Erste Runde im DFB-Pokal

Borussia Mönchengladbach lässt dem FC Oberneuland keine Chance

Vielleicht hatte der Regionalligist aus Bremen von einer Sensation geträumt. Aber der Bundesligist machte von Beginn an Ernst. Immerhin: Der FCO kämpfte und verhinderte eine zweistellige Niederlage.
13.09.2020, 05:30
Lesedauer: 4 Min
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Borussia Mönchengladbach lässt dem FC Oberneuland keine Chance
Von Jean-Pierre Fellmer
Borussia Mönchengladbach lässt dem FC Oberneuland keine Chance

Zwei gegen einen: Mönchengladbachs Spieler Hannes Wolf (Mitte) wird gleichzeitig von Clemens Schoppenhauer (l.) und ­Kerem Sahan ­angegriffen. So sehr sich der Viertligist aus Bremen aber auch bemühte: Am Ende hatte der Champions-League-Teilnehmer keine Probleme, die zweite Runde im DFB-Pokal zu erreichen.

Fotos: Thissen/DPA

Der Wunsch nach der Sensation war da, auch wenn die Hoffnung nicht groß war. Eine solche Gelegenheit wie am Sonnabend ereignet sich für viele Amateure nur einmal im Leben. Das eindeutige Ergebnis von 0:8 (0:5) beim DFB-Pokal-Erstrundenspiel von FC Oberneuland gegen Borussia Mönchengladbach bestätigte die Erwartung. Beim Heimspiel auswärts – der FCO hatte sein Heimrecht abgegeben – machte der Bundesligist natürlich den Klassenunterschied zum Regionalligisten deutlich. Grämen müssen sich die Bremer aber trotzdem nicht. Sicherlich war Mut gefragt, der vor allem in den ersten 45 Minuten zu kurz kam. Dass aber nach dem 0:5 zum Ende der ersten Halbzeit ein zweistelliges Ergebnis ausblieb, hatten die Bremer vor allem ihrem Kampfgeist zu verdanken.

In der ersten Halbzeit wurde Fußball nur auf der Seite des FCO gespielt. Gladbach schonte seinen Gegner nicht, von Anfang an war die Angriffslust des Favoriten zu spüren. Die erste große Chance hatte der Bundesligist in der dritten Minute, Jonas Hofmann schoss knapp am linken Pfosten vorbei. Lange dauerte es aber nicht, bis Gladbach traf. In der 13. und in der 14. Minute versenkte Patrick Hermann den Ball gleich zweimal im Tor des Außenseiters. Der FCO konnte in der Defensive nicht mithalten, selbst kleine Fehler bestrafte Gladbach sofort. Die Bremer hatten Glück, dass es bis zur Halbzeitpause nur drei weitere Treffer wurden.

Aus war der Traum von der Sensation. In der zweiten Hälfte galt es für den FCO, sich nicht zu blamieren. Kurz nach Wiederanpfiff hatte Onur Uzun eine Torchance, er überlief Tony Jantschke, verfehlte aber den Kasten. Florian Neuhaus erhöhte zwar in der 52. Minute den Gladbacher Vorsprung auf 6:0, doch Oberneuland zeigte sich jetzt mutiger. Die Bremer drangen häufiger in die Gladbacher Hälfte ein. Ein Ehrentreffer war dem tapferen Außenseiter nicht vergönnt, auch wenn es doch mehrere Male recht knapp war. Die Tore sechs bis acht auf Seiten Gladbachs taten deshalb etwas weniger weh. Dass es nicht mehr wurden, war auch der Leistung des FCO-Torhüters Jonas Horsch zu verdanken, der bei diesem Spiel wirklich viel zu tun hatte.

FC Oberneuland - Bor. Mönchengladbach

Knapp 60 000 Besucher passen maximal in den Borussia-Park, am Sonnabend waren es 300.

Foto: Thissen/dpa

Eine Besonderheit des Spiels waren die Zuschauer. Nachdem wegen der Coronavirus-Pandemie die Partien bislang komplett ohne Publikum stattfanden, hatten nun 300 Fußballfans die Gelegenheit, wieder vor Ort mitzufiebern. Das machte sich auch gleich bemerkbar: Die Rufe der Spieler waren in der Fernsehübertragung zwar immer noch am stärksten wahrzunehmen. Aber als die 300 Gäste jubelten oder ihrem Unmut über eine Entscheidung des Schiedsrichters Sascha Stegemann Luft machten, kam wenigstens ein bisschen Atmosphäre in einem Stadion auf, in das in normalen Zeiten knapp 60 000 Fans hineinpassen.

„Am Ende ist es standesgemäß ausgegangen“, sagte FCO-Trainer Kristian Arambasic. Der Mannschaft sei klar gewesen: Sie treten gegen eine Truppe an, die in der Champions League spielt. „Ärgerlich ist es trotzdem, wir wollten länger dagegenhalten.“ In der ersten Hälfte habe man simple Fehler gemacht, die dann hart bestraft wurden. Demut sei sicherlich ein Grund gewesen, sagte Arambasic. „Für die zweite Hälfte haben wir uns dann vorgenommen, mutiger und mehr nach vorne zu spielen.“ Ein Tor hätte sich die Mannschaft dann doch verdient gehabt, fand ihr Trainer. Für den Kampfgeist in der zweiten Hälfte sprach Arambasic seinem Team ein Kompliment aus. Gladbach-Trainer Marco Rose habe das Spiel jedenfalls ernst genommen, das zeuge von Respekt.

„Natürlich gab es nach dem Spiel in der Kabine zunächst Enttäuschung“, sagte Arambasic. „Am Ende sind wir Sportler, die antreten, um zu gewinnen – ganz egal, ob gegen Bayern, Gladbach oder Oldenburg.“ Trotzdem sei die Erfahrung, gegen einen Bundesligisten zu spielen, „absolut beeindruckend“ gewesen. Arambasic schwärmte vom Stadion, vom Platz, vom Rasen – eine einmalige Erfahrung. Gladbach habe sich zudem toll präsentiert. Zum Schluss sei der Sportdirektor der Borussen, Max Eberl, kurz vorbeigekommen. Gladbach sei ein Verein, der sich seine Sympathie verdient hat, sagte Arambasic.

„In der zweiten Hälfte sind wir so aufgetreten, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Uwe Piehl, Vizepräsident des FC Oberneuland – wohlwissend der Tatsache, dass Gladbach nach der Pause etwas Tempo rausgenommen habe. Rückblickend sei es die richtige Entscheidung gewesen, das Heimrecht abzugeben. „Wir würden das genau so noch einmal machen.“ Es habe auch einen kleinen Austausch mit den Gladbacher Funktionären Präsident Rolf Königs, Vize-Präsident Rainer Bonhof und Sportdirektor Eberl gegeben. Als Geschenk hatte der FCO ein paar Kisten eines Bremer Weinhändlers mitgebracht, die Gladbacher hätten sich sehr gefreut. Das Spiel sei als besonderes Ereignis für die Mannschaft lehrreich gewesen. Der Bundesligist spiele auf hohem Niveau und sei trotzdem nie zufrieden. "Wir nehmen das als positives Beispiel mit.“ Die Erfahrung sei ein Ansporn nicht nur für die Mannschaft, sondern für den gesamten Verein.

Info

Zur Sache

Fokus aufs Regionalliga-Spiel

Für den FC Oberneuland steht am Mittwoch das nächste wichtige Spiel an: Der FCO will sich als Regionalligist-Aufsteiger gegen den VfB Oldenburg behaupten. Auf die Frage, ob man vom Pokalspiel am Sonnabend etwas für die bevorstehende Partie mitnehmen könne, obwohl diese beiden Begegnungen so unterschiedlich sind, antwortete Trainer Kristian Arambasic: „Ja, wir haben uns direkt nach dem Spiel in der Kabine beraten und das Spiel gegen Gladbach analysiert.“ Vor allem der fehlende Mut in der ersten Spielhälfte sei eine Lektion für die Bremer gewesen. Arambasic ist der Ex-Trainer des VfB Oldenburg, der Verein hatte sich Ende Oktober 2014 nach nur wenigen Monaten von ihm getrennt. Die Oldenburger haben im Gegensatz zum FC Oberneuland ihr erstes Spiel in der neuen Regionalliga-Saison gewonnen.

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