Viele Stars bei der German Open in Bremen Großer Sport in Halle 4

Bis Sonntag gastieren die weltbesten Tischtennisspieler in Bremen. Schon die ersten Qualifikationsrunden bieten am Eröffnungstag hochklassigen Sport.
08.10.2019, 22:27
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Großer Sport in Halle 4
Von Frank Büter

Mit Bluetooth-Kopfhörern in den Ohren betritt Hunor Szöcs die Halle. Volle Konzentration, nur nicht ablenken lassen jetzt. In wenigen Minuten wird der Tischtennisprofi des SV Werder Bremen sein Erstrundenspiel bei den German Open bestreiten. Es ist ein K.-o.-Spiel. Verlierst du, bist du raus. Hunor Szöcs hat sich einiges vorgenommen für dieses prominent besetzte World-Tour-Turnier des Weltverbandes ITTF. Er fühlt sich gut, und die Latino-Musik in seinen Ohren verstärkt dieses gute Gefühl noch.

In Halle 4 der ÖVB-Arena ist es wuselig. Vor den mobilen Tribünen wurden 14 Tischtennisplatten aufgebaut. 14 kleine Courts sozusagen, jeweils mit Banden abgetrennt. Sieben Courts in einer Reihe direkt vor den zunächst nur spärlich besetzten Zuschauerrängen, weitere sieben dahinter. An den Platten herrscht bereits Hochbetrieb. Klong. Klong, klong. Die Plastikbälle fliegen hin und her. An allen Tischen kämpfen die Aktiven um jeden Punkt. Es wird gejubelt, geschimpft, auf den Boden gestampft. Und immer wieder gibt es Beifall – wobei es mitunter schwer auszumachen ist, wem der Applaus gerade gilt.

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Die German Open 2019 sind eines von nur sechs Platinum-Events auf der Tour. Es gibt vergleichsweise hohe Preisgelder zu gewinnen – und viele Punkte für die Weltrangliste obendrein. Das lockt die Elite natürlich an. „Das Teilnehmerfeld ist WM-würdig“, sagt Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Die 16 besten Damen und Herren der Weltrangliste sind an diesem Eröffnungstag noch nicht im Einsatz, sie sind für die erste Hauptrunde der Einzelkonkurrenz am Donnerstag gesetzt. 16 weitere Plätze werden ausgespielt, dazu sind – je nach Weltranglistenplatzierung – maximal vier dieser K.-o.-Spiele zu überstehen.

Wer die Runde der besten 32 erreicht, ist im Geld, wie man so schön sagt. Im Einzelwettbewerb erhält man für den Einzug in die Hauptrunde eine Prämie von 1200 US-Dollar. Scheidet man vorher aus, gibt es nichts. Dann heißt es: außer Spesen nichts gewesen. Es sei denn, man wird vom jeweiligen Nationalverband unterstützt. Beim DTTB ist das klar geregelt, zugunsten der Aktiven. Es gibt Fördertöpfe, aus denen Hotel- und Reisekosten der Spieler bezahlt werden, erläutert Sportdirektor Prause. „Die Kosten sind gedeckelt.“

Das gilt auch im Fall des ehemaligen Werder-Akteurs Bastian Steger, der immer noch zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehört. Trotz seiner 38 Jahre. Auch Steger, aktuell Nummer 104 in der Weltrangliste, ist in Bremen am Start. Zum Leidwesen seiner Bremer Anhängerschaft bestreitet er sein Erstrundenmatch an Tisch 1, also auf der von der Tribüne abgewandten Seite. Dafür haben Zigtausend andere Interessierte beste Sicht. Denn Stegers Partie gegen den Chinesen Zhang wird live gestreamt, also im Internet übertragen.

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Philipp Hampl ist eigens aus Wien angereist. Als selbstständiger Subunternehmer ist er einmal mehr von der Medienfirma Sportradar gebucht und mit der Übertragung der Spiele beauftragt worden. An vier der 14 Tische sind Kameras installiert, die Livestreams sind auf der Internetseite des Weltverbandes verlinkt. Die Bilder gibt es unkommentiert, aber immerhin mit Ton, sodass zumindest etwas Atmosphäre durchs World Wide Web rauscht. „In Asien ist der Markt für Tischtennis-Übertragungen sehr groß“, sagt Richard Prause, Web-TV sei dort sehr beliebt. Womit klar ist, warum an den vier „Live-Tischen“ auch zumeist Spiele mit Aktiven aus dem asiatischen Raum angesetzt werden.

Stegers Gegner Yudong Zhang kommt aus China. Aus dem Land, das scheinbar unerschöpflich Tischtennis-Asse hervorbringt. Zhang ist ein aufstrebender Spieler, er gehört zu denen, die darauf brennen, sich bei solch einem Event von der besten Seite zu zeigen. Steger hat zu kämpfen. Hart zu kämpfen. Er vergibt im sechsten Satz zwei Matchbälle, muss in den Entscheidungssatz und liegt hier mit 5:8 hinten. Dann der entscheidende Moment: Steger gewinnt den längsten und schönsten Ballwechsel dieses hochklassigen Matches – und diesmal ist auch klar, wem der Beifall des Publikums gilt. Steger dreht das Spiel, steht in Runde zwei. Von Bundestrainer Jörg Roßkopf gibt es einen festen Händedruck, die Anhänger applaudieren – und Steger strahlt. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er. „Mal schauen, was der Abend bringt.“ Dann steht nämlich sein zweiter Einsatz an. Und bis dahin heißt es für ihn: Ab ins Hotel, essen, ausruhen, entspannen.

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Auch der Werderaner Hunor Szöcs verlässt die Arena an diesem Mittag mit einem Grinsen. „Ich bin glücklich“, sagt er nach seinem mühevollen, aber verdienten 4:3-Erfolg gegen seinen Trainingspartner Valentin Nad Nemedi aus Serbien. Auch Szöcs will sich nun bis zum Abend entspannen. Zu welcher Musik? „Das variiert“, sagt er. „Je nach Feeling.“

Info

Zur Sache

Ein geschmetterter Tischtennisball kann bis zu 180 Stundenkilometer erreichen. Die Kräfte, die dabei auf den Ball wirken, betragen bis zu einer Tonne. Wird der Ball dabei maximal angeschnitten, rotiert er beim Topspin rund 170 Mal pro Sekunde. Das entspricht etwa 10 000 Umdrehungen pro Minute. Anders gesagt: Mit bloßem Auge ist da nichts mehr zu erkennen.

Der längste Ballwechsel aller Zeiten dauerte 8 Stunden, 34 Minuten und 29 Sekunden. Er wurde 2009 von Koji Matsushida und Hiroshi Kamura-Kittenberger gespielt. Den schnellsten Ballwechsel aller Zeiten können sich Jackie Bellinger und Lisa Lomas auf die Fahne schreiben. Innerhalb einer Minute spielten sie den Ball 173 Mal hin und her. Das längste Einzel wurde zwischen dem 14. und 21. April 1985 von Uwe Geiger und Thomas Opiol von der TG Schömberg ausgetragen. Ihr Match ging insgesamt 168 Stunden.

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