Handballer Finn Lemke

Olympiamedaille im Visier

Der Handball-Bund hat seinen Kader für die Spiele in Tokio berufen - und der gebürtige Bremer Finn Lemke ist dabei. Wird 2021 für ihn doch noch ein Jahr mit Tusch?
30.06.2021, 17:07
Lesedauer: 2 Min
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Olympiamedaille im Visier
Von Olaf Dorow
Olympiamedaille im Visier

Wird das Olympia-Abenteuer erneut mit einem sportlichen Erfolg enden? Finn Lemke (links) beim Turnier 2016 in Rio, von dem die DHB-Auwahl mit Bronze heimkehrte.

Marijan Murat/dpa

Er ist ein sehr großer Junge, größer als zwei Meter. Er wurde groß in Bremen und Schwanewede, und jetzt hat Finn Lemke Großes vor. Das Ziel sei eine Medaille, sagte stellvertretend für das Team der Bundestrainer Alfred Gislason, als am Mittwoch das Aufgebot der deutschen Handball-Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele in Tokio bekannt gegeben wurde. Zu den 17 berufenen Spielern zählen zehn, die vor fünf Jahren dabei waren, als die Deutschen in Rio Olympiabronze geholt hatten. Unter ihnen: der 2,10 Meter große Abwehrhüne Finn Lemke von der MT Melsungen.

Wird 2021 doch noch eine Saison mit Tusch für Finn Lemke? Der 29-Jährige hatte vor zehn Jahren die HSG Schwanewede/Neuenkirchen verlassen und sich peu á peu zur festen Bundesliga-Größe entwickelt. In Lemgo, Magdeburg, Melsungen. 2014 das Debüt im Nationaltrikot, 2016 das vorläufige Highlight der Karriere: Finn Lemke gehörte zu jener Mannschaft, die in jenem Jahr Europameister und Olympiadritter wurde. Die Spieler bekamen vom Bundespräsidenten das Silberne Lorbeerblatt. 2019 stand er Aufgebot, das bei der Heim-WM in Deutschland immerhin das Halbfinale erreichte und schließlich Vierter wurde. Was die ganz großen sportlichen Erfolge anbelangt, brach es danach ab - die Pandemie mit all ihren Be- und Einschränkungen kam obendrauf.

Zuletzt gehörte Finn Lemke zu jenen Profis, die für die umstrittene Weltmeisterschaft in Ägypten absagten. Im Januar dieses Jahres, als es weltweit sehr viele Infizierte und noch sehr wenig Geimpfte gab, hatte der Handball-Weltverband darauf bestanden, ein Marathon-Turnier durchzuziehen. 32 Mannschaften sollten spielen. Die deutsche Auswahl scheiterte schließlich an Ungarn und Spanien und verpasste in der Hauptrunde den Einzug ins Viertelfinale. In der Olympia-Qualifikation im März schaffte Gislasons Team den Sprung nach Tokio. Erneut ohne Finn Lemke.

In Tokio soll jetzt aber mit Finn Lemke gespielt werden. Der Abwehrspezialist soll, so schreibt es die Deutsche Presse-Agentur (DPA), den Ausfall von Patrick Wiencek im Innenblock kompensieren. Wiencek hatte sich im Mai im Champions-League-Viertelfinale des THW Kiel gegen Paris Saint-Germain einen Wadenbeinbruch zugezogen – und musste dem Bundestrainer für Olympia schweren Herzens absagen.

Finn Lemke war zuletzt von Bob Hannig, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), zumindest indirekt scharf angegangen worden. „Ich finde es erschreckend, dass Melsungen viele deutsche Nationalspieler für viel Geld gekauft hat, aber die Mentalität im Verein nicht mitgewachsen ist“, hatte Hannig gegenüber DPA gesagt. Es habe sich kein Spieler, seit er in Melsungen ist, verbessert. "Im besten Fall haben sie stagniert“, wird Hannig zitiert. Der Verein hatte diese Aussagen in einer Reaktion als "Offensivfoul" und für einen Verbandsfunktionär beispiellosen "Angriff auf unseren Verein" gegeißelt.

In Tokio wird die DHB-Auswahl gleich im ersten Spiel gefordert sein, wenn es erneut gegen Europameister Spanien geht. Weitere Gruppengegner sind Rekord-Weltmeister Frankreich, der EM-Dritte Norwegen sowie Brasilien. Nach einem einwöchigen Kurzurlaub nach der schlauchenden Bundesliga-Saison treffen sich die Spieler am Montag in Herzogenaurach zur direkten Vorbereitung auf das Turnier in Japan. Ende der kommenden Wochen stehen dann noch Testspiele gegen Brasilien und Ägypten auf dem Programm.  

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