One-Nation-Cup Fußball als Mittel gegen Vorurteile

Bremen. Der One Nation Cup, das internationale U15-Fußballfestival in der Pauliner Marsch, ist am Montagabend im Rathaus eröffnet worden. Für die israelische Mannschaft laufen jüdische, muslimische und christliche Spielerinnen auf.
31.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von York Schaefer

Bremen. Für so manches Team beim am Montag im Bremer Rathaus eröffneten One Nation Cup, dem internationalen U15-Fußballfestival in der Pauliner Marsch, dürfte die Begegnung mit anderen Kulturen nicht der Normalfall sein. Schließlich kann man nicht ständig für internationale Turniere um die halbe Welt reisen.

Die jüdischen, muslimischen und christlichen Spielerinnen, die von der Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) Mifalot in Tel Aviv für ein "Peaceteam" zur Reise nach Bremen ausgewählt wurden, sind zwar alle Israelinnen, trotzdem ist der Kontakt mit den anderen Bevölkerungsgruppen auch hier nur wenig vorhanden. So zeigen sich die kleinen, alltäglichen Risse in einem vom Konflikt mit den Palästinensern gespaltenen Land.

Entsprechend beherrschen Vorurteile das Leben auch der Jugendlichen, die das Bildungs- und Sozialprojekt Mifalot mit Hilfe des Fußballs aufbrechen will. Die 15- jährige Yara Yaoub zum Beispiel, eine zierliche junge Frau mit langen schwarzen Haaren, kommt aus Jish, einer christlich-palästinensischen Enklave im Norden Israels nahe der Grenze zum Libanon. "Man sollte so nicht denken - zum Beispiel, dass die Juden Snobs sind -, aber leider ist das weit verbreitet", sagt die Fußballerin freimütig und in geschliffenem Englisch.

Unterschiedliche Lebenswelten

Neben Yara fläzt sich hier in der Lobby des Atlantic Hotel an der Bremer Galopprennbahn etwas gelangweilt die 13-jährige Sandra Begirov in einem der bunten Sessel. Wie Yara spielt das Mädchen aus dem etwa eine Autostunde von Jish entfernten jüdischen Ort Hesekiel seit sieben Jahren Fußball. Die Lebenswelten der jüdischen Israelin mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion und der palästinensisch-christlichen Israelin aber liegen weit auseinander. Sandra war überrascht, dass bei der ersten Begegnung mit den anderen Mifalot-Mädchen gemischte Teams aus Christinnen, Jüdinnen und Muslima gebildet wurden und sie nicht gegeneinander gespielt haben.

Erst vor drei Wochen haben sich die beiden Mädchen kennengelernt und sich gleich gut verstanden. Gesprochen wird Hebräisch, "aber eigentlich ist der Fußball die internationale Sprache", sagt Reut Friedman, Community Managerin bei Mifalot. Eine inzwischen geläufiges Sprachbild vieler Fußball-NGO's, das auch von ihrem Chef Avraham Burg stammen könnte, dem Vorsitzenden der 1996 als gemeinnütziges Projekt von Israels Topclub Hapoel Tel Aviv gegründeten Organisation. Burg, ehemals Sprecher der israelischen Knesset, vergleicht das Fußballfeld gern mit einem System aus Werten wie Zusammenhalt, Hingabe und Investition in die Zukunft.

Bei all den hehren Zielen über den Fußball als Integrationsmotor geht es aber auch den Mifalot-Spielerinnen darum, besser als die Anderen zu sein. Gemeinsame Trainingseinheiten des insgesamt neunköpfigen Peaceteams gab es zwar nur zwei, und die groß gewachsenen Niederländerinnen im selben Hotel flößen etwas Respekt ein. Aber trotzdem: "Wir wollen gewinnen", sagt Yara selbstbewusst.

Bei Mifalot werden jährlich etwa 20000 Jugendliche aus Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten unterstützt, die oft aus sozial benachteiligten Familien oder isolierten Gemeinden kommen. Auch neu angekommene Einwanderer, zum Beispiel aus Osteuropa wie ehemals Sandras Familie, werden gefördert. Sandra ist über ihre Brüder zum Fußball gekommen, auch heute noch spielt das kräftige Mädchen bei Jungen-Turnieren mit.

Ghadi Suliman, arabischer Trainer des Teams aus Jish, berichtet, dass die anfängliche Skepsis der arabischen Eltern über Fußball spielende Mädchen durch vertrauensvolle Gespräche gelöst werden konnte. Vor wenigen Jahren startete er dort mit sechs Mädchen, inzwischen sind es 40. Für Shahar Kima, Projektkoordinator bei Mifalot, ist der Fußball zur kulturellen Verständigung auch eine Botschaft an die Führer der Welt. "Es geht nicht nur darum, zusammen leben zu können, sondern auch darum, sich zusammen freuen zu können", sagt er. Eigentlich sollte das der Normalfall sein.

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