Fortführung der Fußball-Saison

Saisonende vielleicht erst im Juli

Für den Amateur-Fußball gibt es nur noch zwei Szenarien – und die werden leidenschaftlich diskutiert. Eine Entscheidung ist erst Anfang Mai nötig.
24.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Freye

Wie und wann es weitergeht, weiß Sebastian Störer auch nicht. Er ist ja Leiter des Arbeitskreises Zentrale Spielansetzung im Bremer Fußball-Verband (BFV). In dieser Funktion gehören Prophezeiungen nicht zu den Kernkompetenzen. Aber wenn es um die Fortsetzung des Spielbetriebs, insbesondere der Bremen-Liga, geht, dann gibt sich Störer entspannt. „Ich sehe das relativ unemotional“, sagt er. Noch existieren ja auch die beiden Szenarien, die bereits vor Wochen vom Beirat des BFV beschlossen wurden. Sie blieben übrig, nachdem absehbar geworden war, dass eine komplette Saison mit Hin- und Rückspielen nicht mehr möglich sein würde. Also gibt es nun die Variante, in der die Hinrunde abgeschlossen und als Saison gewertet wird (Szenario 2). Sollten die ausstehenden neun Spieltage sowie diverse Nachholspiele nicht ausgetragen werden können, tritt Szenario 4 in Kraft: Saisonabbruch.

„Eine Entscheidung über diese Szenarien müssen wir aber erst Ende April, Anfang Mai treffen“, sagt Sebastian Störer. Er gibt dem Bremer Amateurfußball also noch verhältnismäßig viel Zeit. Dabei beschäftigen sich in diesen Tagen mehr und mehr Trainer bereits mit einem Abbruch der Spielzeit. Etwa Wilco Freund vom Habenhauser FV, der sagt: „Es sieht danach aus, dass wir die Hinrunde nicht zu Ende spielen können, und dann gibt es keine andere Möglichkeit.“ Oder Günter Tuncel von der SV Hemelingen, der meint: „Ich wünsche mir, dass wir schnell wieder spielen, kann es mir aber nicht vorstellen.“ Und Kevin Köhler vom TuS Komet Arsten, der erklärt: „Ich würde mich freuen, wenn es weitergeht, aber es muss vertretbar sein.“ Das wesentliche Argument der zweifelnden Trainer: Nach der langen Pause – seit Oktober fanden weder Spiele noch Trainingseinheiten statt – würde es Wochen dauern, ehe die Kicker ihr Wettkampfniveau erreichen.

Die Vorbereitung auf den Neustart sollte deshalb mindestens vier Wochen intensives Mannschaftstraining vorsehen. Andernfalls drohten den nicht ausreichend präparierten Spielern schwere Verletzungen und lange Pausen – ganz zu schweigen von der Möglichkeit weiterer Spielausfälle aufgrund positiver Corona-Tests und Quarantäne. Wenn der Spielbetrieb im besten Fall aber erst im April wieder aufgenommen werde, ließe sich die Saison kaum bis Ende Mai abschließen – so argumentieren jedenfalls die Trainer. Sebastian Störer sieht das anders, auch weil er von einem ganz anderen Datum ausgeht. „Die Saison endet laut Spielordnung am 30. Juni“, sagt der Leiter des Arbeitskreises. Da die Sommerferien in Bremen erst am 22. Juli beginnen, seien sogar Spiele über den finalen Termin hinaus denkbar.

Allerdings weiß Störer, dass es zwei Termine gibt, mit denen seine Version kollidiert. Da wäre zum einen das Finale im Lottopokal, derzeit angesetzt für den 29. Mai. Noch stehen 32 Mannschaften in diesem Wettbewerb, es müssen also vier weitere Runden gespielt werden. Zudem soll die Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord nach derzeitigem Stand im Juni starten, und hier wäre vermutlich ein Bremer Teilnehmer gefordert. Für Kopfschmerzen im BFV sorgen diese zusätzlichen Spiele allerdings nicht: Sowohl das Finale, ausgetragen am bundesweiten Pokaltag der Amateure, als auch die Aufstiegsrunde sind abhängig von der Lage in anderen Landesverbänden – und denen geht es derzeit ja nicht anders als dem BFV. Deshalb ließen sich im Fall des Falles sicher Lösungen für diese Wettbewerbe finden: Das Pokalfinale und die Aufstiegsspiele könnten auf spätere Termine verschoben werden – und damit wäre für die Partien in der Bremen-Liga mehr Zeit gewonnen.

Für Störer hängt nun viel davon ab, ob es in den kommenden Wochen zu Lockerungen kommt und welche Rolle der Amateurfußball dabei spielt: „Wenn wir erst an 25. Stelle der Öffnungen sind, ist es unwahrscheinlich, dass wir den Spielbetrieb noch einmal wieder aufnehmen.“ Dann bliebe wohl nur noch Szenario 4.

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