Die Wett-Mafia und der Amateurfußball

Gefahr auch in der Bremen-Liga

Bremen. Das Thema "Sportwetten und Manipulation" ist ein weites Feld. Das merkten auch die Teilnehmer aus den Vereinen an einer Informationsveranstaltung beim Bremer Fußballverband. Ein Ergebnis: Gefahr lauert auch in der Bremen-Liga.
09.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Gefahr auch in der Bremen-Liga

Laut "Sportradar" werden in Deutschland auf Fußballspiele jährlich 30 Milliarden Euro verwettet.

dpa

Bremen. Heute geht es los. Um 19 Uhr eröffnen die Fußballer des OSC Bremerhaven und des FC Sparta Bremerhaven die Bremen-Liga-Saison 2013/2014. Die Gefahr, dass diese Partie manipuliert werden soll, ist gering.

Die Spiele im Bereich des Bremer Verbandes stehen selten unter Verdacht. Ausgeschlossen ist eine Beeinflussung allerdings nicht. Schließlich besteht die Möglichkeit, auf manche Spiele in der fünften Spielklasse zu wetten, und wo gewettet wird, da wird offenbar auch manipuliert. "Das ist eine neue Gefahr für die Integrität des Fußballs", sagt Markus Stenger.

Der Abteilungsleiter Spielbetrieb beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte seinen Kollegen Jens Futterknecht, Maximilian Schmidt (Sportradar) und den Ombudsmann Carsten Thiel von Herff mitgebracht. Am Mittwochabend wollte das Quartett den Fußballern und Funktionären der Bremen-Liga das Thema Sportwetten näherbringen. Ein schwieriges Unterfangen.

Das begann schon beim Interesse an der rund dreistündigen Veranstaltung. Lediglich 13 der 16 Vereine fanden den Weg zum Bremer Fußballverband ins Weserstadion. "Ich hätte schon erwartet, dass alle vertreten sind", fand Heinz Günter Schmidt, Vorsitzender des Spielausschusses. Es gab nämlich eine Menge zu hören. Nicht wenige der rund 25 Teilnehmer (Spieler und Funktionäre) meinten, die Flut an Informationen wäre sogar zu groß gewesen. Ihnen ging es wie Tobias Kruschke. "Das war wichtig und interessant, aber zu viel – vor allem die Eigenwerbung von Sportradar", fand der Abwehrspieler von OT Bremen.

Ja, Sportradar nahm tatsächlich einen großen Raum ein. Das Unternehmen bezeichnet sich als "weltweit führender Anbieter von Wettdaten" und zählt eigentlich alle großen Fußballverbände zu seinen Kunden. Auch für den DFB überwacht und analysiert Sportradar Fußballspiele. Also hatte Maximilian Schmidt schon mal sehr viele Zahlen zu bieten.

Etwa, dass weltweit rund 750 Milliarden Euro für Sportwetten ausgegeben werden und davon immerhin 30 Milliarden auf deutsche Fußballspiele entfallen. Richtig gestaunt wurde im Multisaal des BFV, als Schmidt die Zahl für die fünften Ligen nannte. Denn auf Partien auf der Ebene der Bremen-Liga werden pro Saison noch 500 Millionen Euro verwettet. Die Oberligen sind also ein Thema im weltweiten Wettmarkt, der zu rund 90 Prozent in Asien platziert ist.

Wo viel Geld umgesetzt sind, fehlen aber auch die Foulspieler nicht. Die Losung "hohe Gewinne, geringes Risiko", würde immer mehr Kriminelle anziehen, sagt Maximilian Schmidt. Kriminelle im Wettgeschäft – das sind Leute, die Spiele manipulieren, um dann viel Geld auf den verabredeten Ausgang zu setzen. An dieser Stelle wird es allerdings kompliziert. Denn auch Sportradar kann natürlich nur Indizien und keinen Beweis für eine Manipulation liefern – darin besteht ja gerade das geringe Risiko einer Wettmanipulation. Ein Verdacht allein bringt die ganze Sache aber nicht voran. Das weiß man beim DFB, und das weiß auch der Ombudsmann. "Ein schwieriges Thema, es gilt ja auch bei uns die Unschuldsvermutung", sagt Carsten Thiel von Herff, neben seiner Funktion als Vertrauensmann auch Rechtsanwalt in Bielefeld. Aus diesem Grund würde man ja auch bei der Prävention ansetzen.

Ein wichtigstes Merkmal der Vorbeugung ist der Ombudsmann selbst. Er sei unabhängig und stehe jedem Spieler zur Verfügung, so Thiel von Herff. Wer zur Manipulation aufgefordert wurde oder einen Verdacht hat, könne sich an ihn wenden, und wenn der Informant es wünsche, dann werde seine Angelegenheit auch vertraulich behandelt. Wichtig sei es für die Aktiven allerdings auch, grundsätzlich Vorsicht walten zu lassen – hinsichtlich der Informationen, die sie an Dritte weitergeben, und hinsichtlich ihrer Kontakte. Viele Wettmanipulationen würden nämlich mit einem neuen Bekannten beginnen, der später die Schwachstellen eines Spielers ausnutzt, um ihn zur Manipulation zu bewegen. Wer dann mitmacht, begeht strafrechtlich einen Betrug.

Aber auch das schlichte Wetten ist in vielen Fällen mit Sanktionen verbunden – wegen der umfassenden Wettverbote in den Spielordnungen von DFB und BFV. Sie gelten nämlich auch für Amateurfußballer. Danach dürfen die Kicker nicht auf die eigene Mannschaft und ihre Wettbewerbe wetten, und auch nicht auf andere Teams/Wettbewerbe des eigenen Vereins. Ebenso wenig ist es ihnen erlaubt, andere Personen mit entsprechenden Wetten zu beauftragen. Ein Verstoß gegen diese Regeln wird als unsportliches Verhalten gewertet und kann eine Sperre nach sich ziehen.

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