Fußball-Europameisterschaft 2024 Gute Chancen für Bremer Bewerbung

In zehn deutschen Städten würden Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2024 ausgetragen werden - sofern Deutschland bei der Bewerbung gewinnt. Auch in Bremen könnten dann Matches ausgetragen werden.
16.06.2017, 22:25
Lesedauer: 3 Min
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Gute Chancen für Bremer Bewerbung
Von Nico Schnurr

Die Bremer Chancen stehen gut, einer der zehn Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2024 zu werden. Sollte sich die Stadt dazu entscheiden, die Bewerbungsunterlagen bis zum 10. Juli beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einzureichen, dürfte es auf einen Zweikampf mit der Stadt Hannover hinauslaufen, glaubt Philipp Herpel. Der Geschäftsführer der Beratungsagentur HFP saß schon im Organisationskomitee der Weltmeisterschaften in Deutschland 2006 und Südafrika 2010. Momentan berät und begleitet Herpel die Bremer bei ihrem Plan, das Weserstadion zur Spielstätte der EM 2024 werden zu lassen. „Bremen hat allerbeste Außenseiter-Chancen”, sagte Herpel. „Die Stadt dürfte wohl den zehnten Platz vom DFB zugesprochen bekommen.”

Derzeit melden 14 deutsche Städte Ambitionen beim DFB an, Austragungsort der EM zu werden, sollte Deutschland im September 2018 den Zuschlag als Gastgeberland vom europäischen Verband UEFA erhalten und sich gegen Mitbewerber Türkei durchsetzen. Für diesen Fall machen sich drei norddeutsche Städte Hoffnung, als Spielort dabei zu sein. Hinter Hamburg, das als zweitgrößte deutsche Stadt als gesetzt gilt, reihen sich Bremen und Hannover ein.

Bremer Stadion habe mehr Logenplätze als HDI-Arena Hannover

Berater Herpel glaubt, dass „Bremen gegenüber Hannover deutliche Vorteile hat”. Auch deshalb, weil das Weserstadion über eine größere Kapazität an Logenplätzen verfügt als Hannovers HDI-Arena. Bremen dürfte daher als zweite norddeutsche Stadt zu den zehn Orten zählen, die der DFB am 15. September dieses Jahres zu den potenziellen Spielstätten ernennt, sagte Herpel.

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Bevor es dazu kommen kann, entscheidet die Bremische Bürgerschaft Ende Juni erst einmal, ob die Unterlagen überhaupt eingereicht werden. Um das Abwegen der Argumente für und gegen eine Bewerbung möglichst offen zu gestalten, fand am Donnerstag eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Sport in der Glocke statt. Dort mutmaßte Berater Herpel nicht nur, wie groß Bremens EM-Chancen tatsächlich sind. Er überschlug auch, dass es Bremen etwa 10,3 Millionen Euro kosten würde, Austragungsort der EM 2024 zu sein.

Bremen würde von EM im Weserstadion profitieren

Seine Rechnung bezog sich dabei auf alle vor und nach dem Turnier anfallenden Kosten. Neben Maßnahmen am Stadion hob Herpel besonders die 3,5 Millionen Euro hervor, die das Einrichten einer Fanzone kosten würde. Das Fanfest würde rund 25.000 bis 30.000 Besuchern Platz bieten. Dass Herpel mit nicht mehr als den 10,3 Millionen Euro rechnet, fußt vor allem auf seiner Annahme, dass die öffentliche Sicherheit rund um die EM-Spiele nicht von Bremen, sondern vom Bund bezahlt wird. Abschließend geklärt ist diese Frage allerdings noch nicht. Momentan verhandelt die Innenministerkonferenz noch mit dem Bund darüber, wer die Sicherheitskosten bei einer EM letztlich tragen würde.

Der Berater war sich dennoch sicher, dass Bremen von einer EM im Weserstadion profitieren würde. Vier Spiele könnten dann in der Stadt stattfinden. Die Kapazitäten dürften für Gruppen- und womöglich Achtelfinalspiele ausreichen, schätzte Herpel. Die wohl größte Schwachstelle des Standorts sei, dass ein gesonderter Zugang zur Haupttribüne durch das Stadionbad nicht möglich wäre, sagte Herpel. Dabei sei das genau der Bereich, wo bei einer EM Sponsoren, Funktionäre und andere Entscheider Platz nehmen sollen.

Filbry lobt Authentizität des Weserstadions

„Dafür hat Bremen mit dem Weserstadion das authentischste Stadion aller Bewerberorte”, sagte Klaus Filbry. Der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung glaubt, dass der Stadt bei der Bewerbung helfen könnte, dass es „in Bremen noch ein echtes Fußballerlebnis mitten in der Stadt gibt, das man so sonst nur noch in England bekommt”.

Das Weserstadion erfülle moderne Standards und alle Vorgaben der UEFA, sagte Herpel. Auch deswegen stehe er einer Bewerbung positiv gegenüber. „Ginge es bei der Bremer Bewerbung um eine Weltmeisterschaft oder Olympia, würde ich das sehr kritisch sehen”, sagte er. Bei einer EM hielten sich die Kosten und Risiken dagegen viel eher in Grenzen. „Mit dem Kostenaufwand bei Olympia kann man das überhaupt nicht vergleichen, das ist einfach eine völlig andere Dimension”, sagte Herpel.

Auch Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel sprach sich für EM-Spiele in Bremen aus. „Wir neigen in Bremen immer dazu, allein über die Kosten zu sprechen”, sagte Hickel. Er betonte, die positiven Auswirkungen einer Bremer Bewerbung würden überwiegen. „Bremen würde auch Jahre nach der EM noch profitieren”, betonte er. Das Turnier würde der Stadtentwicklung Auftrieb verleihen, die Infrastruktur und das Image Bremens verbessern. „In der Wahrnehmung der Welt versteckt sich Bremen lange schon in irgendeiner hinteren Ecke. Eine EM könnte das endlich ändern”, sagte Hickel. „Es wäre mal an der Zeit, dass Bremen für mehr wahrgenommen wird als nur für seine Stadtmusikanten.”

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