Fußball

Vatan wieder in der Bremen-Liga

Nach einem Jahr in der Landesliga kehren die Fußballer des KSV Vatan Sport zurück in die Bremen-­Liga. Vater dieses Erfolges ist Trainer Necati Uluisik, der eine neue Mannschaft geformt hat.
28.06.2020, 08:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Nun sind sie wieder da: Nach einem Jahr in der Landesliga kehren die Fußballer des KSV Vatan Sport zurück in die Bremen-­Liga. Möglich wurde der Aufstieg, nachdem der Verbandstag den Abbruch der kompletten Saison beschlossen hatte – der Tabellenzweite Vatan ist nun neben dem OSC Bremerhaven (1.) und dem TuS Komet Arsten (3.) einer von drei Landesligisten, die zukünftig in der Bremen-Liga antreten werden.

Die höchste Spielklasse des Bremer Fußball-Verbandes wird zu diesem Zweck von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt (der FC Oberneuland steigt in die Regionalliga Nord auf). Es wurde schließlich auch beschlossen, dass es keine Absteiger in den Bremer Spielklassen geben soll. „Wegen der Hinrunde sind wir verdient aufgestiegen“, sagt Vatans Coach Necati Uluisik.

Die Hinrunde. Sie war so viel besser verlaufen als gedacht. Die Vorbereitung auf die Spielzeit hatte schließlich nicht einmal die Bezeichnung „durchwachsen“ verdient. Sie war richtig schlecht. „Ich hatte nur noch drei Wochen Zeit und sechs Spieler, die aber auch alle gehen wollten“, erinnert sich Necati Uluisik. Nach dem Abstieg aus der Bremen-Liga hatten zahlreiche Kicker das Weite gesucht, und Trainer Turan Büyükata war dem Ruf des ­Bremer SV gefolgt. Uluisik war gerade erst beim BSV gewesen, als Cotrainer von Ralf Voigt. Er hatte danach eigentlich pausieren wollen und nahm das Angebot von Vatan nur an, weil ihn Präsident Hakan Aktas darum bat. „Wir kennen uns seit vielen Jahren“, so Uluisik. Der Freundschaftsdienst stellte den 36-Jährigen vor eine knifflige Aufgabe: „Wir haben dann aus dem Nichts eine Mannschaft gegründet.“

Die vielen Kontakte aus seiner eigenen Spielerkarriere halfen Uluisik, innerhalb weniger Tage etwas auf die Beine zu stellen. Dabei offenbarte die neue Mannschaft kaum Anlaufschwierigkeiten: Nach drei Unentschieden zum Auftakt überwogen die dreifachen Punktgewinne. Bis zur Winterpause hielt Vatan jedenfalls den Kontakt zum OSC Bremerhaven, lediglich drei Punkte trennten den Zweiten vom Spitzenreiter. Aber es hat schon einen Grund, weshalb der Trainer den Aufstieg ausdrücklich „wegen der Hinrunde“ als verdient bezeichnet. Die Winterpause war schließlich ähnlich schwierig verlaufen wie der vergangene Sommer – nur gab es diesmal kein Happy End. Neben zwei, drei schwerer verletzten Spielern musste sich Vatan zumindest vorerst auch von einigen Kickern verabschieden, deren Spielberechtigung angesichts eines ungeklärten Aufenthalts-Status fraglich war. „Da fehlten uns auf einen Schlag sieben, acht Leute“, sagt Necati Uluisik.

Möglich, dass die Ausfälle im Verlauf des März‘ wieder zur Verfügung gestanden hätten. Aber da hatte Corona den Spielbetrieb ja sowieso lahmgelegt. Zuvor war Vatan in den Spielen gegen den VfL (1:0), den OSC Bremerhaven (1:4) und den FC Huchting (0:2) allerdings nur zu drei Punkten gekommen. „Da hat uns die Qualität gefehlt“, bekennt Uluisik. Und er fügt ehrlich hinzu: „Der Abbruch kam uns gelegen, denn es wäre schwer geworden, den zweiten Platz zu halten.“ Sein Team zählt offenbar zu den wenigen Gewinnern der aktuellen Krise.

Aber für Vatan bedeutet der Aufstieg nun auch einen weiteren Neuaufbau, den dritten innerhalb eines Jahres. „Wir müssen uns verstärken“, sagt Uluisik, der in Gezim Bullari (SV Grohn), Mamadou Sow (DJK Blumenthal) und Michell North (USA) bereits drei Zugänge verpflichtete. Aber das soll längst nicht alles sein. Gemeinsam mit dem neuen Sportlichen Leiter Sinan Baspinar (DJK Blumenthal) will der Vatan-Coach den Kader noch deutlich verstärken. Auf der anderen Seite wird nicht jeder der aktuellen Kicker seinen Platz im Kader behalten. „Ich werde leider aussortieren müssen“, so Necati Uluisik.

Dabei ist die sportliche Seite nur der eine Aspekt seiner Arbeit. Ebenso wichtig ist dem Trainer das Image des Vereins. Es hatte schließlich gelitten in den vergangenen Jahren angesichts zahlreicher Platzverweise, ­Prügeleien und dem Vorwurf von Passfälschungen. „Das A und O ist, wie wir uns präsentieren, ob wir gewinnen, ist zweitrangig“, betont Uluisik. Er sieht in der nun abgelaufenen Saison allerdings einen ersten Schritt. Bis auf die Partie gegen DJK Blumenthal, in der Vatan gleich drei seiner insgesamt vier Platzverweise kassierte, sei die Spielzeit ruhig verlaufen. „Die Gegner sind angenehm überrascht, man hört nur Positives“, sagt der Trainer stolz. Dabei ist sein Engagement für ein faires und geräuschloses Auftreten keineswegs uneigennützig: „Ich will auch nicht in einem Verein sein, wo das Image den Bach runter geht.“

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