Fußball

Allrounder mit Plan

Der 17-jährige Linus Schäfer will über die Oldenburger Talentschmiede in den höherklassigen Herrenbereich gelangen
12.07.2020, 15:47
Lesedauer: 4 Min
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Von Jens Pillnick
Allrounder mit Plan

Linus Schäfer (vorne) bot für den JFV Bremen konstant gute Leistungen, ob als Innenverteidiger, auf verschiedenen Mittelfeldpositionen oder im Angriff.

CARMEN JASPERSEN

Linus Schäfer, 17 Jahre alt, Vollblutfußballer und bis zum Corona-bedingten Saisonabbruch für den JFV Bremen in der B-Junioren-Regionalliga Nord aktiv, bastelt an seiner Karriere. Beruflich und sportlich. Im kommenden Jahr will er das Abitur machen und dann möglicherweise etwas im Bereich BWL studieren. Auf dem Platz zieht es ihn nach Oldenburg, beim JFV Nordwest – eine Bündelung der Jugend vom VfB und VfL Oldenburg – will er sich in zwei A-Junioren-Jahren bestmöglich auf den Sprung in den Herrenbereich vorbereiten und sich für den Herren-Regionalligisten VfB Oldenburg empfehlen. „Ich will mich von der Regionalliga aus weiter nach oben arbeiten“, lautet sein sportlicher Plan.

„Man muss einen Plan haben und nicht so leben, als würde es morgen nicht geben“, sagt 1,89 Meter lange Schüler, der in St. Magnus lebt und sich als Bremen-Norder fühlt. Doch im Fußballbereich muss und musste er sich von dieser Verbundenheit zu Bremen-Nord lösen. Denn nur Spielpraxis in höheren Klassen bringt ihn weiter. Bis zur C-Jugend spielte Linus Schäfer vor der Haustür. Als Kind beim TSV Lesum-Burgdamm, dann später für den JFV Bremen zwei Spielzeiten lang in der C-Junioren-Verbandsliga.

Doch dann wollte er mehr. Da Bremen-Nord keine Regionalliga zu bieten hatte, wechselte er in seinem ersten B-Junioren-Jahr zum SC Borgfeld. Eigentlich zum Regionalligisten SC Borgfeld. Doch der stieg überraschend in die Bundesliga auf, und plötzlich stand Linus Schäfer im Kader eines Bundesligisten. Klingt gut. Doch der Weg in den Startelf erwies sich als steinig. Nach nur einem Einsatz in der Hinrunde von Anfang an, überlegte der Nordbremer über eine Rückkehr nach. Dann schob er diese Gedanken beiseite und biss sich in einem stark veränderten Rückrundenkader durch. „In der Rückrunde habe ich jedes Spiel von Anfang an bestritten“, blickt Linus Schäfer zurück. „Er lässt sich nicht unterkriegen. Er hat sich reingekämpft und hat sich seine Einsätze geholt“, sagt Sören Seidel, der Linus Schäfer nicht nur in der gerade beendeten Saison trainierte, sondern auch bereits bei den C-Junioren. Und das in Zusammenarbeit mit Stefanie Schäfer, der Mutter von Linus. Kennen tun sich Sören Seidel und Linus Schäfer schon lange, denn die Familien Schäfer und Seidel (jeweils zwei Söhne) sind befreundet und kickten oft im Garten zusammen. Heute ist Sören Seidel für Linus Schäfer „so etwas wie ein Spielerberater“, er ist froh über den engen Kontakt zum Ex-Profi, der ja Geschäftsführer der Spieleragentur Teamplayer Sportmanagement ist.

Da der SC Borgfeld aus der Bundesliga in die Regionalliga abstieg und der JFV Bremen aus der Verbandsliga in die Regionalliga aufstieg, entschloss sich Linus Schäfer für sein zweites B-Junioren-Jahr zur Rückkehr. Schließlich konnte er so wieder vor der Haustür kicken – und das in der Regionalliga. „Ich habe mich für den JFV Bremen entschieden, weil Sören Seidel dort Trainer war“, erklärt der 17-Jährige, was den Ausschlag gab. Die zweite B-Junioren-Saison war eine mit Höhen und Tiefen. Zumindest für die Mannschaft, denn die steckte tief im Abstiegskampf und dürfte den Klassenerhalt wohl nur durch den Corona-bedingten Saisonabbruch geschafft haben.

Während es für den JFV Bremen laut Linus Schäfer „nicht so gut wie erhofft“ lief, lief es für ihn persönlich sehr anständig. Er ragte oft aus einer Mannschaft heraus, der die Konstanz und der Killerinstinkt fehlte. Konstanz, die Linus Schäfer indes zeigte. Egal, wo Trainer Sören Seidel seinen vielseitig verwendbaren Schützling mit Blick auf den Gegner aufstellte – als Innenverteidiger, auf der Sechs, der Acht, der Zehn oder im Sturm – Linus Schäfer lieferte konstant gute Leistungen ab. Der jeweilige Einsatzbereich ergab sich daraus, auf welcher Position er gegen welchen Gegner am wertvollsten sein könnte. Mal sollte er gegen übermächtige Kontrahenten die Räume im Defensivbereich verengen und Zweikämpfe gewinnen, mal das Spiel aus der Tiefe ankurbeln, mal für Torgefahr sorgen. Dass Linus Schäfer keiner festen Position zugeordnet worden ist, empfindet Sören Seidel nicht als Nachteil: „In der aktuellen Phase ist es wertvoll, dass er auf mehreren Positionen ausgebildet wird.“

Vielleicht gehört ja auch das zur fußballerischen Karriereplanung des jungen Mannes, dem Sören Seidel ein hohes Spielverständnis, eine gute Technik, Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, Ehrgeiz und Willenskraft bescheinigt: „Er ist Fußball-bekloppt im positiven Sinne.“ Dass Linus Schäfer nun nicht mit Sören Seidel in die A-Junioren-Verbandsliga beim JFV Bremen wechselt, findet der Ex-Profi richtig, denn „der Weg ist wichtig“. Soll heißen: Linus Schäfer soll es versuchen, sich als jüngerer Jahrgang beim JFV Nordwest in der A-Junioren-Regionalliga durchzubeißen und in den beiden Jahren so viele Spiele wie eben möglich auf hohen Niveau absolvieren und sich Tag für Tag im Training messen. In dieser Zeit will er noch torgefährlicher werden und physisch zulegen. „Weiter für den JFV Bremen zu spielen, wäre zwar schön. Aber ich muss auch an mich selber denken, gucken, wo ich mich weiterentwickeln und hoch spielen kann“, sagt der Allrounder, der sich selber auf einer zentralen Mittelposition sieht und seine jüngste Entwicklung so beschreibt: „Ich sehe vieles. Mein Tempo im Kopf ist besser geworden, ich treffe schnellere Entscheidungen.“

Dass Wege in den Profi-Fußball über kleine Vereine oder Zusammenschlüsse möglich sind, dafür gibt es Beispiele. Eines der besten: Lucas Höler, der für den Blumenthaler SV in der A-Junioren-Regionalliga spielte und es über den VfB Oldenburg, FSV Mainz 05 II, und den SV Sandhausen zum SC Freiburg schaffte, bei dem er in dieser Saison 28 Mal in der Startelf stand und acht Treffer erzielte. „Es muss nicht alles über Nachwuchsleistungszentren gehen, was viele denken“, sagt Linus Schäfer, der allerdings für einen Verein schwärmt, der ein solches betreibt: den HSV. Auch wenn er zugibt, wegen der erneut gescheiterten Rückkehr ins Oberhaus als HSV-Fan schwere Zeiten zu erleben, hält die väterlicherseits an ihn herangetragene Liebe zum HSV: „Bisschen Fan geht nicht. Ganz oder gar nicht.“ Und weil er eben die Verbindung zum Verein aus der Elbmetropole habe, würde er für ihn – falls der Traum vom Profi-Fußball in Erfüllung gehen sollte – auch am liebsten spielen.

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