Stadtweite Sportangebote gefordert

Der Kampf gegen den Bewegungsmangel

Bremens frühere Senatorin und LSB-Präsidentin Ingelore Rosenkötter macht sich stark für Angebote, die möglichst bald über das gesamte Stadtgebiet verteilt sein sollten. Dafür wird allerdings Geld benötigt.
07.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Kampf gegen den Bewegungsmangel
Von Jörg Niemeyer
Der Kampf gegen den Bewegungsmangel

Viele Kinder und Erwachsene, viele Angebote zum Mitmachen: Ähnlich wie beim Spieltreff im Bürgerpark, könnte sich Ingelore Rosenkötter Angebote in allen Stadtteilen vorstellen.

Martina Krause

#BewegtEuch: Unter diesem Motto hat die Tübinger Notärztin Lisa Federle Anfang dieser Woche eine Initiative auf den Weg gebracht, die in Corona-Zeiten Kinder und Jugendliche endlich wieder in Bewegung bringen möchte. Wenn es doch nur so einfach wäre. Seit Monaten scheitert das Vorhaben nicht am guten Willen von Sportlern gleich welchen Alters, sondern an der Gelegenheit, sich betätigen zu dürfen.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen leiden auch die Erwachsenen und ganz besonders die Seniorinnen und Senioren, bei denen fehlende Bewegung nach langer Zeit schlimmstenfalls zur Bewegungsunfähigkeit führen kann. „Vereinsübungsleiter von Senioren befürchten, dass ihre Mitglieder die gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr wettmachen können“, sagt Ingelore Rosenkötter. Auch angesichts solcher Aussagen sorgt sich die Präsidentin des Bremer Turnverbands um das Wohlbefinden und die Fitness der Menschen. „Kinder verlieren Grundfertigkeiten, bei ihnen verschiebt sich die Entwicklung um Jahre“, sagt die 67-Jährige.

Ingelore Rosenkötter weiß, wovon sie spricht. Von 2006 bis 2011 war die SPD-Politikerin als Senatorin unter anderem zuständig für die Bereiche Gesundheit und Soziales, zuvor war sie von 1998 bis 2006 Präsidentin des Landessportbundes Bremen (LSB). Als ehemalige Vorsitzende von Special Olympics Bremen kennt sie auch die Probleme des Behindertensports genau. Und sie kennt die Strukturen in der Politik, die es dem organisierten Sport beispielsweise wegen unklarer Zuständigkeiten der Ressorts häufig schwer machen, Unterstützung zu bekommen.

Der Vorstoß, mit dem Ingelore Rosenkötter erstmals schon zwei Monate früher als die Notärztin Lisa Federle an die Öffentlichkeit getreten ist, ist aber nicht politisch motiviert, sondern ein Hilferuf. Anfang März hatte die Bremerin ein Schreiben verschickt, in dem sie auf die schwierige Situation der Sportvereine im Allgemeinen und den Corona-bedingt erzwungenen Bewegungsmangel im Speziellen eingeht. Eine Woche später legte sie mit einem Diskussionsvorschlag – sie selbst nennt ihn eine Projektskizze – nach. Die Idee dahinter: Auf gut zugänglichen öffentlichen Plätzen in Bremen, Bremen-Nord und Bremerhaven sollen zwischen Mai und September freitags, sonnabends und sonntags Bewegungsangebote für alle gemacht werden.

BTV Verbandstag des Bremer Turnverbandes, Wahl der neuen Präsidentin Ingelore Rosenkötter

Ingelore Rosenkötter, seit 2019 Präsidentin des Bremer Turnverbands.

Foto: Roland Scheitz

„Unsere Erfahrungen über 40 Jahre Spieltreff im Bürgerpark zeigen, dass es ein verlässliches Angebot über eine bestimmte Dauer braucht, um Menschen/Kinder für Angebote zu gewinnen“, schreibt die 67-Jährige in ihrer Projektskizze. Deshalb spricht sie sich auch für ein längerfristiges Angebot und keine eintägige Veranstaltung aus. Der Spieltreff im Bürgerpark wird mitgetragen vom Bremer Turnverband, doch Ingelore Rosenkötter betont, dass sie ihren Vorstoß nicht als Verbandspräsidentin unternommen hat. Es ist die Privatperson Ingelore Rosenkötter, der angesichts der drohenden gesundheitlichen Probleme in der Bevölkerung allmählich der Geduldsfaden reißt.

Aufgrund der Corona-Lage ist es derzeit unmöglich, Veranstaltungen durchzuführen. Trotz der gegenwärtigen Bedingungen scheint es aber ratsam, sich auf die Zeit möglicher Lockerungen vorzubereiten. Auch deshalb hat Ingelore Rosenkötter bereits einige Gespräche geführt, unter anderem mit LSB-Vertretern. „Ich begrüße die Idee“, sagt LSB-Geschäftsführerin Karoline Müller. Doch in welcher Form sie umgesetzt werden könnte, kann sie nicht sagen. Der Dachverband des bremischen Sports werde über die Projektskizze beraten, verspricht sie. „Die Sehnsucht nach Sport ist da, aber er ist gerade schwer zu planen“, sagt Karoline Müller.

Eine Frage wird dabei sicherlich sein, ob und wie der organisierte Sport sich in öffentliche Angebote einbringen kann. Ingelore Rosenkötter schwebt ohnehin ein Projekt vor, an dem der LSB nicht allein beteiligt sein kann. Ein stadtweites Programm brauche auch finanzielle Unterstützung, um Übungsleiter aus den Vereinen, Studierende oder Beschäftigte im Freiwilligen Sozialen Jahr bezahlen zu können. Gelder könnten aus den Senatsressorts Soziales und Gesundheit fließen, sagt Rosenkötter. „Auf jeden Fall sollte das Angebot nicht aus den Sportfördermitteln finanziert werden.“

Ingelore Rosenkötter weiß, dass für die Umsetzung ihrer Idee „viele Player benötigt werden“. Möglicherweise scheitert ihr Vorschlag letztlich auch an ungeklärten Zuständigkeiten. Es dürfte niemanden geben, der Bewegungsangebote quer über die Stadt verteilt ablehnen würde. Aber es ist unsicher, ob sich jemand den Hut aufsetzen würde, um das Projekt an den Start zu bringen. „Es könnten sich gerne mehr engagierte Sportlerinnen und Sportler auch öffentlich äußern“, sagt Karoline Müller. Sie wäre froh, wenn die Politik den Sport immer mitbedenken würde. Ingelore Rosenkötter hofft, dass sich die Bremer möglichst bald dank öffentlicher Angebote wieder gezielt bewegen können. „Spazierengehen ist zwar schön“, sagt sie, „aber es ist nicht genug.“

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