Fußball-Bundesliga Frauen

Werder und die kleinen Schritte

Dritte Niederlage und Tabellenschlusslicht: Das 1:3 gegen Essen zeigt, was dem Bundesliganeuling Werder Bremen noch fehlt.
28.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder und die kleinen Schritte
Von Frank Büter
Werder und die kleinen Schritte

Erstes Bundesligator für Werder: Jasmin Sehan traf zum zwischenzeitlichen 1:2 und ließ ihre Farben noch einmal hoffen.

Oliver Baumgart/hansepixx

Bremen. Drei Spiele, drei Niederlagen bei 2:12 Toren, letzter Tabellenplatz: Der Einstieg in die neue Saison der Frauenfußball-Bundesliga ist dem Aufsteiger SV Werder Bremen völlig missglückt. Erwartungsgemäß mag man hinzufügen angesichts des harten Auftaktprogramms mit Partien gegen Frankfurt (1:5) und Bayern (0:4). Nun ging es auf eigenem Platz gegen die SGS Essen, den Vorjahresfünften und Pokalfinalisten – und auch hier gab es beim 1:3 (0:1) nichts zu holen. „Das Ergebnis ist schon enttäuschend“, sagte Werders Mittelfeldakteurin Jasmin Sehan. „Essen ist für uns sicherlich noch keine Mannschaft auf Augenhöhe, aber trotzdem wäre heute etwas drin gewesen – definitiv.“

Das Chancenverhältnis sprach indes eine ganz andere Sprache. Essen war dominant. Essen hatte eine Vielzahl klarer Möglichkeiten – und verließ deshalb den Rasen im Stadion Platz 11 völlig verdient als Sieger. Die Qualitätsunterschiede zwischen beiden Teams waren derart offensichtlich, dass man nach der Pleite gegen den zuvor ebenfalls zweimal sieglosen Gast festhalten muss: Der SV Werder ist noch nicht wieder angekommen im Oberhaus. Man dürfe allerdings nicht vergessen, merkte Sehan an, „dass wir vor der Saison einen kompletten Umbruch mit vielen Neuzugängen hatten“, die Mannschaft müsse sich erst noch finden. Werder-Coach Alex Kluge pflichtete bei: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass es ein Prozess ist, der nicht mit Ende der Vorbereitung abgeschlossen ist. Aber wir machen gute Schritte in unserer Entwicklung. Das hat man auch heute gesehen.“

Gesehen hat man indes auch, dass vor allem im spielerischen Bereich noch einiges im Argen liegt. Und auch in puncto Zweikampfführung und Körperlichkeit muss der SVW noch zulegen. Essen war von der ersten Minute an viel präsenter – und überdies gedanklich schneller. Die erste Großchance nach einer Ecke ließ SGS-Kapitänin Jana Feldkamp noch ungenutzt (2.), doch nur 120 Sekunden später war es Jill Baijings, die das Leder vor dem Bremer Strafraum unbedrängt annehmen konnte und ins linke obere Eck zirkelte.

Werder wirkte geschockt nach diesem schnellen Gegentreffer. Es fehlte die Ordnung, es fehlte die Sicherheit im Passspiel. Die Aktionen war vielfach zu hektisch. Und es dauerte tatsächlich eine halbe Stunde, ehe sich die Heimelf bei einem Eckball erstmals dem Essener Gehäuse annäherte. „Wir waren lange Zeit nicht richtig drin im Spiel“, sagte Coach Kluge. „Es ist blöd, wenn man so früh einem Rückstand hinterher läuft.“ Und sie liefen in der Tat häufig nur hinterher, dem Ball und dem Gegner. Es war großes Glück für Werder, dass Essen vor der Pause zwar noch einige brenzlige Situationen heraufbeschwor, dabei aber keinen zweiten Treffer nachlegte.

Im zweiten Abschnitt tat sich dann zunächst wenig bis gar nichts in den Strafräumen. Bis zur 63. Minute, als Stephanie Goddard eine weite Freistoßflanke per Kopf unglücklich ins eigene Tor verlängerte. „Ein doofes Eigentor“, sagte Jasmin Sehan. „Aber das kann passieren. Und wir haben uns danach nochmal gefangen.“ Gefangen auch dank Jasmin Sehan, die auf der Gegenseite nach einer Flanke der kurz zuvor eingewechselten Jana Radosavljevic am zweiten Pfosten per Kopf zum 1:2 vollendete (70.). Das erste Bundesligator der 23-Jährigen setzte noch einmal Kräfte frei bei den Grün-Weißen.

„Die Reaktion der Mannschaft hat mir gefallen“, sagte auch Alex Kluge. „Wir haben gekämpft, wir wollten das Spiel noch mal drehen und sind auf das 2:2 gegangen.“ Werder drängte zwar, spielte die Angriffe dabei aber selten gut zu Ende. „Wir hatten noch einige gute Spielzüge nach vorne, hätten aber den einen oder anderen Pass besser spielen müssen“, sagte Jasmin Sehan. So kam es, wie es kommen musste: Essen konterte und war dem dritten Tor näher als Werder dem Ausgleich. Einen dieser Konter wehrte Lena Pauels noch spektakulär und mit Hilfe des Pfostens ab, drei Minuten vor dem Abpfiff aber machte Eleni Markou den 3:1-Endstand perfekt. Erste Gratulantin nach dem Abpfiff war übrigens die Ex-Bremerin Manjou Wilde: Die in Huchting groß gewordene frühere Junioren-Nationalspielerin spielt seit 2016 für Essen, muss aber seit Saisonbeginn aufgrund einer Muskelverletzung pausieren.

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