Bremer Fußball-Schnack

Buller und Cerci kämpfen um die Kanone

Bremer Fußballerinnen mit Chancen auf die erste Torjägerkanone für alle. FC Oberneuland trainiert jetzt via Smartphone. Und die Bremer Schiedsrichter werden zum Laufen geschickt
25.03.2020, 18:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Es ist eines von zahlreichen Beispielen, wie die moderne Kommunikationstechnik derzeit auch den Kontakt zwischen Fußballern ermöglicht: In dieser Woche absolvierten die Kicker des FC Oberneuland erstmalig eine gemeinsame Trainingseinheit am Smartphone. Alle 21 Spieler des aktuellen Kaders waren dabei. Sie hatten sich zuvor einen Trainingsbereich von zwei mal zwei Metern verschafft und folgten nach ihrer Einwahl dem Oberneulander Athletiktrainer Ertekin Uluer, der rund 60 Minuten lang die Übungen vormachte. „Wir haben einen sehr engagierten Trainer, auf dessen Mist diese Einheit gewachsen ist“, sagt Daniel Block mit einem Lachen. Der FCO-Kapitän kann dem gemeinsamen Training aber schon eine Menge abgewinnen: „Wir stehen wieder mehr in Kontakt und es macht Spaß.“ Er wird sich auch daran gewöhnen müssen, denn ab sofort wird dreimal in der Woche auf diese Weise der eigene Körper fit gehalten. Bevor es losgeht, haben die Spieler noch eine Chance, sich untereinander verbal auszutauschen. Während der Übungen wird diese Funktion angesichts der zu erwartenden Geräuschkulisse allerdings abgeschaltet. Dafür ist dann auch FCO-Coach Kristian Arambasic zugeschaltet. Auf seinem Bildschirm beobachtet er die einzelnen Spieler – und versieht deren Leistung schon mal mit dem ein oder anderen Kommentar.

Das mit der Fair-Play-Geste ist gerade schwierig: Solange kein Fußball gespielt wird, kann man sich auch nicht fair verhalten. Jedenfalls nicht auch dem Spielfeld. In anderen Zusammenhängen geht das allerdings schon, und hier ist es dieser Tage sogar ganz besonders nötig. Aus diesem Grund hat sich der Bremer Fußball-Verband auch entschlossen, seine eigentlich auf den Spielbetrieb bezogene Fair-Play-Geste einstweilen umzuwidmen: Nun geht es um das Fair Play im gerade sehr beeinträchtigten Alltag. „Kennt ihr Leute, Vereine oder auch Gruppen, die sich in dieser Zeit außerordentlich engagieren und bedürftigen Menschen helfen?“, fragt der BFV also. Wer eine Idee hat, soll sich melden – und so werden auch in diesen Wochen sicher einige Preisträger gefunden, die sich durch vorbildliches Verhalten hervortun. Und das geht ja bekanntlich nicht immer nur auf dem Rasen, sondern auch abseits der Plätze. Vorschläge an: fairplay@bremerfv.de.

Wie es weitergeht mit dieser Saison, steht derzeit ja in den Sternen. Sollte die Spielzeit nicht zu einem regulären Abschluss gebracht werden, dürfte es einige Diskussionen um Meisterschaften oder Auf- und Absteiger geben. Die „Torjägerkanone für alle“, erst zum Saisonbeginn von fussball.de und dem Fachmagazin Kicker eingeführt, sollte dagegen relativ unkompliziert zum Abschluss gebracht werden: Man zählt dann eben die Tore bis zum vorzeitigen Ende, und schon stehen die besten Torjäger der deutschen Amateurligen fest. Sollte es dazu kommen, würde Bremen sogar eine Siegerin stellen. Denn keine Kickerin der 4. Liga traf öfter als Kira Buller vom TuS Schwachhausen. Ihr gelangen nämlich 28 Treffer in elf Partien der Verbandsliga. Ebenfalls vorn dabei ist Werders Selina Cerci als Dritte der 2. Liga (13/14). Bei den Bremer Männern sieht es nicht ganz so gut aus. Aber immerhin drei Kicker vermochten sich bislang unter den Top Ten ihrer jeweiligen Ligen zu behaupten: Ebrima Jobe vom FC Oberneuland (5. Liga, 20/19) belegt den siebten Rang, und Sadra Farokhnia vom FC Roland (7. Liga, 28/18) ist auf seiner Ebene sogar Vierter. Dort liegt auch Marius Witt vom SC Weyhe in der 9. Liga, die in Bremen der Kreisliga B entspricht. Allerdings wird die Luft in den unteren Spielklassen offenbar recht dünn: Witt musste erstaunliche 41 Tore in seinen 17 Einsätzen erzielen, um in der Spitzengruppe mitzumischen. Der Tabellenführer, Kamil Drzymala vom TuS Germania Hersel (Nordrhein-Westfalen), traf 44 Mal.

Was die Amateurkicker in diesen Tagen machen, ist mittlerweile klar: Sie trainieren individuell oder eben mit den Kollegen am Bildschirm wie beim FC Oberneuland. Aber was machen eigentlich die Schiedsrichter? „Sie gehen laufen“, sagt Torsten Rischbode, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses (VSA). Anders als die Trainer der Bremer Topligen hat der oberste Unparteiische seine Mitarbeiter allerdings nicht mit klaren Vorgaben versehen. „Wir haben Vertrauen in unsere Schiedsrichter, sie tun etwas für sich“, sagt Rischbode. Er wäre deshalb auch nicht auf die Idee gekommen, die Leute „zu überwachen oder mit irgendwelchen Lauf-Uhren“ zu versehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Schiedsrichter-Obmann diese Zeit besonders schätzt. Im Gegenteil. Auch Torsten Rischbode, immerhin schon seit 16 Jahren an der Spitze der Bremer Schiedsrichter, fehlt der Fußball: „Diese Ruhe kenne ich sonst nur zwischen Weihnachten und Neujahr.“

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