Zukunft des African Football-Cups nach Sitzstreik ernsthaft in Gefahr Gambia lässt Halbfinale platzen

Der Höhepunkt der negativen sportlichen Begleiterscheinungen beim 9. African Football-Cup ist erreicht. Nach zwei Spielabbrüchen und dem Nichtantreten von Algerien in den Vorrundenspielen sorgte Gambia im zweiten Halbfinale für neuerliche negative Schlagzeilen. Mit einer Sitzblockade verhinderte das Team die Austragung des zweiten Halbfinals zwischen Angola und Togo. Zuvor hatte die Republik Kongo mit einem 3:2 gegen Kamerun das Finale am 4. August erreicht.
25.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus-peter Berg

Der Höhepunkt der negativen sportlichen Begleiterscheinungen beim 9. African Football-Cup ist erreicht. Nach zwei Spielabbrüchen und dem Nichtantreten von Algerien in den Vorrundenspielen sorgte Gambia im zweiten Halbfinale für neuerliche negative Schlagzeilen. Mit einer Sitzblockade verhinderte das Team die Austragung des zweiten Halbfinals zwischen Angola und Togo. Zuvor hatte die Republik Kongo mit einem 3:2 gegen Kamerun das Finale am 4. August erreicht.

Bremen. Seinen Geburtstag hatte sich Tala Awolola vom Pan Afrikanischen Kulturverein wahrlich harmonischer vorgestellt. Denn dass das zweite Halbfinale zwischen Angola und Togo nicht durchgeführt werden konnte, war auch für ihn nicht vorhersehbar. Auslöser war eine Sitzblockade von Gambia direkt zu Spielbeginn. Die Mannschaft fühlte sich ungerecht behandelt und sah sich und nicht Togo als Halbfinalgegner von Angola.

Grund der Irritation: Die Turnierausschreibung. Die sah vor, dass die drei Gruppensieger und der beste Gruppenzweite die Halbfinals spielen würden. Gambia als Zweiter der Gruppe C empfand sich (relativ gesehen) mit vier Punkten besser als Togo, das in Gruppe A mit sechs Punkten Zweiter geworden war. Klar ist: Sechs Punkte sind besser als vier. Aber Gruppe C spielte nur mit drei Mannschaften – und da waren dann ja ohnehin nur sechs Punkte maximal möglich. Gambia hatte mit einem Sieg und einem Unentschieden vier Zähler geholt – war aber aufgrund des schlechteren Torverhältnisses nur Zweiter der Gruppe. "Relativ haben wir besser abgeschnitten als Togo, deswegen sind wir der rechtmäßige Halbfinalgegner von Angola", so die Argumentation der Gambia-Kicker und deren Betreuer.

Zwar hatten schon direkt nach dem letzten Spieltag die Diskussionen über den Modus begonnen (wir berichteten). Aber wie die Verhandlungen und Diskussionen im Laufe der vergangenen Woche ausgegangen sind, darüber gab es auf und neben dem Platz an der Pauliner Marsch unterschiedliche Aussagen – allerdings keinerlei schriftliche Protokolle. "Wir haben klar gesagt, dass es Togo ist und nicht Gambia", sagte Awolola, der auch per Mikrofon die erhitzen Gemüter nicht beruhigen konnte. "Und eigentlich hat Gambia dem auch zugestimmt. Dafür gab es für sie auch den Fairnesspreis. Dass die Mannschaft heute gekommen ist und das Spiel blockiert hat, hat mich überrascht und sehr traurig gemacht."

Auch Togos Trainer Elor Senayah konnte die Geschehnisse kaum fassen: "Gambia hat mit dieser Handlungsweise dem Turnier einen Bärendienst erwiesen. Was die Mannschaft hier macht, ist nicht legal und weit weg von jeder Fairness und dem Gedanken des Turniers zur Freundschaft und Völkerverständigung." Er sprach beruhigend auf seine Kicker ein und riet, jegliche Konfrontation in der recht aufgeheizten Stimmungslage mit Spielern und Betreuern aus Gambia zu vermeiden. "Die hatten uns angeboten, schnell ein Elfmeterschießen auszutragen, um so den Gegner von Angola zu ermitteln. Das aber haben wir abgelehnt. Da könnte man ja auch gleich losen. Wir glauben, dass wir zurecht im Halbfinale stehen", so Senayah.

Das Schiedsrichtergespann sagte schließlich nach über einer halben Stunde Wartezeit die geplante Partie ab. "Gambia versucht mit dieser Aktion das Organisationskomitee zu erpressen. Das darf man nicht erst einreißen lassen. Deswegen war die Absage die einzig mögliche Entscheidung", so die Argumentation.

Immerhin haben die erhitzten Gemüter jetzt zwei Wochen lang Zeit, sich zu beruhigen. Denn nächsten Sonntag ist spielfrei. Wie das Turnier allerdings am Sonntag, 4. August, beendet werden soll, darüber muss noch im Laufe der nächsten Tage entschieden werden. Sicher ist nur, dass der Kongo nach dem 3:2-Sieg gegen Kamerun im Finale steht und Kamerun um Platz drei kämpft. Wer die Gegner sein werden, muss noch ermittelt werden. Überhaupt ist die Zukunft des traditionsreichen Turniers, das vor allem bei den Zuschauern so großen Zuspruch findet, nach dieser Aktion stark gefährdet. "Ob nach diesem Chaos überhaupt noch jemand bereit ist, das Turnier zu organisieren, kann man kaum glauben", sind auch die Schiedsrichter überzeugt.

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