Sind Informationen stecken geblieben?

Wirrwarr um Sportanlagen der Bremer Uni

Es hat ganz offensichtlich erhebliche Störungen in der Kommunikation gegeben: Während Sportvereine und Schulen davon ausgehen, dass Hallen und Plätze geschlossen sind, behauptet die Uni das Gegenteil.
02.09.2020, 06:23
Lesedauer: 4 Min
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Wirrwarr um Sportanlagen der Bremer Uni
Von Jörg Niemeyer
Wirrwarr um Sportanlagen der Bremer Uni

Auch aus der Luft gut zu erkennen: die Sportanlagen auf dem Gelände der Universität, hier auf einer Aufnahme aus dem Sommer 2019.

studio b bremen

Erst die Probleme wegen der Corona-Pandemie, nun der Ärger wegen der Sportanlagen der Universität: Zahlreiche Bremer Schulen, Vereine und Verbände sind gleich nach dem Ende der Sommerferien in ihrem Sportbetrieb schwer ausgebremst worden. Was die Situation für die Betroffenen noch schlimmer macht: Sie fühlen sich nicht informiert. Und so wie es aussieht, hat sie auch niemand informiert.

„Ich habe trotz mehrerer Versuche keine Rückmeldung der Uni bekommen“, beklagt sich Helke Behrendt, Vizepräsidentin des Landessportbundes Bremen (LSB) und im Verband zuständig für die Sportinfrastruktur. Offensichtlich hat die Uni aber schon am 30. Juli den drei Senatsressorts Wissenschaft, Bildung und Sport mitgeteilt, dass ihre Sportanlagen nach den Sommerferien, die Mitte vergangener Woche endeten, nur eingeschränkt zur Verfügung stünden. „Die Universität geht davon aus, dass die für die Schulen und den Vereinssport zuständigen Ressorts die Schulen und Vereine entsprechend informiert haben“, teilt eine Sprecherin dem WESER-KURIER schriftlich mit.

Sportanlagen stehen wegen Pandemie nicht zur Verfügung

Entgegen den Aussagen bremischer Sport- und Schulvertreter, schreibt sie außerdem, dass die Anlagen keineswegs gesperrt seien. „Die Sporthallen sind nicht geschlossen, sondern stehen aufgrund des Infektionsschutzes (Corona-Pandemie) und einer unzureichenden Lüftung nur einer deutlich eingeschränkten Personenzahl zur Verfügung“, heißt es. Gleiches gelte für die Außenplätze und für die alte Unihalle in der Spittaler Straße, für manche bekannt als Halle Grazer Straße. „Wir kommen aber nicht auf die Anlage“, sagt Harald Wolf. Das gelte für die Hallen ebenso wie für die Außenplätze.

Harald Wolf ist Lehrer und Koordinator Leistungssport an der Sportbetonten Schule Ronzelenstraße und derzeit sehr damit beschäftigt, andere Sportstätten zu bekommen. „Wir haben abiturrelevanten Unterricht, den wir geben müssen“, sagt er und ist froh, dass beispielsweise der TV Eiche Horn, Bremen 1860 und der Bremer HC aushelfen. Weil auch der Spiegelsaal der Uni nicht zur Verfügung stehe, findet der Tanzunterricht der Schule in der eigenen Aula statt. „Wir sind am Improvisieren“, sagt Harald Wolf. So wie er seine Bemühungen beschreibt, dürfte er auch am Rotieren sein. Denn von der vermeintlichen Schließung der Sportanlagen seien, so Wolf, 120 Unterrichtsstunden betroffen.

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Dass der TV Eiche Horn der Sportbetonten Schule hilft, ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Verein durch die Schließung der Unisportanlagen selbst massiv betroffen ist. „Derzeit fallen bei uns zwölf Zeitstunden in der alten Unihalle weg“, sagt Geschäftsführer Fred Siegert. Die alte Unihalle liegt einige Hundert Meter vom Campus entfernt. Warum sie geschlossen ist, wusste Siegert am Dienstagvormittag nicht. Seit Dienstagnachmittag, seit der Nachfrage des WESER-KURIER, ob der Klub vielleicht doch über die eingeschränkte Nutzung informiert worden sei, weiß der Geschäftsführer, dass sie angeblich nicht geschlossen sein soll.

Ja, was ist denn nun Sache? Das scheint tatsächlich immer noch nicht klar zu sein. Während die Pressestelle der Uni am Dienstag darauf beharrt, dass die Sportanlagen nicht geschlossen seien, liegen dem WESER-KURIER zur gleichen Zeit Informationen darüber vor, dass wegen der Probleme mit einer Lüftungsanlage zumindest in einer Halle auch ein eingeschränkter Betrieb derzeit unmöglich sei. Was bei allen Ungereimtheiten klar zu sein scheint: Gleich an mehreren Stellen ist die Kommunikation zwischen den Beteiligten gründlich schiefgelaufen. Und die Leidtragenden sind die Sportler in den Vereinen und Schulen, die vor der Tür stehen.

Auch Vereine verlieren Trainingsstunden

Das Thema Kommunikation beschäftigt auch Horns Geschäftsführer. Er habe sich bereits Mitte August per Brief an den Unikanzler gewandt, sagt Fred Siegert – und ebenfalls keine Antwort bekommen. „Dabei brauchten wir doch Sicherheit wegen unseres Sportbetriebs nach den Sommerferien“, sagt Siegert. Unter der Schließung der alten Unihalle leide besonders Eiches Badminton-Abteilung, die dort nicht nur trainiert, sondern demnächst auch wieder in den Punktspielbetrieb einsteigen wollte. „Coronabedingt waren ja alle Hallen geschlossen“, sagt Siegert, „aber nach und nach sind viele wieder geöffnet worden, nur die Unihallen nicht.“ Oder doch? Bis Dienstag jedenfalls versuchte er händeringend, andere Sportstätten zu finden. Ab diesem Mittwoch dürfte er nach der Wahrheit suchen – und vielleicht, wenn die Halle doch nicht genutzt werden darf, auch weiter nach Ersatzhallen.

LSB-Vizepräsidentin Helke Behrendt sieht sich als Zuständige für Sportinfrastruktur als Ansprechpartnerin aufseiten des organisierten Sports in Sachen Hallen und Außenplätze. Auch sie versteht das Verhalten ihrer angefragten Gesprächspartner nicht. Ihr Schreiben in der vergangenen Woche an die drei Senatorinnen Claudia Schilling (SPD, Wissenschaft), Claudia Bogedan (SPD, Bildung) und Anja Stahmann (Grüne, Sport) sei ohne Reaktion geblieben. Auch die in dieser Angelegenheit gestörte Kommunikation mit der Uni gefällt ihr nicht. „Ich bin ja ständig in Kontakt mit der Uni, und mit dem Hallenmanagement des LSB hätten wir bestimmt auch etwas machen können, wenn wir von der Schließung der Anlagen früher informiert worden wären.“

Ob Schließung oder eingeschränkte Nutzung: Uni und Senatsressorts müssen umgehend für klare Verhältnisse sorgen. Fortsetzung der Geschichte folgt.

Info

Zur Sache

Eine schwierige Konstellation

Sport und Universität: Diese beiden Komponenten passen spätestens seit der Schließung des Sportstudiengangs vor einigen Jahren nicht mehr richtig zusammen. Fakt ist: Aufgrund der Vielzahl an Sportanlagen (Hallen, Außenplätze, Schwimmbad) gibt es über Schulen, Vereine und das umfangreiche öffentliche Angebot des Hochschulsports eine enge Verbindung zwischen Uni und Bevölkerung. Fakt ist aber auch, dass schon seit Jahren die Sportstätten mehr und mehr zu verfallen drohen. Und das in einer Zeit, in der laut über die Wiedereröffnung des Sportstudiengangs nachgedacht wird.

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