Fußball-Bundesliga der Frauen Ein ziemlich ungleiches Duell

Mit dem VfL Wolfsburg erwartet Aufsteiger Werder das beste deutsche Frauen-Team der vergangenen Jahre. Obwohl die Gastgeberinnen bis vor einer Woche in Quarantäne waren, hoffen sie auf ein gutes Ergebnis.
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Von Stefan Freye

Der VfL Wolfsburg kommt. Also jene Mannschaft, die als Maß der Dinge im deutschen Frauenfußball gilt, seit vielen Jahren. Jenes Team, das nun viermal in Folge das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen hat, das immer zu den Favoriten in der Champions League zählt. Dieser VfL Wolfsburg wird am Sonntag (14 Uhr) auf Platz 11 zu Gast sein und sich mit dem SV Werder um Punkte in der 1. Frauen-Bundesliga duellieren. „Wir haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen“, sagt Alexander Kluge. Der Trainer möchte auch gegen den aktuellen Zweiten der Liga etwas holen. „Grundsätzlich wollen wir in jedem Spiel punkten“, betont Kluge. Sein Wunsch richtet sich also auf ein gutes Ergebnis. Er hält dieses gleichwohl für „nicht definierbar“. Soll heißen: Am Ende könnte womöglich auch eine Niederlage noch als gutes Ergebnis durchgehen. Es kommt auf den Spielverlauf an.

Dabei leitet sich diese Perspektive nicht allein vom Status der beiden Teams ab. Zwar tritt Werder als Aufsteiger sowieso in der Außenseiterrolle zum Duell mit dem Titelverteidiger an. Die jüngste Zwangspause kommt aber noch erschwerend hinzu. Denn während der VfL die Siege gegen Eintracht Frankfurt (3:0) und den MSV Duisburg (3:1) landete, befanden sich die Bremerinnen in Quarantäne. Erst seit vergangenem Sonntag durfte nach zweiwöchiger Auszeit wieder trainiert werden. „Da ist nun konditionell ein bisschen was weg“, sagt Alexander Kluge. Aber nicht nur die körperliche Verfassung hat gelitten. Auch die Stimmung lässt sich nicht so leicht wiederherstellen – und sie war richtig gut gewesen vor der Pause.

Im Oktober hatte sich Werder mit Siegen gegen Meppen (2:1) und Sand (1:0) viel Luft im Abstiegskampf verschafft und dank des 2:0 bei Fortuna Köln auch im DFB-Pokal durchgesetzt. Der unglücklichen 1:2-Niederlage in Freiburg hatte das Kluge-Team im November noch einen spektakulären 5:3-Heimsieg gegen den MSV Duisburg folgen lassen. Der neunte Tabellenplatz wurde gefestigt. „Es war in jedem Spiel noch Luft nach oben, aber im Großen und Ganzen stimmte die Richtung“, findet der Werder-Trainer. Man sei jedenfalls optimistisch zum Spiel nach Potsdam gereist, als die Mannschaft auf der Busfahrt von zwei positiven Corona-Tests überrascht wurde – kurz hinter Hannover. Deshalb sind die positiven Erfahrungen „leider ein paar Tage her“, wie Kluge sagt.

Keine Chance mehr auf das so wichtige Selbstvertrauen aus den überwiegend positiven Spielen? Doch, findet der Trainer: „Das ist schon noch in den Hinterköpfen.“ Geblieben ist allerdings auch die Erinnerung an dieses 5:3 gegen Duisburg, als Werder im letzten Punktspiel gegen einen keineswegs offensivstarken Gegner viel zu viel zugelassen hatte. „Wir wollten zwar unbedingt gewinnen und waren um offensive Akzente bemüht, aber wir standen da auch einfach nicht gut“, so Kluge. Der Trainer hält die mangelnde Defensivleistung zwar für einen Ausrutscher innerhalb einer ansonsten positiven Entwicklung der Defensive. Die diversen Ausfälle im hinteren Bereich seiner Mannschaft erforderten gleichwohl eine Reaktion: Seit dieser Woche zählt Franziska Jaser zum Kader, die Innenverteidigerin kommt von Kristianstads DFF aus der ersten Liga Schwedens. Deshalb ist die 24-Jährige auch erst im neuen Jahr spielberechtigt.

Franziska Jaser steht gegen den VfL Wolfsburg nicht zur Verfügung, Anna Hausdorff dagegen schon. Die zentrale Abwehrspielerin stieg am Sonntag nach längerer Verletzungspause ins Training ein und ist nun eine Kandidatin für den Kader am Sonntag. „Sie hat ohne Probleme trainiert“, sagt Kluge, will sich zur genauen Rolle der Rückkehrerin aber nicht äußern. Es ist vermutlich auch relativ egal, mit welcher Startelf sein Team antritt – es kommt auf jeden Fall eine Herausforderung auf Werder zu. Eine „brutale Qualität“, wie Alexander Kluge sagt. Den Trainer lässt es ziemlich kalt, dass der VfL vor den Siegen gegen Frankfurt und Duisburg das Spitzenspiel gegen den FC Bayern überraschend deutlich mit 1:4 verloren hatte. Man müsse nach dieser Partie einfach die Qualität des Meisterschaftsrivalen anerkennen: „Bayern spielt eine saustarke Saison.“ Eine Vorentscheidung im Titelkampf sei mit dem klaren Ausgang des Spitzenspiels allerdings nicht verbunden – und ein Vorteil für Werder ergäbe sich aus dem verlorenen Duell auch nicht. „Das ist für Wolfsburg doch längst abgehakt“, sagt Alexander Kluge.

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Pia Wolter als Nationalspielerin an alter Wirkungsstätte

Der 1. Dezember war ein besonderer Tag für Pia Wolter. Da trat die 23-jährige Bremerin in Irland zu ihrem ersten Länderspiel für die A-Nationalmannschaft des DFB an. „Die Saison war lang, aber es war sportlich ein positives Jahr, und die Nominierung hat mir einen zusätzlichen Schub gegeben“, sagt Wolter, 2018 von Werder zum VfL Wolfsburg gewechselt. Insofern steht die Außenbahnspielerin vor einem besonderen Spiel am Sonntag – die Verbindung ist schließlich noch eng. „Ich freue mich sehr, dass Werder in der Tabelle so gut dasteht“, sagt Pia Wolter, Tochter von Thomas Wolter, ehemaliger Profi und mittlerweile Sportlicher Leiter im grün-weißen Leistungszentrum. Die Nationalspielerin hofft auch durchaus auf den Klassenerhalt ihres ehemaligen Teams. Angesichts eines Rückstandes des VfL von fünf Punkten auf den FC Bayern („Sie waren einfach stärker beim 4:1“) wird Pia Wolter gleichwohl auf Sieg spielen: „Wichtig ist, keine Punkte mehr liegen zu lassen.“

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