Kommentar zur Sixdays-Entscheidung Ganz schlechtes Handwerk

Bremen. Schlechter hätte die Vergabe des Bremer Sechs-Tage-Rennens nicht laufen können. Und wer das zu verantworten hat, muss sich fragen lassen, ob er für seine Aufgaben wirklich befähigt ist. Ein Kommentar von Jürgen Hinrichs.
20.01.2011, 10:29
Lesedauer: 2 Min
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Ganz schlechtes Handwerk
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Schlechter konnte es nicht laufen, und wer das zu verantworten hat, muss sich fragen lassen, ob er für seine Aufgaben wirklich befähigt ist – so dermaßen dilettantisch, wie die Vergabe des Sechstagerennens angepackt wurde. Zuerst staunten die Verantwortlichen wie die Kinder, auf welche Formalitäten sie sich mit ihrer Ausschreibung nach europäischem Vergaberecht eingelassen hatten. Das wussten sie nicht und gaben es sogar zu. Die Folge: Statt wie geplant im November, also rechtzeitig vor Beginn der nächsten Sixdays, kam die Entscheidung erst nach dem Rennen. Sponsoren gewinnt man anders, mit Planungssicherheit, und deswegen war es Pfusch, ganz schlechtes Handwerk.

Noch gravierender aber, dass nie versucht wurde, im Vorfeld der Ausschreibung mögliche Allianzen auszuloten und für den Fall vorzusorgen, dass neben Minder kein anderer Bewerber die nötigen Qualifikationen mitbringt. So kam es dann, wie es widersprüchlicher nicht kommen konnte: Das Wirtschaftsressort und die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) – angetreten, um Minder aus dem Rennen zu kicken, weil sie sein Veranstaltungskonzept für hoffnungslos veraltet halten – zogen denselben Minder plötzlich wieder aus dem Hut. Ohne ihn geht es nicht, lautete der Tenor. „Minder“, so wörtlich, „hat das Rennen immer am überzeugendsten verkörpert.“

Ja, was denn nun? Ein Hin und Her, und wieder ein Fehler. Minder nämlich dachte gar nicht daran, sich vor irgendeinen anderen Karren spannen zu lassen. Die Stadt aber wollte genau das: Dem lang gedienten Sixdays-Macher mit all seiner Erfahrung und all seinen Kontakten einen neuen Betreiber an die Seite stellen. Kein schlechter Gedanke, aber ganz schlechtes Timing. Genau eine solche Konstellation hätte man lange vor der Ausschreibung anstreben sollen, einen sanften Übergang, vielleicht sogar mit zeitweiser Beteiligung der Stadt. So spät aber den streitbaren Minder auf eine Seite ziehen zu wollen, die ihm eigentlich nicht behagt, weil er ein stolzer Impresario ist und nicht abgeben mag, war von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Minder ist nun Geschichte, und noch bevor die Entscheidung bekannt gegeben wurde, warf die Stadt ihm Dreck hinterher. All die Jahre haben die Wirtschaftsförderer überall in der Republik mit den Sixdays geworben und gerne übernommen, was der Veranstalter an Besucherzahlen veröffentlichte. Gestern wurden die Zahlen plötzlich angezweifelt, und zwar massiv. Dabei konnte jeder, der Augen im Kopf hat, in den Hallen sehen, dass Minder gerne aufrundet, um es höflich zu sagen. Ihm das in frechem Ton auf einmal vorzuhalten, obwohl man es die ganze Zeit wusste, ist mieser Stil.

Die neuen Macher der Sixdays müssen sich nun beweisen – in relativ kurzer Zeit und ohne dass sie bei den zu Ende gegangenen Sixdays Gelegenheit hatten, schon mal ein paar Sponsoren an die Angel zu kriegen. Theo Bührmann ist ein junger Mann, der ganz neu ist im Veranstaltungsgeschäft – überaus ehrgeizig, dass er sich gleich so einen Brocken vornimmt. Aber er ist ja nicht allein und hat mit der Nehlsen-Tochter Elko einen starken Partner, der hervorragend in der Stadt vernetzt ist. Aufpassen sollte Bührmann nur beim dritten Gesellschafter der neuen Betreibergemeinschaft: Es ist die WFB – eine Organisation, die sich zusammen mit dem Wirtschaftsressort bei der Vergabe des Sechstagerennens so viele Schnitzer erlaubt hat, dass man kein rechtes Zutrauen mehr hat.

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