Gebre Selassie will mit Werder an die Liberec-Saison anknüpfen – da wurde er Meister Großer Name mit großem Ziel

Bereits vor der EM hat sich Werder um ihn bemüht. Während der EM wurde Werders Interesse publik. Gestern kam die Unterschrift zustande. Theodor Gebre Selassie, begehrter Rechtsverteidiger der tschechischen Nationalmannschaft, erhielt gestern einen Werder-Vertrag bis 2016.
23.06.2012, 05:00
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Großer Name mit großem Ziel
Von Olaf Dorow

Bereits vor der EM hat sich Werder um ihn bemüht. Während der EM wurde Werders Interesse publik. Gestern kam die Unterschrift zustande. Theodor Gebre Selassie, begehrter Rechtsverteidiger der tschechischen Nationalmannschaft, erhielt gestern einen Werder-Vertrag bis 2016.

Bremen. Die Flanke kam herangerauscht in den Strafraum, und Cristiano Ronaldo ließ sich das nicht entgehen. Der Stürmer, Kapitän und Superstar von Portugal köpfte das Tor des Abends, köpfte Portugal ins EM-Halbfinale und Tschechien aus dem Turnier. Ronaldos Gegenspieler konnte nur hinterherschauen, Ronaldo war ihm entwischt. Der Gegenspieler hieß: Theodor Gebre Selassie.

Gestern gab Werder Bremen bekannt, dass Theodor Gebre Selassie verpflichtet worden ist. Der Mann, der so ähnlich heißt wie der mehrfache Olympiasieger und Langstrecken-Weltrekordler Haile Gebrselassie, weil er zwar in Tschechien geboren wurde, aber äthiopische Wurzeln hat, bekommt in Bremen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016. Er ist 25 Jahre alt und spielte bislang beim tschechischen Meister Slovan Liberec. Für den Transfer ist eine Ablösesumme fällig, die Vereine haben sich angeblich auf eine Summe von 1,5 Millionen Euro geeinigt. Der Vertrag in Liberec wäre bis 2013 gelaufen.

"In der Aktion hat er das nicht geschickt gemacht", sagt Werder-Manager Klaus Allofs, angesprochen auf die missratene Verhinderung von Ronaldos Tor. Aber es war nicht so, dass Allofs nach dieser Aktion am liebsten wieder Abstand genommen hätte von der längst abgemachten Verpflichtung. "Dann müsste ich ja auch gleich jeden verpflichten wollen, der den Ball gerade in den Winkel haut", sagt Allofs. Insgesamt habe Gebre Selassie das sehr gut gemacht, sowohl im Spiel gegen Portugal, als auch während der gesamten EM. Einmal habe sich während der EURO Allofs’ Assistent Frank Baumann vor Ort davon überzeugt und mit dem Rechtsverteidiger auch gesprochen. Bereits vor der EM habe Allofs selbst mit Gebre Selassie gesprochen.

Bereits seit einigen Monaten beobachte Werder den tschechischen Afrikaner, berichtet Allofs. Gebre Selassie sei im Zweikampf recht geschickt, zeige offensive Qualitäten und ist auf jeden Fall sehr laufstark. Was Wunder bei dem Namen, möchte man fast sagen. Rein figürlich erinnerte er während der EM-Spiele in der Tat fast mehr an einen Läufer als einen Kicker. Er wirkte leichtfüßig. "Auf dieser Position brauchen wir so jemand", sagt Allofs, "er ist ein Spieler, von dem wir überzeugt sind und der sich hier entwickeln wird."

Werder soll sich bei der vierten Neuverpflichtung nach dem Düsseldorfer Innenverteidiger Assani Lukimya und den Torhütern Raphael Wolf (SV Kapfenberg) und Richard Strebinger (Hertha II) gegen zahlreiche Clubs aus dem In- und Ausland durchgesetzt haben. "Die Bundesliga übt immer einen sehr großen Reiz aus, und außerdem haben wir uns früh um ihn gekümmert", sagt Allofs. Zu den Interessenten sollen Stuttgart und Wolfsburg gezählt haben. Beraten wird Gebre Selassie vom ehemaligen Bundesligaprofi Miroslav Kadlec.

"Werder ist ein Verein mit viel Konstanz und Tradition", wird Werders Neuer in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. Er wolle an seine erfolgreiche Saison mit Liberec anknüpfen. Für Slovan spielte er bereits seit 2008. Er spielte bislang immer bei tschechischen Vereinen, seit er sich, 19 Jahre alt, gegen ein Studium und für eine Profikarriere als Fußballer entschied. Seine Mutter arbeitete als Lehrerin.

Sein Vater kam vor mehr als 30 Jahren als Arzt in die damalige CSSR. 1996, als Chamolas Sohn Theodor neun Jahre alt war, ließ er seinen Namen ändern. Angeblicher Grund: die Begeisterung über Gebrselassies Gold-Lauf über 10000 Meter in Atlanta. Später schrieb auch der umbenannte Sohnemann Geschichte, als er der erste dunkelhäutige Spieler war, der in der tschechischen Nationalmannschaft eingesetzt wurde. Als er von russischen Fans beim EM-Auftaktspiel rassistisch beleidigt wurde, sagte er: "Ich lebe schon mein ganzes Leben in Tschechien. In Äthiopien war ich zum letzten Mal, als ich zwei Jahre alt war."

Mit der Verpflichtung von Gebre Selassie dürfte sich in Bremen auch das Kapitel Sebastian Boenisch erledigt haben. Es gebe keinen Kontakt, Boenisch habe ja das Werder-Angebot abgelehnt, sagt Allofs. Was die Bemühungen um den Bayern-Stürmer Nils Petersen anbelangt, wollte der Manager gestern "nichts Neues hinzufügen". Man warte auf das Signal des FC Bayern, der den Angreifer bislang noch nicht freigegeben hat.

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