DM der Formationen

Für Grün-Gold zählt nur Gold

Während das A-Team des Bremer Grün-Gold-Clubs unter Druck steht und um die WM-Teilnahme in eigener Halle tanzt, geht das B-Team mit viel Vorfreude in die Deutsche Meisterschaft der Lateinformationen.
07.11.2019, 21:58
Lesedauer: 4 Min
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Für Grün-Gold zählt nur Gold
Von Frank Büter

Eine Weltmeisterschaft in Bremen ohne den Gastgeber und amtierenden Titelträger? Dieses Szenario droht dem Grün-Gold-Club Bremen, der am 7. Dezember in der ÖVB-Arena die Weltmeisterschaft der Lateinformationen ausrichtet. Das Bremer A-Team, immerhin neunfacher Weltmeister, ist bisher nicht qualifiziert. In der Bundesliga hatte der Abonnementsmeister der Vorjahre dem TSZ Velbert nach fünf Turnieren den Vortritt lassen müssen. Die erste Chance, sich das WM-Ticket zu sichern, war damit vertan. Eine zweite gibt es nun an diesem Sonnabend, wenn in der Sporthalle Hamburg die Deutsche Meisterschaft der Formationen ausgetragen wird. Der Sieger startet bei der WM – und für den Fall, dass der Sieger auch hier Velbert heißt, ist auch der Zweitplatzierte dabei.

Das erfolgsverwöhnte A-Team des Grün-Gold-Clubs steht also unter einem immensen Druck. Für Trainer Roberto Albanese zählt in Hamburg nur der Titelgewinn. Es wäre der 13. Triumph in Folge und der 15. insgesamt. „Wir wollen den Titel, das ist unser Anspruch“, sagt Albanese. Als Lokalmatador womöglich die WM vor heimischen Publikum zu verpassen, mit diesem Thema habe er sich nicht beschäftigt. „Ich habe keine Zweifel“, sagt Albanese.

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Im Frühjahr hatte das noch anders ausgesehen. Nachdem die Bremer Formation international zwar gefeiert, national mitunter aber sogar mit Pfiffen bedacht worden war, entschieden sich die Verantwortlichen zu einer Kurskorrektur. Die vermeintliche Erfolgschoreographie „This is me“, mit der Grün-Gold im vergangenen Dezember im chinesischen Shenzhen zu Gold getanzt war, wurde nach nicht einmal einem Jahr wieder eingemottet. „Wir haben die Musik nicht so verkörpert wie in den Jahren zuvor“, sagt Roberto Albanese. Die Formation sei nicht so überzeugend aufgetreten und dafür abgestraft worden, sagt er auch. Grund genug für den Erfolgscoach, eine neue Choreographie zu entwickeln. Sehr musikalisch sollte diese Choreographie sein, unterhaltend noch dazu. Und vom tänzerischen Ablauf und dem Schwierigkeitsgrad her natürlich in der Weltspitze angesiedelt.

„Jeder weiß, worum es geht“

Auf die Umsetzung darf man jetzt gespannt sein. Nach trainingsreichen Monaten steht für die A-Formation bei der Wettkampfpremiere in Hamburg die Nagelprobe an. „Jeder weiß, worum es geht“, sagt Albanese. Mit zehn Paaren hatte er im April das Training aufgenommen, inzwischen stehen die 16 Tänzer und Tänzerinnen fest, die das drohende Desaster abwenden sollen. „Wir sind perfekt vorbereitet und werden unser Maximum abrufen“, sagt der Trainer. Dreimal hatte das A-Team zuletzt die Gelegenheit, die neue Choreographie vor Publikum zu tanzen, trat bei Galaveranstaltungen in Magdeburg und Baden-Baden sowie bei der inoffiziellen Generalprobe in der Turnhalle Delfter Straße in Bremen auf. Albanese war mit dem Dargebotenen sehr zufrieden. „Wir sind auf einem richtig guten Weg.“ Auch Jens Steinmann, der Klubpräsident, hat ein gutes Gefühl. Bei der Generalprobe habe die Tribüne gewippt, das sei ein gutes Zeichen gewesen: „Wir werden Deutscher Meister.“

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Deutlich kleinere Ziele hat sich derweil das B-Team des Grün-Gold-Clubs gesetzt. Im Frühjahr ist die zweite Bremer Formation als Vizemeister der Zweiten Liga wieder in die Bundesliga zurückgekehrt und gehört deshalb nun auch zum Feld der acht Teams, die den Deutschen Meister unter sich ausmachen. Die Titelkämpfe sind mit Blick auf die Ligaturniere eine erste wichtige Standortbestimmung für die neu formierte und sehr junge Mannschaft von Trainer Angelo Adler. „Als Newcomer müssen wir uns sicherlich erstmal hinten anstellen“, sagt der Coach. Er sagt aber auch: „Wir haben nichts zu verlieren und werden uns nicht verstecken.“

Adler hat das Erreichen der Zwischenrunde als Ziel ausgerufen. Er weiß: „Wirst du bei der Deutschen Letzter, hast du auch ein Problem in der Liga.“ Um die Zwischenrunde zu erreichen, muss das B-Team in der Vorrunde zumindest zwei Formationen hinter sich lassen. Als Konkurrenten hat er Mitaufsteiger TSC Walsrode sowie die FG Aachen/Düsseldorf und die TSG Backnang ausgemacht; das Bremer A-Team, Velbert, die TSG Bremerhaven und Turniergastgeber Blau-Weiß Buchholz erwartet er im Finale der besten Vier. „Mal schauen, wo wir stehen“, sagt der Bremer Coach, der nach dem Aufstieg weiter auf die bewährte Choreographie „Noises, Voices, Melodies“ setzt. Im Vergleich zur Vorsaison sei sein Team noch stabiler, noch synchroner geworden. „Wir sind bestens vorbereitet“, sagt Angelo Adler und ergänzt voller Vorfreude: „Diese Deutsche Meisterschaft wird so spannend wie lange nicht – oben wie unten.“

Info

Zur Sache

So wird bei der Deutschen Meisterschaft im Formationstanzen gewertet

Insgesamt zwölf Wertungsrichter – sechs an der Fläche, sechs auf dem Tribünenrang – sind bei der Deutschen Meisterschaft im Einsatz und beurteilen die Darbietungen der einzelnen Formationen. Jeder Wertungsrichter kümmert sich dabei um zwei der insgesamt vier definierten Wertungsgebiete. Welche zwei Gebiete ein Wertungsrichter zu beurteilen hat, wird vor der Vor-, Zwischen- und Finalrunde jeweils neu ausgelost.

In den vier gleichwertigen Wertungsgebieten werden jeweils bis zu zehn Punkte vergeben (Mittelwert), die Summe der Punkte je Mannschaft (maximal 40) entscheidet dann über die Platzierung. Bei den einzelnen Kategorien handelt es sich um die Musik (Takt, Rhythmus, Musikalität), die tänzerische Leistung (Balancen, Bewegungsablauf), die Ausführung der Choreographie (Präzision der Linienführung in den Bildern und deren Entstehung, Abstände zwischen den Paaren, Flächenaufteilung und Flächenausnutzung) sowie die Durchgängigkeit und Charakteristik der Choreographie (Gleichmaß der Bewegungsabläufe in tänzerischer Geschlossenheit, gestalterische Umsetzung der charakteristischen musikalischen und choreographischen Vorgabe).

Nicht bewertet werden Ein- und Ausmarsch der Formationen, Aufmachung und physisches Erscheinungsbild der Tänzer, Qualität der Musikwiedergabe oder eine eventuelle Aussage der Choreographie. Die einzelnen Wertungsrichter kommen aus zwölf der insgesamt 16 Landesverbände und wurden vorab im Losverfahren ermittelt. Der Landestanzsportverband Bremen wird bei der Deutschen Meisterschaft durch Wertungsrichter Jörg Frebe (Gold und Silber Bremen) vertreten.

Weitere Informationen

Die Vorrunde der Deutschen Meisterschaft der Lateinformationen in der Sporthalle Hamburg (Alsterdorfer Sporthalle) beginnt am Sonnabend um 15.30 Uhr. Die Zwischenrunde wird ab 20.45 Uhr, das Finale ab 23 Uhr ausgetragen.

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