2. Fußball-Bundesliga der Frauen Gala-Auftritt von Werders Selina Cerci

Die Bremer Stürmerin erzielt beim 4:0 über das Zweitliga-Schlusslicht 1. FFC Frankfurt II alle vier Tore und ist die herausragende Spielerin einer ansonsten geschlossen guten und dominierenden Mannschaft.
29.09.2019, 16:33
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Gala-Auftritt von Werders Selina Cerci
Von Jörg Niemeyer

So schnell kann es gehen: Eine Woche zuvor, beim 2:1-Sieg des SV Werder in Meppen, hatte Selina Cerci noch vier klare Chancen ausgelassen. Am Sonntag, im Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt II, war die 19-Jährige die Frau des Tages. Sie erzielte beim 4:0 des Zweitliga-Tabellenführers über das Schlusslicht alle vier Tore und bewies beim Abschluss ihre Vielseitigkeit. Ein herrlicher Schlenzer, ein Schuss aus vollem Lauf, ein Abstauber und ein Treffer nach einer Ecke: Selina Cerci deckte die volle Bandbreite einer guten Angreiferin ab.

„Es fühlt sich einfach gut an“, sagte Cerci, „ich bin glücklich, dass heute jeder Schuss ein Treffer war.“ Vier Tore in einem Spiel – die waren ihr bislang erst einmal geglückt, noch in der U 17 für den Magdeburger FFC in einer Partie gegen Union Berlin. Jetzt schnürt sie nach dem Wechsel vom FC Bayern II in ihrer zweiten Saison für die Bremerinnen die Schuhe. Und mit nunmehr sechs von bislang 15 Werder-Toren ist sie aktuell auch Toptorschützin ihres Teams. Trainer Alexander Kluge schätzt an der Stürmerin das Verhalten in Eins-gegen-eins-Situationen und eigentlich auch ihre Abschlussstärke – obwohl sie gegen Meppen „die Seuche am Fuß hatte“. „Vielleicht war sie deshalb heute noch ein bisschen motivierter als sonst“, vermutete Kluge. In Sachen Konstanz, auch das ließ sich aus den jüngsten beiden Auftritten herauslesen, sehen Trainer und Spielerin selbst noch Verbesserungspotenzial. „Manchmal fehlt mir die nötige Entschlossenheit“, sagte Cerci.

Gegen Frankfurt hatte sich die 19-Jährige jedoch eine Eins mit Sternchen verdient. Mit ihrem tollen Schuss ins lange Eck stellte sie in der 20. Minute die Weichen auf Sieg, nachdem 60 Sekunden zuvor ein abgefälschter Schuss von Verena Volkmer noch an die Latte des Gäste-Tores geklatscht war. In der 29. Minute marschierte Cerci nach Steilpass von Volkmer dann allein aufs Tor zu und überwand Keeperin Da-Hye Lee mit einem trockenen Schuss aus 14 Metern zum 2:0.

Das Zwischenergebnis entsprach voll dem Spielverlauf. Werder kontrollierte das Geschehen, machte über die linke Seite mit der schnellen Giovanna Hoffmann viel Druck und hatte mit Cerci eine effektive Stürmerin. Und doch hätten die Gäste kurz vor der Pause auf 1:2 verkürzen können, nachdem Innenverteidigerin Michelle Ulbrich ein katastrophal kurzer Rückpass unterlaufen war. Celine Karich erlief den Ball, scheiterte aber an der überragend parierenden Torfrau Anneke Borbe. „Wenn eine Spielerin einen Fehler macht, ist eine andere zur Stelle. Wir sind als Team heute sehr gut aufgetreten“, sagte Trainer Kluge, der auch den brenzligen Situationen letztlich etwas Positives abgewinnen konnte.

„Manchmal machen wir uns das Leben mit kleinen Fehlern selbst schwer“, stellte auch Mannschaftsführerin Luisa Wensing fest, die sich aber – wie der Coach – darüber freute, dass „wir unsere Fehler selbst wieder ausgebügelt haben“. Das war auch in der 70. Minute nötig, als die ansonsten sehr umsichtige Michelle Ulbrich einen zweiten Aussetzer hatte. Luisa Wensing rettete mit letztem Einsatz gegen Chiara Hahn. Zu diesem Zeitpunkt stand es aber schon 3:0 für Werder, nachdem Cerci nach einem Freistoß von Katharina Schiechtl und zu kurzer Abwehr von Torfrau Lee zum dritten Mal getroffen hatte. Auch beim 4:0 in der 75. Minute stand Cerci nach Ecke der eingewechselten Cindy König im Strafraum goldrichtig. Danach trafen Katharina Schiechtl (82.) und die ebenfalls eingewechselte Adina Hamidovic in der Nachspielzeit noch Latte und Pfosten des gegnerischen Tores.

Wenn es also überhaupt etwas zu bemängeln gab am Auftritt des Spitzenreiters, war es seine Chancenverwertung. Alexander Kluge nahm das natürlich zur Kentnnis, würdigte aber auch diesbezüglich das Gute. „Wir bekommen es von Woche zu Woche besser hin, uns Chancen herauszuarbeiten und das Spiel zu kontrollieren“, sagte er. Sichtbarer Ausdruck der Bremer Stärke ist der erste Tabellenplatz. Fünf Siege und ein Unentschieden aus den bisherigen sechs Spielen: Der SV Werder befindet sich auf dem besten Weg, die Rückkehr in die 1. Bundesliga zu schaffen.

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