Cola. Ich muss mich da mit meiner Gesundheitsgeschichte zurückhalten, aber ich beobachte auch gerne.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg.

Info

Zur Person

Chantal Bausch

steht nach 20 Jahren beim Club zur Vahr seit Sommer 2018 im Hockey-Tor des Bremer HC, dem großen Rivalen. Die 26-Jährige lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr mit einem Spenderherz und schreibt gerade in Berlin ihre Masterarbeit in einem Wirtschaftsunternehmen, das Kunstherzen herstellt. Mit dem BHC will sie in der Halle und auf dem Feld wieder in die Bundesliga aufsteigen.

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Zur Sache

Gastgeber rechnen mit mehr als 200 Zuschauern

Hockey an einem Freitagabend hat sich BHC-­Trainer Martin Schultze in Hamburg abgeschaut. „Dort gibt es diese Termine regelmäßig, weil dann auch mehr Zuschauer kommen. Und nach dem Abpfiff kann man noch ein bisschen feiern.“ Um 20 Uhr wird das Derby zwischen dem Bremer HC und Club zur Vahr in der Regionalliga angepfiffen (BHC-Halle, Heinrich-Baden-Weg 25). Schultze hat nur ein Ziel: „Wir wollen gewinnen. Unser Saisonziel lautete, vor dem Club zur Vahr zu laden. Also müssen wir beide Derbys gewinnen. Alles andere wäre eine Katastrophe.“ Vor zwei Jahren siegte der BHC in beiden Spielen 8:2. CzV-Coach Nico Stankewitz sagt: „Wir sind etwas näher an den BHC herangerückt, aber die sind natürlich Favorit.“ Personell haben beide Trainer keine Probleme. Der BHC rechnet mit mehr als 200 Zuschauern.

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