OT Bremen vor der Jahreshauptversammlung

Abschied im Frust

Zwei Abstimmungen über eine Verschmelzung mit benachbarten Vereinen sind gescheitert, eine dritte wird es nicht geben - zumindest nicht mit der OT-Vorsitzenden: Ute Brunzel wird ihr Amt definitiv niederlegen.
17.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Abschied im Frust
Von Jörg Niemeyer
Abschied im Frust

Abschied nach zwölf Jahren: Ute Brunzel gibt ihr Amt als OT-Vorsitzende ab. Die gescheiterte Fusion hat bei ihr Spuren hinterlassen, "OT ist für mich jetzt erledigt", sagt sie.

PETRA STUBBE

Bremen. Die Brisanz, die in der Jahreshauptversammlung des TSV Osterholz-Tenever (OT Bremen) am kommenden Montag ab 19.30 Uhr in der Halle der Bezirkssportanlage Schevemoor liegt, ist der Tagesordnung nicht anzusehen. In der stehen, neben den üblichen Berichten, unter anderem auch die Wahlen des Vorstands, des zweiten Revisors und des Ältestenrates. In guten Zeiten eines Vereins eher Routine, in schlechten Zeiten durchaus ein Kraftakt. Erst recht, wenn ein Amtsinhaber ausscheidet und kein Nachfolger erkennbar bereit steht.

Bei OT scheidet mit Ute Brunzel nach zwölf Jahren an der Spitze die Vorsitzende aus. Das ist, nach allem was in den vergangenen Monaten passiert ist, klar und unumkehrbar. „OT ist für mich jetzt erledigt“, sagt Ute Brunzel. Sie hatte sich dafür stark gemacht, dass ihr Verein mit der SG Arbergen-Mahndorf, dem ATSV Sebaldsbrück und dem TuS Vahr zur SG Bremen-Ost verschmilzt. Im November 2019 erhielt sie von den OT-Mitgliedern erstmals nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit, im März dieses Jahres ein zweites Mal nicht.

Nachdem die Vorsitzende schon nach der ersten Entscheidung Ende 2019 gesagt hatte, dass sie nur im Falle einer Zustimmung weiter für OT arbeiten wolle, kündigte sie im März nach dem zweiten Scheitern ihren Rückzug für April an. Dann kam Corona dazwischen. An eine Großversammlung war nicht zu denken, damit auch nicht an Neuwahlen und Sonstiges. Ein Passus in der OT-Satzung, mit dem niemand glücklich ist, der aber nun mal bindend ist, sorgte für zusätzliche Aufregung im Verein. Wie schon nach dem ersten gescheiterten Abstimmungsversuch, fand sich erneut ein Zehntel der OT-Mitglieder, das eine abermalige Abstimmung forderte.

Ute Brunzel hatte schon nach dem ersten Versuch erklärt, dass sie als Vorsitzende dieser Forderung laut Satzung folgen müsse. Und so bereitete die Vereinschefin statt einer Versammlung eine Briefwahl vor, bei der es den dritten Anlauf für die Verschmelzung mit der SG Arbergen-Mahndorf hätte geben sollen. Den wollten einige Vereinsmitglieder offensichtlich verhindern. Ihr sei klubintern daraufhin jedenfalls der Vorwurf gemacht worden, mit der schon vorbereiteten Briefwahl Vereinsgeld zu veruntreuen, sagt Brunzel. Sie blies die Briefwahl ab.

Nun dürfte Ute Brunzel am kommenden Montag ihren letzten Auftritt als OT-Vorsitzende haben. Sie ist enttäuscht und nach etlichen persönlichen Anfeindungen in den vergangenen Monaten, zum Teil sogar öffentlich während der Versammlungen, wohl auch tief verletzt. Auf jeden Fall ist sie nicht mehr gewillt, noch länger auf ihrem Posten zu bleiben. Bislang hat sie weitergemacht in der Hoffnung, die Amtsgeschäfte an ihren Nachfolger geordnet übergeben zu können. Nun sagt die Vorsitzende klar, dass ihre letzte Amtshandlung, falls erforderlich, bei Gericht die Bestellung eines Notvorstands sein werde.

Der Notvorstand wäre die Lösung, wenn der bisherige Vorstand ausgeschieden ist und sich kein neuer gefunden hat. Wie zu hören ist, könnte sich am Montag aus einem Kreis von sieben Personen allerdings ein neuer OT-Vorstand zur Wahl stellen. Ein Vorstand, der – so sieht es die Tagesordnung vor – dann gleich nach seiner Wahl zur abgesagten dritten Abstimmung über die SG Bremen-Ost Stellung nehmen soll. „Ich bin den Mitgliedern eine Begründung dafür schuldig, was coronabedingt unter den Tisch gefallen ist“, sagt Ute Brunzel.

Möglich ist jedoch auch, dass ein Vorstandskandidat nicht genügend Stimmen bekommt. Das dürfte entscheidend davon abhängen, welche Mitglieder in die Halle Schevemoor kommen. Bei den beiden Abstimmungen über die SG Bremen-Ost waren jeweils deutlich mehr Befürworter als Gegner in der Halle gewesen. Aber wegen der Notwendigkeit einer Dreiviertelmehrheit hatte sich die Gegnerschaft beide Male durchgesetzt. Am Montag geht es zwar auch um die Zukunft des Vereins, doch jetzt sind Personen gesucht, die zuallererst den Verein eigenständig führen und am besten dann auch die Mitglieder wieder zusammenführen können.

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