Fußball

Ein Angebot für junge Menschen, die leistungsorientiert denken

Der FC Oberneuland wird in seiner neuen „Talentschmiede“ den kickenden Nachwuchs sportlich und pädagogisch begleiten – und lässt sich das ordentlich Geld kosten.
11.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Ein Angebot für junge Menschen, die leistungsorientiert denken

Ein schönes Stadion hat der FC Oberneuland am Vinnenweg schon jetzt. Im Sommer möchte der Regionalliga-Verein dort auch mit seiner neuen "Talentschmiede" an den Start gehen.

MARIO NAGEL

Natürlich spricht Kristian Arambasic gern über das neue Nachwuchskonzept des FC Oberneuland. Zuvor bittet er jedoch um eine Klarstellung. „Es darf nicht Leistungszentrum heißen, wir sprechen von einer Talentschmiede“, sagt der Trainer des Fußball-Regionalligisten, der als eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt gilt.

Ein Leistungszentrum ist tatsächlich nicht zu vergleichen mit den Plänen des FCO. Es wird vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zertifiziert und setzt gewisse Standards voraus, etwa hinsichtlich der Infrastruktur und des Personals. Gerade einmal 56 Leistungszentren gibt es in Deutschland. Der SV Werder hat eines, die nächstgelegenen befinden sich bei Hannover 96 und in Hamburg, betrieben durch den FC St. Pauli und den HSV. Der FC Oberneuland kann nicht leisten, was diese Vereine leisten können. Er macht es ein, zwei Nummern kleiner.

Aber was der Regionalligist auf die Beine stellen will, ist ungewöhnlich. Es unterscheidet sich deutlich von der üblichen Nachwuchsarbeit eines Amateurklubs und soll den Verein auf eine andere Ebene heben. In der „Talentschmiede“ geht es nämlich nicht nur um die Entwicklung junger Kicker, sondern auch um deren Betreuung. „Wir bilden keine Profifußballer aus, sondern Spieler, die leistungsorientiert denken – und da gehört die Schule dazu“, sagt Arambasic. Deshalb würden die sportlichen Aktivitäten der Talente begleitet von einem „pädagogischen Konzept“, abgestimmt mit den Eltern und den Schulen der Spieler.

Zukünftig soll also umfassend gefördert werden auf der Anlage des FC Oberneuland. Zwischen 15 und 18 Uhr versorgt der Verein die Spieler der drei Leistungsmannschaften U15, U17 und U19 gleich in mehrfacher Hinsicht. Es beginnt mit einem Mittagessen, das der FCO den Erkenntnissen der Sportwissenschaft anpassen möchte. Dazu wird demnächst der Koch der Werder-Profis vorbeischauen, um den Mitarbeitern vor Ort die nötigen Kenntnisse zu vermitteln. „Gesund und ausgewogen“ sollen die Jungs nach Arambasic' Vorstellung essen. Daneben wird ein FSJ-ler – also eine Person, die beim FCO ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert – die Aufsicht übernehmen und bei Hausaufgaben helfen. Womöglich organisiert der Klub in Kooperation mit den ansässigen Schulen noch ein Nachhilfeprojekt.

Bereits vor dem Training um 18 Uhr sollen auch sportliche Aktivitäten auf den Plätzen am Vinnenweg möglich sein. Allein, in Gruppen oder betreut durch einen der Trainer. Zudem können die Talente eine Extrastunde bei den Athletiktrainern des Vereins buchen – allerdings auf eigene Kosten. „Sie sind selbstständig und brauchen den kleinen Obolus“, sagt Arambasic.

Schließlich werden demnächst noch zwei Container auf dem Parkplatz am Stadion aufgestellt. Sie beherbergen einen Kraftraum sowie eine „Chillout-Area“ mit Flatscreen, Playstation und Kaffeemaschine. „Ein Raum, wo sie abhängen können“, sagt der FCO-Trainer. Weil das ganze Konzept ja auch die schulische Ausbildung berücksichtigen will, werde man aber sehr aufmerksam verfolgen, wie sich beides miteinander verträgt. „Wer nur rumhängt, wird sportlich runtergefahren“, betont Arambasic, im Hauptberuf selbst als Sozialpädagoge an einer Schule tätig. Er erwartet, dass ab dem Sommer zunächst „zwischen fünf und zehn Spieler“ das neue Angebot annehmen werden. Obwohl sich die Beteiligten ehrenamtlich engagieren, erfordert die Talentschmiede gleichwohl einen stattlichen Finanzrahmen. Schließlich müssen ja allein die Container und deren Ausstattung bezahlt werden, und so wurden bislang 50.000 Euro angesetzt.

Unterstützt wird der FC Oberneuland dabei durch den erst kürzlich gegründeten Förderverein sowie weitere Sponsoren. „Wir haben bereits einen Premium-Partner gewonnen, mit anderen befinden wir uns in Gesprächen“, sagt Kristian Arambasic. Zudem stiftete unlängst ein Autohaus die zwei Busse, mit denen der FCO seine auswärtigen Talente zukünftig vom Bahnhof abholen wird. Sowohl die Busse als auch ein überregionales Scouting sind Teil des Konzepts. Die „Talentschmiede“ wird auch in diesem Bereichen an Fahrt aufnehmen.

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