Oberneuland 0:1 gegen Hildesheim

Die unglücklichen Tüchtigen

Der FC Oberneuland hat das dritte Spiel in Folge verloren. Gegen den VfV Borussia 06 Hildesheim hieß es nach 90 Minuten 0:1. Die Gäste hatten in der 87. Minute den Siegtreffer erzielt.
25.10.2020, 21:15
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Die unglücklichen Tüchtigen
Von Maurice Arndt

Bremen. Nur noch weg wollte Ebrima Jobe. Schiedsrichter Christopher Horn hatte die Partie noch gar nicht richtig abgepfiffen, da hatte der Angreifer des FC Oberneuland bereits die rund fünf Meter zwischen dem Spielfeld und den Katakomben überwunden. Der Toptorjäger des FCO hätte zum Helden der Partie werden können, doch es kam anders: Der VfV Borussia 06 Hildesheim gewann dank eines späten Treffers mit 1:0 und fügte Oberneuland die dritte Regionalliga-Niederlage in Serie zu.

Es läuft die 22. Spielminute, als Jobe frei vor Hildesheims Torwart Nils Zumbeel auftaucht. Zuvor hat Stürmer Onur Uzun den Ball nach einem Zuspiel von Amadou Sarr mit einem steilen Pass durchgesteckt. Jobe ist just im richtigen Moment gestartet, um nicht im Abseits zu stehen und doch einen entscheidenden Vorsprung gegenüber seinem Gegenspieler zu haben. Doch dann zögert er einen Ballkontakt lang, die Hildesheimer Mannschaft holt auf, setzt ihn unter Druck, sodass Jobe nur noch ein harmloser Schuss in die Arme von Zumbeel gelingt. „Ich hätte früher schießen müssen. Ich habe mich meines Vorteils beraubt“, ärgert sich Jobe nach der Partie.

Bereits einige Minuten zuvor hat Jobe die Führung für den FCO auf dem Kopf. Tim Kreutzträger, Lars Tyca und Jobe haben sich mit zwei schnellen Doppelpässen ansehnlich einmal über den gesamten Platz kombiniert und eine Ecke herausgeholt. Die landet millimetergenau auf der Stirn von Oberneulands Nummer zehn. Doch im Strafraumgedränge gelingt es Jobe nicht, den Ball ideal zu platzieren.

Ganz fair wäre eine Führung zu diesem Zeitpunkt allerdings auch nicht gewesen. Besser in die Partie gestartet ist eigentlich der VfV. Die Mannschaft von Trainer Benjamin Duda ist optisch überlegen und kann den FC Oberneuland auch phasenweise in deren eigener Hälfte einschnüren – so wie gleich in den ersten Sekunden der Partie, als Hildesheim mit einer kuriosen Anstoßvariante auffällt. Bis auf den Torwart und zwei Verteidiger haben sich alle Spieler an der Mittellinie aufgereiht. Der Anstoß wird zurückgelegt und anschließend lang geschlagen, verfolgt von acht Hildesheimern.

Ernsthafte Torgefahr strahlt Hildesheim jedoch in der Anfangsphase nicht aus. Der im taktischen 4-4-2-System verteidigende FCO steht kompakt und stoppt Hildesheim in aller Regel kurz vor dem eigenen Strafraum. Bricht ein VfV-Akteur doch mal durch, werden mögliche Torabschlüsse beherzt abgegrätscht – begünstigt durch einen feuchten und matschigen Platz, der Grätschen begünstigt und Ballannahmen zur Herausforderung macht. „Die Abwehr hat es gut gemacht“, sagt deshalb auch FCO-Trainer Kristian Arambasic.

Bis zur Pause passiert anschließend entsprechend auch nicht mehr viel. Hildesheims Fatih Ufuk versucht sich aus rund 20 Metern, zielt aber über das Tor von Oberneulands Schlussmann Jonas Horsch (33.). Kurz darauf bricht Hady El Saleh in den Oberneulander 16-Meter-Raum und wird dort von Uzun rabiat vom Ball getrennt. Ein möglicher Elfmeterpfiff bleibt jedoch aus (35.). Auf der anderen Seite erläuft Tim Kreutzträger einen Steilpass auf dem rechten Flügel, ist aber zu langsam, um sich seines Gegenspielers zu entledigen, der den Ball noch neben das Tor abfälscht (45.). Die folgende Ecke köpft Amadou Sarr an den Pfosten.

Einen Kritikpunkt kann Arambasic deshalb auch schnell bei seiner Mannschaft ausmachen: „Wir hatten wie in jeder Partie unsere zwei, drei guten Aktionen pro Halbzeit. Davon müssen wir welche machen. Vielmehr bekommen wir einfach nicht.“ Das weiß auch Ebrima Jobe: „Unsere Angriffe sind gut, aber wir haben weniger von ihnen als noch in der Bremen-Liga.“

Mit viel Schwung kommt Hildesheim aus der Kabine. In der 55. Minute wird ein Versuch von Rezzan Bilmez aus 20 Metern abgefälscht, und die folgende Ecke schießt Marcel Kohn an den Pfosten. Danach taucht der eingewechselte Yannik Schulze plötzlich frei vor dem FCO-Tor auf, schießt jedoch knapp daneben (62.). Und nur drei Minuten später bekommt er den Ball zentral im Oberneulander Strafraum zugespielt, zielt aber auch von dort knapp neben das Gehäuse.

Die entscheidende Szene der Partie spielt dann in der 87. Minute: Über Umwege landet der Ball bei Niklas Rauch, gut 18 Meter vor dem Tor von Jonas Horsch in zentraler Position. Der Hildesheimer fasst sich noch mal ein Herz, hält einfach mal drauf und hat Glück, dass der Ball abgefälscht wird und somit unhaltbar im FCO-Gehäuse landet.

„Das war natürlich etwas glücklich. Das Spiel hätten beide Mannschaften gewinnen können. Wir hatten vielleicht auch ein wenig das Glück des Tüchtigen“, meint Hildesheims Trainer Duda. Glück, dass Oberneuland mit mehreren Aluminium-Treffern nicht hatte. „Es war gefühlt ein 0:0-Spiel. Nun haben wir drei Niederlagen. Das ist eine schwierige Phase aktuell“, bilanziert FCO-Trainer Arambasic. Immerhin: Die nächste gute Chance auf Punkte wartet schon kommenden Sonntag bei Tabellennachbar HSC Hannover.

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