Halbfinale im Bremer Lottopokal

Alles für die Fans: FC Huchting und SC Borgfeld im Marathoneinsatz

Die Vereine haben es letztlich selbst so bestimmt: Weil sie lieber vor Zuschauern spielen als vor leeren Rängen, müssen die Heimklubs vor den Lottopokal-Duellen logistische Schwerstarbeit leisten.
05.08.2020, 05:00
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Alles für die Fans: FC Huchting und SC Borgfeld im Marathoneinsatz
Von Jörg Niemeyer
Alles für die Fans: FC Huchting und SC Borgfeld im Marathoneinsatz

Blumenthaler Jubel nach dem Pokalsieg über den Bremer SV im August 2019: So ein Bild ist nach dem Halbfinale in Huchting am 15. August nicht zu erwarten.

Christian Kosak

Ob sich der Präsident des Bremer Fußball-Verbands (BFV), Björn Fecker, in diesen Tagen wohl häufiger nach dem Befinden seines Vaters erkundigt? Grund könnten die Magenverstimmungen sein, die Udo Fecker derzeit plagen. Seine spürbar gute Laune und Vorfreude hat sich der 65-jährige Vorsitzende des FC Huchting zwar nicht verderben lassen. Aber dass die Vorbereitungen für das Bremer Lottopokal-Halbfinale seines Vereins gegen den Blumenthaler SV nun Routine wie vor jedem anderen Spiel sind, lässt sich auch nicht gerade behaupten.

„Für kleine Vereine wie unseren bedeutet das Spielen vor Zuschauern megaviel Aufwand“, sagt Udo Fecker. Die beiden Vorschlussrunden-Partien standen offenbar nahe davor, als Geisterspiele in die Bremer Pokal-Geschichte einzugehen. „Wir wollten erst die Finger von all den Maßnahmen lassen“, sagt Udo Fecker. Es habe unter den Beteiligten Überlegungen gegeben, das Ganze ohne Publikum durchzuziehen. „Aber ich fand es nicht gut, das Halbfinale ohne Zuschauer zu spielen.“

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Seine Mannschaft, die sich als klassentiefster Landesligist unter die letzten Vier vorgekämpft hat, wäre um den verdienten Lohn ihrer Arbeit gebracht worden, findet der FC-Vorsitzende. Mal ganz abgesehen davon, dass der Halbfinaleinzug der größte Erfolg des Klubs in seiner mittlerweile 67-jährigen Geschichte ist. Nie zuvor seien die Huchtinger, so sagt Udo Fecker, über die zweite Runde des Pokalwettbewerbs hinausgekommen. Seit mehr als 26 Jahren ist Fecker Klubchef, da wird er das wohl sehr genau wissen.

Die Aussage, dass die beiden Halbfinals beim FC Huchting (15. August, 16 Uhr) und beim SC Borgfeld (16. August, 15 Uhr, Gegner ist der FC Oberneuland) vor Zuschauern ausgetragen werden, ist richtig – und irgendwie auch nicht. „Normalerweise hätte ich mit 700 bis 1000 Besuchern gerechnet“, sagt Udo Fecker. Vor Jahren habe sein FC auf eigenem Platz mal vor einigen Tausend Fans gegen die Werder-Profis gespielt. Raum genug sei also vorhanden. In Vor-Corona-Zeiten wäre das Lottopokal-Duell gegen den Bremen-Ligisten Blumenthaler SV vermutlich sogar ein richtiges Fußball-Fest geworden.

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Mitten in der Corona-Zeit dürfen aber nur maximal 400 Menschen zeitgleich auf der Anlage sein – und die sind keineswegs alle nur Zuschauer. So ist Udo Fecker derzeit auch als Mathematiker gefordert. Seine Rechnung: 400 minus x minus y minus... Soll heißen: Von den 400 Personen, die auf die Huchtinger Anlage dürfen, sind abzuziehen alle Sportler, alle Begleiter und Mannschaftsverantwortliche, Schiedsrichter, Sanitäter, Arbeitskräfte im Ordnungsdienst oder in irgendeinem Service, Medienvertreter und wahrscheinlich noch etliche andere. „Vielleicht werden es am Ende 260 echte Zuschauer sein“, sagt Udo Fecker. Vielleicht nicht einmal 260. Und bestimmt keine 260, die den FC Huchting unterstützen. Natürlich hat auch der Gegner ein Anrecht auf Eintrittskarten.

Udo Fecker will sich persönlich auf den Weg zum Blumenthaler SV machen, um mit den BSV-Verantwortlichen über die Rahmenbedingungen dieser ungewöhnlichen Partie und auch über die Kartenkontingente für beide Vereine zu sprechen. Schon vor diesem Gespräch ist klar: Ein freier Kartenverkauf wird nicht stattfinden. Ganz im Gegenteil. Da Listen darüber zu führen sind, wer sich auf dem Platz aufhält, würde ein freier Verkauf die Organisationsarbeit der Huchtinger noch zusätzlich erschweren.

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Auch der SC Borgfeld, dessen Platz kleiner ist als der der Huchtinger, werde für den Pokal- und Nachbarschaftshit gegen den FC Oberneuland keine Tickets frei verkaufen, ergänzt BFV-Sprecher Oliver Baumgart. Der Bremer Verband sei bei der unmittelbaren Organisation der Halbfinals zwar nicht beteiligt, hatte die Klubs während der Vorbereitung in den vergangenen Wochen aber eng begleitet. Und der BFV führte auch die Gespräche mit den Verantwortlichen des Internetportals sporttotal.tv. Das erfreuliche Ergebnis: Das Unternehmen wird beide Halbfinals jeweils live mit Kommentator und aus sechs verschiedenen Kameraperspektiven übertragen.

Dann wird der Betrachter am Bildschirm wahrscheinlich auch sehen können, was Udo Fecker – unter anderem – die Magenverstimmungen bereitet. Nachdem das Hygienekonzept des Klubs ausgearbeitet ist, steht fest: Der FC Huchting wird für und wegen der Zuschauer mobile Toiletten und Hygienestationen aufstellen. Das ist aber bei weitem nicht alles. Aufgrund der Abstandsregeln wegen Corona wird Udo Fecker mit seinen Helferkollegen in den kommenden Tagen den Zuschauerbereich der Sportanlage so vermessen, dass im Abstand von zwei Metern Punkte aufgemalt werden, auf denen sich die Besucher dann aufhalten müssen.

Vielleicht werden die Huchtinger also 260 Punkte markieren, so genau wissen sie das jetzt noch nicht. Gewiss ist aber, dass auch Pfeile für die jeweiligen Laufwege der Gäste aufgebracht werden müssen. „Zum Glück fängt das Spiel erst um 16 Uhr an“, sagt Udo Fecker und lacht, „dann haben wir ein bisschen mehr Zeit fürs Malen.“ Der FC-Vorsitzende hofft, dass es am übernächsten Sonnabend wenigstens nicht regnet. Wasser von oben könnte den Markierungen unten am Boden gefährlich werden – und damit für neue Magenverstimmungen sorgen.

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Zur Sache

Planspiel für den DFB-Pokal

Der Bremer Lottopokal sorgt aktuell für reichlich Arbeit. Weil sich Bremer Fußball-Verband (BFV) und Vereine für Zuschauer ausgesprochen haben, müssen entsprechende Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden. Für zusätzliche Arbeit sorgt die Forderung des Deutschen Fußballbunds (DFB), dass alle vier Halbfinalisten schon vor den Spielen am 15. und 16. August bis zum 10. August eine mögliche Spielstätte für die 1. DFB-Pokalrunde im September gegen Borussia Mönchengladbach benennen müssen. Das heißt: Auch ein klarer Außenseiter wie der FC Huchting muss dieser Tage noch Gespräche mit Stadionanbietern führen.

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