Werder lässt im Test gegen Cottbus neue Ausrichtung erkennen / Elia trifft beim 1:1 Gefühlte Offensive

Mit einem 4-1-4-1-System spielt sich Werder für die neue Saison ein. An der personellen Besetzung aber soll sich noch etwas ändern – das Geld dazu ist vorhanden.
21.07.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Gefühlte Offensive
Von Thorsten Waterkamp

Mit einem 4-1-4-1-System spielt sich Werder für die neue Saison ein. An der personellen Besetzung aber soll sich noch etwas ändern – das Geld dazu ist vorhanden.

Zell am Ziller. Die Zukunft begann im strömenden Regen. Werder Bremen hat gestern den ersten Ernstfall in einer neuen Bremer Fußball-Zeitrechnung geprobt und mit einem 1:1 (1:0) gegen Zweitligist Energie Cottbus abgeschlossen. Wichtiger als das Ergebnis in diesem Test war die taktische Erkenntnis: Der Bundesligist – in der Vergangenheit für sein Offensivspektakel gerühmt – sucht wieder den Weg nach vorn.

Es war letztlich gestern Abend keine Überraschung, was Thomas Schaaf in der Grundaufstellung auf den Platz brachte. Werders Chefcoach hatte es die ganze Trainingslager-Woche üben lassen, zuletzt noch am Vormittag. Aus einer Vierer-Abwehrkette geht es über den Sechser auf eine Viererreihe im Mittelfeld, die den einzigen Stürmer füttern soll. Oder im taktischen Zahlen-Code: 4-1-4-1.

Das passte gestern gegen Cottbus schon mal in Ansätzen. "Es war ein Härtetest", sagte Sebastian Prödl später: "Wir haben über weite Strecken einiges gezeigt, aber wir haben auch über weite Strecken einiges vermissen lassen." Einige Kombinationen liefen durchaus gefällig, der Spielfluss aber geriet auch immer wieder ins Stocken. Trotzdem: Das Wesentliche trat hervor. "Es ist zu erkennen", stellte Innenverteidiger Prödl fest, "dass wir mit dem neuen System einen Tick offensiver werden."

Das 1:0 von Eljero Elia war ein gutes Beispiel dafür, wie es laufen soll. Ein schneller Angriff, eine gelungene Kombination vor dem gegnerischen Strafraum, und plötzlich hatte Philipp Bargfrede den Neuzugang freigespielt. Mit einem perfekt gezogenen Schlenzer überwand Elia den Cottbuser Torwart Thorsten Kirschbaum (33.).

"Ein sehr schönes Tor" nannte auch Thomas Schaaf den Treffer des Niederländers, der im ersten Abschnitt dank seiner enormen Schnelligkeit auf der linken Außenbahn der auffälligste Bremer war. Lob gab es vom Trainer jedoch nicht nur für Elia: "Sie haben alle ihre Sache gut gemacht", urteilte Schaaf, wollte dabei aber das Taktik-Thema nicht so hoch hängen. Nein, so besonders offensiv sei man mit der Grundformation gar nicht gewesen, wiegelte er ab: "Wir wollten aktiv sein und haben früh gestört – deshalb das eher offensiv gefühlt." Immerhin: Die taktische Umsetzung habe gut geklappt.

Der Auftritt vor der Pause, als Schaaf bis auf Torwart Sebastian Mielitz und Kapitän Clemens Fritz weitgehend die Top-Kräfte einsetzte, war der deutlich bessere Part. Nach der Pause fehlten Abstimmung und am Ende auch die Kraft deutlich. In der letzten halben Stunde hatte der FC Energie, der bereits am 3. August gegen Ingolstadt in die Zweitliga-Saison startet, mehr vom Spiel. So kam der Zweitligist verdient zum Ausgleich durch Daniel Adlung (85.). Das Tor allerdings wurde begünstigt durch mehrere Fehler von Florian Trinks, Aleksandar Stevanovic und Mielitz, der zu zögerlich aus seinem Tor herauslief. Personell wird Werder in jedem Fall aufstocken. Auf welchen Positionen das nötig ist, wollte Schaaf gestern Abend allerdings nicht sagen: "Das brauchen wir jetzt nicht genau zu definieren." Geld ist nach dem Naldo-Verkauf da – eventuell in einer Größenordnung, die dem 5,5-Millionen-Euro-Transfer von Eljero Elia nahekommt.

Infront entscheidet

Bei der Suche nach neuem Hauptsponsor hat Werder kein Veto-Recht

Zell am Ziller. Die gute Nachricht trägt die Farbe schwarz. Schwarz sind sie, die Auswärtstrikots von Werder, und sie sind der Renner im Bremer Fanartikelverkauf. "Ausverkauft", stellte Marketing-Geschäftsführer Klaus Filbry gestern fest, sei das Hemd. Auch das führt zu einem Verkaufsrekord – viermal so viele Trikots wie vor einem Jahr hat Werder aktuell abgesetzt. Die Sache mit der Wertschätzung der Oberbekleidung hat nur einen Haken, und das ist die weiterhin weniger gute Nachricht: Die Brust ist immer noch blank.

"Das ist keine gute Situation, da müssen wir nicht drumherum reden", stellte Filbry gestern Nachmittag in Zell am Ziller fest. Mit zwei, drei Unternehmen führe die Vermarktungsagentur Infront zurzeit "intensive Gespräche", sieben weitere potenzielle Werbepartner "haben die Unterlagen vorliegen". Bis zum Saisonbeginn soll eine Entscheidung gefallen sein.

Interessant: Infront verhandelt nicht nur, sondern hat auch die Entscheidungsgewalt, wer am Ende den Zuschlag bekommt. In der Vergangenheit war immer wieder von einem Bremer Veto-Recht die Rede gewesen. So aber hätte die Ablehnung eines Infront-Kandidaten Folgen für Werder: "Wenn wir ablehnen, würden wir ins Risiko gehen." Momentan ist die Situation für die Grün-Weißen noch komfortabel. Bis ein neuer Hauptsponsor gefunden ist, muss Infront zahlen.

Wenn schon nicht an der Spitze der Sponsorenpyramide, so macht Werder zumindest im Unterbau weitere Fortschritte. Mit dem Sportwettenanbieter Tipico hat der Klub einen neuen Top-Sponsor bekommen. In diesem Segment zahlen Geldgeber jährlich etwa eine Million Euro, das Engagement mit Tipico ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Die gesamten Sponsoringeinnahmen, unabhängig vom Hauptsponsor, seien damit binnen Jahresfrist um drei Millionen Euro gestiegen.

Allerdings ist die Zusammenarbeit mit privaten Wettanbietern grundsätzlich juristisch heikel. Werder machte diese Erfahrung mit seinem früheren Hauptsponsor "bwin". Sorgen, dass es zu ähnlichen Problemen kommt, hat Filbry nicht: Es gebe zwar weiterhin eine "juristisch nicht vorhandene Klarheit", allerdings "sind wir der Meinung, dass wir uns auf einem einigermaßen sicheren Terrain bewegen".

Werder Bremen (1. Halbzeit): Wolf – Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Schmitz – Bargfrede – Arnautovic, Junuzovic, Hunt, Elia – Petersen (32. Avdic)

Werder Bremen (2. Halbzeit): Mielitz – A. Stevanovic, Lukimya, Kroos, Hartherz – Trybull – Trinks, Fritz, Ignjovski, Füllkrug – Avdic (60. Wurtz)

FC Energie Cottbus: Kirschbaum – Engel, Hünemeier, Möhrle, Ziebig (46. Bittroff) – Banovic (63. Roger) – Adlung, Kruska, Farina (46. Sörensen) – Fenin (63. Stiepermann), Sanogo (66. Glasner)

Zuschauer: 800

Gelbe Karten: - / Kruska, Möhrle, Stiepermann

Tore: 1:0 Elia (33.), 1:1 Adlung (85.)

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