2. Handball-Bundesliga der Frauen

Werder ärgert sich über eine 1000-Kilometer-Reise für nichts

Die Mannschaft hat sich eine Woche auf das Duell im Abstiegskampf beim HC Rödertal vorbereitet – dann erfährt sie erst in der Halle, dass das Spiel wegen eines positiven Corona-Tests ausfallen muss.
16.11.2020, 06:00
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Werder ärgert sich über eine 1000-Kilometer-Reise für nichts
Von Jörg Niemeyer
Werder ärgert sich über eine 1000-Kilometer-Reise für nichts

Gern hätten seine Spielerinnen am Sonnabend den Ball in die Hand genommen, um in Sachsen den ersten Saisonsieg einzufahren. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Trainer Robert Nijdam und sein Team reisten unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Oliver Baumgart (hansepixx)

So hatten sich die Zweitliga-Handballerinnen des SV Werder am Sonnabend ihren Auswärtsauftritt beim HC Rödertal nicht vorgestellt. Das Spiel des sieglosen Tabellenschlusslichts aus Bremen beim nur einen Punkt besser dastehenden Vorletzten aus Sachsen hätte ein ganz spezielles werden können. Und für Werder sollte es endlich das erste Erfolgserlebnis bringen. „Das Team war bereit“, sagte Werder-Trainer Robert Nijdam am Sonntag – da lagen eine kurzfristig abgesagte Partie und 14 Stunden im Bus hinter ihm und seiner Mannschaft.

„Wir hatten uns die ganze Woche auf das Spiel vorbereitet – und dann passiert so etwas“, sagte Rabea Neßlage, die seit 2014 für Werder aufläuft und damit die dienstälteste Spielerin im Team ist. Zwischen Busfahrt und vermeintlichem Spiel waren die Bremerinnen nach einem Spaziergang gerade zur Sporthalle zurückgekehrt, als die frustrierende Nachricht sie erreichte. „Man ist in diesen Zeiten ja auf alles vorbereitet“, sagte die 30-Jährige, „aber das war mehr als kurios.“

Robert Nijdam weiß, wie schwer der Umgang mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen derzeit ist. Am Wochenende fielen allein in der 2. Liga der Frauen drei der sieben angesetzten Begegnungen aus. „Corona ist kein Spiel“, sagte der 49-Jährige. Covid-19 ist bitterer Ernst, und deshalb hätte es am Sonnabend die etwa 500 Kilometer lange Reise der Bremerinnen nach Sachsen besser erst gar nicht geben sollen. „Ich verstehe es nicht“, sagte Nijdam. Er verstand es nicht, weil es am Mittwoch bereits die ersten Anzeichen einer Erkrankung im Team des HC Rödertal gegeben hatte.

Am Freitag, so schildert es der HC in einer Stellungnahme auf seiner Homepage, sei eine Spielerin von der Videoanalyse der Mannschaft ausgeschlossen und nach Hause geschickt worden, weil sie über Halsschmerzen klagte. Doch erst am Sonnabend unmittelbar vor der Partie habe ein Schnelltest aller HC-Aktiven ergeben, dass eine Spielerin positiv war. Das Testergebnis traf dann alle gleichermaßen unvermittelt: Es schickte die Werderanerinnen, die Gastgeberinnen und das Schiedsrichter-Gespann ohne Einsatz wieder nach Hause.

„Jeder weiß, wie wichtig das Spiel war“, sagte Robert Nijdam und fragte: „Was löst so eine kurzfristige Absage mental aus – nach 14 Stunden im Bus?“ Sie war, das bestätigte Rabea Neßlage, natürlich ein Stimmungskiller. „Auf der Rückreise waren wir erst mal sehr enttäuscht“, sagte sie. Morgens um 9 Uhr war der Werder-Tross aufgebrochen – in der Hoffnung, sportlich endlich die Wende zum Besseren einzuleiten. Erst nach Mitternacht war er wieder zurück in Bremen. Das Fazit der Reise: Außer Spesen nichts gewesen. Letztlich sei es so aber immer noch besser gewesen als gegen erkrankte Gegnerinnen zu spielen, meinte Rabea Neßlage.

„Wir haben Verständnis dafür, dass die Mannschaftsverantwortlichen des SV Werder Bremen enttäuscht über die Kurzfristigkeit unserer Entscheidungen waren“, wird HC-Präsident Andreas Zschiedrich auf der Homepage seines Vereins zitiert, „wir wissen selbst, wie anstrengend eine Busfahrt zu einem Auswärtsspiel sein kann und wie frustrierend sowie enttäuschend es ist, unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen.“ Werders Trainer zweifelte nicht an der Richtigkeit, diese Partie abzusagen. Robert Nijdam war und ist aber der Ansicht, dass die Absage früher hätte erfolgen sollen.

Jeder hätte, so sagte der Coach, Verständnis gezeigt, wenn das Spiel schon am Mittwoch oder Donnerstag verlegt worden wäre. „Wir machen aus Vorsicht ja alles mit“, sagte er. Nun müssen die Werderanerinnen also schnellstmöglich den Blick wieder nach vorne richten. Für den kommenden Sonnabend ist das nächste Heimspiel gegen den TuS Lintfort angesetzt, dessen Partie am Sonntag gegen den TVB Wuppertal ebenfalls ausfiel. Auf beiden Seiten gebe es im Umfeld Corona-Verdachtsfälle, heißt es – gut möglich also, dass Werder ein weiteres spielfreies Wochenende droht.

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