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Gute Aussichten

Der Bremer Hockey-Club überzeugt seit Jahren mit starker Nachwuchsarbeit. Besonders die weibliche Jugend weckt Hoffnungen
27.10.2019, 19:24
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Gute Aussichten
Von Felix Wendler
Gute Aussichten

Lena Frerichs und Rosalie Blietz (vorne) feiern einen Treffer für den BHC.

Axel Kaste

Martin Schultze durfte nach dem Spiel die Hände von vielen Gratulanten schütteln. 3:1 hatte die weibliche Jugend B des Bremer Hockey-Clubs gerade gegen Uhlenhorst Mülheim gewonnen und sich damit den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften gesichert. Schultze ist der prägende Mann beim BHC. Als Geschäftsführer, Sportlicher Leiter und Cheftrainer für den Frauenbereich tätig, hatte er an diesem Wochenende besonders viel zu tun.

Während seine Spielerinnen sich noch feiern ließen, blickte Schultze schon wieder in die Zukunft. Eine seiner wesentlichen Aufgaben besteht darin, mit dem BHC auch zukünftig auf Bundesebene konkurrenzfähig zu sein. Besonderes Augenmerk richtet er deshalb auf die 320 Kinder und Jugendlichen, die aktuell beim BHC spielen. Vieles bewege sich schon in die richtige Richtung, sagt er und bezieht sich dabei besonders auf den weiblichen Nachwuchs. Als norddeutsche Meister in der weiblichen Jugend B und bei den Mädchen A konnten die Bremer dieses Jahr sogar die starke Hamburger Konkurrenz hinter sich lassen. Die Erfolge machen sich bemerkbar, sagt Schultze. „Mittlerweile kommen sogar Leute aus Hannover zu uns.“

Das Aushängeschild des BHC hingegen, die erste Damenmannschaft, ist im Sommer aus der Bundesliga abgestiegen. Umso wichtiger ist es für ihn, Talente aus der Jugend zu fördern und auf die Damen vorzubereiten. Gerade in den Jahrgängen 2003 bis 2005 gäbe es viel Potential, sagt Schultze. Mit Rosalie Blietz, Lena Frerichs, Johanna Mühl und Greta Schulze stellt der BHC vier Jugend-Nationalspielerinnen. „Und einige andere sind auf dem Sprung“, fügt er hinzu. Insbesondere Kapitänin Frerichs gilt als Ausnahmetalent. Bei ihren Auftritten in der Nationalmannschaft traf sie fast nach Belieben. „Sie sticht auch deutschlandweit heraus“, betont Schultze. Er ist sich jedoch auch bewusst: Um Topspielerinnen wie Frerichs langfristig zu halten, muss der BHC zurück in die erste Bundesliga. „Und im Optimalfall spielen wir dann auch nicht gegen den Abstieg.“

Schultze, der als Trainer im Damen- und Herren-Bereich schon Meistertitel und Europapokale gewann, hat bei seinen bisherigen Stationen genug Erfahrung gesammelt, um auch die Schwächen des Standortes Bremen beurteilen zu können. Der BHC teile das Problem vieler Bremer Sportvereine, sagt er. Die finanzielle Förderung im kleinsten Bundesland fiele sehr spärlich aus. „Wir bräuchten dringend eine zweite Halle und einen weiteren Kunstrasenplatz“, sagt Schulze. Zudem werde man natürlich nie die Auswahl an Spielern haben, wie es in Berlin oder Hamburg der Fall sei.

Um trotzdem möglichst viele Talente zu entwickeln, beginnt der BHC schon bei den Kleinsten. „Wir fangen sehr früh an, da wir ja auch mit anderen Sportarten konkurrieren“, sagt Schultze. Bei den Minis spielen schon Vier- bis Sechsjährige. An den Schulen sei man ebenfalls vor Ort und werbe für den Sport – mit Erfolg, findet er. Mehr Mädchen als Jungen spielen in der Jugend des BHC. Schultze sieht den Grund dafür auch in den sportlichen Erfolgen, die in den letzten Jahren vor allem der weibliche Nachwuchs erzielte. Das sei auf jeden Fall gute Werbung, sagt Schultze. Aber auch mit der Entwicklung im männlichen Nachwuchsbereich ist er zufrieden. „Wir haben mittlerweile auch bei den Jungs die ersten Jugend-Nationalspieler. Und die Knaben A sind in dieser Feldsaison unter den besten Acht in Deutschland.“ Überhaupt sind gute Platzierungen für Schultze wichtig, um die Sportart und insbesondere den HBC zu bewerben: „Sportlicher Erfolg macht einen Verein natürlich attraktiv.“

Ab dem Frühjahr 2020 sind die älteren Jahrgänge der weiblichen Jugend für die Damenmannschaft spielberechtigt. „Natürlich braucht es etwas Anpassungszeit und vor allem viel Spielpraxis“, sagt Schultze. Wer aus dem jetzigen Team den Sprung schafft – und ob es ein Sprung in die erste oder zweite Liga wird –, bleibt abzuwarten.

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