Fußball-Regionalliga

Noch ein Schritt bis Mainz

Der frühere Werder-Fußballer Marco Kaffenberger will mit dem Regionalligisten BSV Rehden in den DFB-Pokal und in die Meisterrunde einziehen.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Der letzte Erfolg des BSV Rehden liegt noch nicht lange zurück: Erst am Sonntag gewann der Regionalliga-Zehnte des Vorjahres im Halbfinale des Niedersachsen-Pokals gleich mit 4:1 (2:1) beim Ligakonkurrenten VfB Oldenburg. „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl“, sagt Marco Kaffenberger. Dem Rechtsverteidiger und seinem Team ist also ein richtig guter Pflichtspielstart gelungen. Bereits am kommenden Sonntag geht es nun in den heimischen Waldsportstätten gegen den TSV Havelse, einem weiteren Regionalligisten, um den Titel – und damit auch um ein DFB-Pokalspiel gegen Mainz 05. Nachdem sein Team bereits in Oldenburg „ein Zeichen gesetzt“ hat, wird Kaffenberger auch die kommende Aufgabe optimistisch angehen. „Wir sind mental super drauf und treten mit viel Präsenz an“, sagt der 24-Jährige.

Die Personalwechsel der vergangenen Wochen haben bislang also keine negativen Folgen offenbart. Dabei hatten gleich acht Spieler den BSV verlassen, darunter Leistungsträger wie Jakob Lewald (Viktoria Berlin), Dino Bajric (SF Lotte) oder Dominik Cyriacks (USA). Auch Marco Kaffenberger machte einige „schwere Abgänge“ unter scheidenden Kickern aus. Aber der BSV habe auf der anderen Seite eben auch eine Menge Qualität hinzugewonnen. Etwa Kamer Krasniqi, der im Januar zum Drittligisten Sonnenhof Großaspach gewechselt war und nun wieder das Rehdener Trikot tragen wird. „Er ist unser Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld“, sagt Kaffenberger über den Rückkehrer. Für den BSV könne es deshalb nur ein Ziel geben: „Wir wollen in die Meisterrunde.“ Dazu müsste der BSV Rehden unter die besten fünf Teams der elf Teilnehmer umfassenden Regionalliga Staffel Süd kommen. Das wird nicht leicht angesichts einiger ambitionierter Konkurrenten.

Die Nachwuchsteams vom VfL Wolfsburg, Werder Bremen und Hannover 96 zählen sowieso zu den Kandidaten für vordere Plätze. Auch der VfB Oldenburg und der TSV Havelse treten als aussichtsreiche Bewerber um die Meisterrunde an. „Die Liga wird echt interessant“, findet Marco Kaffenberger – und denkt dabei auch an die regionale Dichte der Staffel. Die Teams aus Bremen, Delmenhorst, Oldenburg und eben Rehden würden für zahlreiche Derbys und damit zusätzliche Spannung sorgen. Das Leben des Marco Kaffenberger wird also nicht langweilig. Aber das war es auch noch nie.

Bereits im Alter von 15 Jahren war der Kicker aus dem heimischen Lindenfels (Odenwald) ins Internat des 1. FC Kaiserslautern gezogen. Nach nur einer Saison ging es zurück zur Familie; Kaffenberger kickte ein Jahr für den Nachwuchs des FSV Frankfurt und schloss sich dann Eintracht Braunschweig an. Weil ihm trotz erfolgreicher Jahre in der Juniorenbundesliga nicht der Sprung in den Profifußball gelang, zog er weiter zu den Stuttgarter Kickers. Der Umweg über die Regionalliga Süd-West schien sich zu lohnen, als Werder den damals 21-Jährigen in 2017 für die U 23 verpflichtete. „Aber dann hatte ich ein Scheiß-Jahr“, erinnert sich Marco Kaffenberger. Weil ihn ein Meniskus-Riss zu einer mehrmonatigen Pause zwang, kam er nur zu drei Einsatzminuten beim damaligen Drittligisten.

Nach dem Abstieg absolvierte der genesene Abwehrspieler zwar deutlich mehr Einsätze in der Regionalliga. Der eigentlich erhoffte Sprung in den Profikader war aber kein Thema. „Ich bin immer ehrlich: Es hat halt nicht gelangt“, sagt Kaffenberger. Wenn eine Karriere nicht wie gewünscht verläuft, gibt es viele Erklärungsansätze. Tatsächlich stellen manchmal nur Kleinigkeiten die Weichen. In anderen Fällen sind es Verletzungen, die einen Spieler zurückwerfen – so wie bei Marco Kaffenberger. Er sagt allerdings: „Eigentlich ist man immer selbst verantwortlich dafür, ob man spielt oder nicht.“ Mittlerweile ist dem 24-Jährigen schon bewusst, dass er früher „vielleicht mehr Gas“ hätte geben sollen. Womöglich wäre sein Weg bei Werder dann erfolgreicher verlaufen und er wäre nicht im Sommer 2019 nach Rehden gewechselt.

Dann aber hätte der Kicker eine wichtige Erfahrung nicht machen können. Denn der Wechsel blieb nur hinsichtlich der Spielklasse ohne Folgen, der BSV tritt ja wie Werders U 23 in der Regionalliga an. Ansonsten hat sich das Leben des Marco Kaffenberger deutlich verändert. Schließlich ist die Ausbildung zum Industriekaufmann ein Teil seines Engagements in Rehden – Kaffenberger hat nun einen richtigen Job. „Ich verlasse morgens um sieben das Haus und komme nach dem Training am Abend wieder zurück“, erzählt Kaffenberger. Er merke nun, dass es „nicht so einfach ist“, ein normales Arbeitsleben mit der semiprofessionellen Regionalliga zu verbinden.

Als junger Fußballer in einem Leistungszentrum sei ihm zudem nie bewusst gewesen, wie viel Zeit man dort eigentlich hat: „Da sollten sich alle jungen Fußballer glücklich schätzen.“ Das bedeutet aber nicht, dass Marco Kaffenberger nun unglücklich ist. Im Gegenteil: Er fühlt sich wohl in Rehden, und die Ambitionen hat er angesichts der wertvollen Erfahrungen in den vergangene Jahren erst recht nicht aufgegeben. „Jeder will nach oben, ich gebe jedenfalls nicht auf“, sagt der Verteidiger. Zumindest die 3. Liga würde er sich zutrauen, oft würden ja auch „nur Zentimeter“ zwischen dieser Spielklasse und der Regionalliga entscheiden. Soll heißen: So sehr unterscheiden sich diese Ligen nun auch nicht. Und dann gibt es da ja noch eine weitere Möglichkeit, in die begehrte Spielklasse zu gelangen. „Wieso sollte der BSV Rehden nicht auch mal aufsteigen?“, fragt Marco Kaffenberger.

Info

Zur Sache

Schon zweimal im DFB-Pokal

Gegründet wurde der BSV Rehden bereits in 1954. Nach einigen Jahrzehnten auf Bezirksebene gelang dem Verein in den neunziger Jahren der Gang in die Niedersachsenliga West. Dem Aufstieg in die eingleisige Oberliga in 2009 folgte 2012 die Qualifikation zur Regionalliga in ihrer heutigen Form. Daneben machte der BSV im DFB-Pokal auf sich aufmerksam: Dort absolvierte man Heimspiele gegen den damaligen Erstligisten TSV 1860 München (2003) und den FC Bayern München (2013). Als starker Mann in Rehden gilt bereits seit den achtziger Jahren der Unternehmer Friedrich Schilling. Er ist nicht nur der Vorstandsvorsitzende des BSV, sondern gleichzeitig auch Sponsor und in der sportlichen Leitung. Zudem hilft er dem Verein durch die Vermittlung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen – Marco Kaffenberger etwa absolviert seine Lehre in einem der Schilling-Betriebe.

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