Bremener Sechstagerennen Halbtags im Fahrradladen

Bremen. Es gibt Dinge, auf die kann man sich nicht vorbereiten. Nico Heßlich fährt in Bremen gerade das erste Sechstagerennen seines Lebens, und er hat sich vorher extra ein paar Tipps bei den älteren Kollegen geholt.
13.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Halbtags im Fahrradladen
Von Patrick Hoffmann

Es gibt Dinge, auf die kann man sich nicht vorbereiten. Nico Heßlich fährt in Bremen gerade das erste Sechstagerennen seines Lebens, und er hat sich vorher extra ein paar Tipps bei den älteren Kollegen geholt. Nur das mit dem Lärm in der Nacht, das hat ihn dann doch ein wenig überrascht.

Heßlich schläft während der sechs Tage von Bremen im Courtyard Hotel am Hauptbahnhof. So wie alle Fahrer. Das Hotel ist auch wirklich toll, findet Heßlich. Nur steigt in der Edelherberge auch jede Nacht die sogenannte After-Race-Party – und das nicht selten bis in die frühen Morgenstunden hinein. Der Bass wummert dann immer so sehr, dass Heßlich kein Auge zu bekommt. Er hat deshalb noch einmal mit Robert Bartko gesprochen, dem Routinier im Fahrerfeld, „aber der hat nur gesagt, dass ich einfach runter gehen soll, mittanzen. Aber das kann ich mir noch nicht erlauben.“ Nicht als Neuling.

Also nimmt Nico Heßlich das einfach so hin. Er weiß ja, dass er diese Erfahrungen zu Beginn seiner Karriere machen muss. Wie jeder andere Bahnradfahrer vor ihm auch. Und er kommt ja auch trotz lauter Musik noch irgendwie auf seine sieben, acht Stunden Schlaf pro Nacht. „Das ist okay“, sagt Heßlich, „allerdings kosten die langen Nächte in der Halle und der wenige Schlaf zusätzliche Energie.“ Und das Rennen ist ja eigentlich schon anstrengend genug für den gebürtigen Cottbuser. Die Bremer Sixdays seien nicht annähernd so, wie er sich das vorgestellt habe, sagt Heßlich jedenfalls. Viel schneller. Viel spektakulärer. Viel gefährlicher. „Und die Leute flippen hier mehr aus als beim U23-Rennen.“

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Heßlich muss es wissen. Er ist im vergangenen Jahr selbst noch im U23-Feld mitgefahren. Gemeinsam mit dem Schweizer Samuel Horstmann hat Heßlich die Nachwuchswertung sogar gewonnen, mit einer Runde Vorsprung auf die Berliner Sebastian Wotschke und Hans Pirius. In diesem Jahr hat ihn Erik Weispfennig, Sportlicher Leiter des Bremer Sechstagerennens, deshalb für das Profirennen eingeladen. Und der junge Deutsche macht seine Sache bislang recht ordentlich. Gemeinsam mit dem erfahrenen Tschechen Milan Kadlec, 39 Jahre alt, liegt Heßlich nach dem vierten Tag auf Platz acht, 15 Runden hinter dem Führungsduo Marcel Kalz/Robert Bartko. „Wir schlagen uns ganz gut“, sagt Heßlich, „ich bin nicht enttäuscht.“

An den letzten beiden Tagen möchte Heßlich nun ganz gerne noch eine Wertung mit seinem Kollegen gewinnen. Im 500-Meter-Zeitfahren hätte es gestern mit Platz zwei schon fast geklappt. Und das, obwohl Heßlich die Distanz nach kurzem Anfahren seines Kollegen alleine zurücklegen musste. Mittelfristig hat sich der amtierende deutsche Meister im Zweier-Mannschaftsfahren (mit Leif Lampater) aber viel höhere Ziele gesetzt: „Ich möchte mich für die Olympischen Spiele qualifizieren.“ Nicht unbedingt schon 2016 („Das wird eng“), aber irgendwann einmal.

Der Weg dorthin ist aber noch lang für ihn. Heßlich ist derzeit nicht einmal Vollprofi, er arbeitet halbtags im Fahrradladen seiner Eltern. Heßlich merkt, dass mit Radsport in Deutschland kaum Geld zu verdienen ist, erst recht nach den vielen Dopingberichten in den vergangenen Jahren. Das ärgert ihn. „Wir riskieren hier Kopf und Kragen und bieten richtig geilen Sport“, sagt der ehemalige Leichtathlet, der erst mit 17 Jahren aufs Rad gewechselt ist. Manchmal bekommt er von Kollegen sogar den Tipp, doch lieber Fahrräder zu verkaufen, statt Fahrrad zu fahren. „Aber ich mache diesen Sport ja nicht des Geldes wegen“, sagt Heßlich, „Ich mache das, weil er geil ist.“

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